Praxis-Ratgeber

Berufshaftpflicht für Ärzte: Wie Sie im Schadensfall reagieren sollten

Jeder praktizierende Arzt braucht eine Berufshaftpflichtversicherung. Doch wie finden Mediziner passende Policen? Welche Leistungen sind zwingend, welche entbehrlich? Und was muss man eigentlich tun, wenn tatsächlich ein Schaden entstanden ist? Unser Beitrag beantwortet die wichtigten Fragen zur beruflichen Haftpflichtversicherung für Heilberufler.

Bei der Frage, welche Berufshaftpflichtversicherung die richtige für sie ist, sollten Mediziner unbedingt auf die folgenden Punkte achten. Sonst besteht die Gefahr, dass sie falsch oder unterversichert sind. Das Risiko, für einen Schaden privat haften zu müssen, ist dann groß.

Berufshaftpflicht zahlt keine fachfremden Schäden

Grundsätzlich zahlen ärztliche Berufshaftpflichtversicherungen immer dann, wenn der Arzt im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit einen Schaden verursacht. Was „zum Rahmen der beruflichen Tätigkeit“ gehört, ist von der jeweiligen Fachrichtung abhängig. Gynäkologen sind also im Normalfall für andere Tätigkeiten versichert als etwa Augenärzte oder Sportmediziner.

Wichtig: Übernimmt ein Arzt auch fachfremde Aufgaben, müssen diese gesondert in den Versicherungsschutz aufgenommen werden. Sonst können gefährliche Lücken mit entsprechend hohem finanziellen Risiko entstehen.

Ebenfalls zu beachten ist, dass die Versicherung grundsätzlich nur die Verwendung von Geräten und Apparaten umfasst, die auch in der Heilkunde zugelassen sind. Ähnliches gilt bei der Verschreibung von Medikamenten. „Beim Off Label Use, also wenn ein Arzt auf Arzneimittel setzt, die für die Behandlung der vorliegenden Krankheiten nicht zugelassen sind, besteht Versicherungsschutz nur unter sehr engen Voraussetzungen“, warnt Randhir Dindoyal, Rechtsanwalt aus München. Diese sind in der Regel erst erfüllt, wenn die behandelte Krankheit lebensbedrohlich ist, keine alternative Behandlung möglich scheint und in Fachkreisen anerkannt ist, dass das Medikament eine positive Wirkung zeigen kann.

Berufshaftpflicht braucht man auch im Ruhestand

Sinnvoll ist es zudem, einen Vertrag mit einem sogenannten Nachversicherungsschutz abzuschließen. Grund: Selbst wer sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, ist keineswegs davor gefeit, von früheren Patienten verklagt zu werden. Zwar entscheidet in der Regel der Zeitpunkt, in dem der Arzt einem Patienten Schaden zugefügt hat darüber, ob die Versicherung zahlt oder nicht. In vielen Fällen kann man sich allerdings erbittert darüber streiten, wann genau dieser Zeitpunkt war. In jüngeren Versicherungsverträgen ist daher in der Regel eine fünfjährige Nachhaftpflicht-Versicherung enthalten. Bei älteren Verträgen sollten Ärzte vor Aufgabe der Praxis beim Versicherer nachfragen, wie das Schutzniveau aussieht und bzw. ob sich, wenn nötig, noch eine Nachversicherung nachrüsten lässt.

Fehler beim Notfall absichern

Klären sollten Ärzte zudem, ob ihre Berufshaftpflichtversicherung auch bei Behandlungen im Ausland greift. In der Regel gilt der Schutz außerhalb Deutschlands zumindest auch bei Erste-Hilfe-Maßnahmen oder Notfalleinsätzen. Was viele Ärzte nämlich nicht wissen: Auch wenn sie privat unterwegs sind, sind sie verpflichtet, im Notfall zu helfen. Und können für Fehler bei der Behandlung finanziell in Anspruch genommen werden. Auch hier greift normalerweise die Berufshaftpflichtversicherung.

Angebote der Unternehmen vergleichen

Experten empfehlen Ärzten in der Regel, mit der Versicherung für Personenschäden eine Mindestdeckungssumme von drei bis fünf Millionen Euro zu vereinbaren. Sachschäden sollten bei der Berufshaftpflicht mit mindestens 150 000 Euro, Vermögensschäden mit mindestens 50 000 Euro versichert sein. Dabei gilt die Faustregel: Je höher die Deckungssumme der Haftpflichtversicherung gewählt wird, desto höher auch die Beiträge für die Police. Hier lohnt es sich jedoch, mehrere Unternehmen zu vergleichen – die Preisunterschiede der Anbieter sind – auch bei gleicher Leistung – oft erheblich.

Versicherungsschutz nicht gefährden

Zeichnet sich ab, dass ein bestimmter Sachverhalt zu einem Haftungsfall werden könnte, muss der Arzt seiner Versicherung alle Umstände binnen einer Woche melden. Zudem hat er die Pflicht, der Assekuranz alle ihm vorliegenden Unterlagen und Informationen zu übermitteln, damit diese sich ein Bild machen kann. Die Schweigepflicht gilt bei Fällen der Berufshaftpflicht gegenüber dem Anbieter  nicht.

Tipp: Ihre Mitwirkungspflichten sollten Niedergelassene sehr ernst nehmen! Denn wenn die Versicherung beweisen kann, dass ihr durch Versäumnisse des Arztes in diesem Bereich die Möglichkeit einer Schadensmilderung oder der Sachverhaltserforschung entgangen ist, kann sie möglicherweise von der Haftung frei werden. Der Arzt bleibt dann trotz Versicherung privat auf dem Schaden sitzen.

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