Ratgeber

Was tun, wenn der Praxis das Geld ausgeht? Die ersten Schritte in Richtung Lösung

„Zahnarzt häuft 400.000 Euro Schulden an“, „Insolvent: Zahnarzt häuft 1,2 Millionen Euro Schulden an“, Schlagzeilen wie diese haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass auch Mediziner in finanzielle Not geraten können. Was niedergelassene Ärzte tun können, wenn ihnen das Geld ausgeht, erklärt Sven-Olaf Lippke.

Die Ursachen für Schulden sind bei niedergelassenen ebenso vielfältig wie der Umgang damit. Oft sehen die Betroffenen keinen Ausweg – aus Scham oder weil ihnen alles einfach über den Kopf wächst. Das Thema wird ausgesessen – bis irgendwann die Insolvenz,  Zwangsräumung oder ähnliches droht. Die gezogenen Konsequenzen sind dann oft dramatisch. Doch so weit muss es meist nicht kommen.

Ärzte und Ärztinnen, die finanzielle Probleme haben, sollten sich zunächst klar machen, dass dies kein Makel ist! Oft schämen sich die Betroffenen, doch mit diesem Gefühl sind sie nicht alleine, weiß Sven-Olaf Lippke, Heilberufespezialist der FinaCon. „Die meisten Mandanten, die sich mit akuten Problemen an uns wenden, müssen sich sehr überwinden. Zuzugeben, dass man in einer Situation nicht mehr alleine Herr der Lage wird, ist für jeden schwer. Da fließen im Erstgespräch auch mal Tränen.“

Auch deshalb ist zu Beginn eines Sanierungsprozesses viel Fingerspitzengefühl gefragt. Es geht dabei nie um Schuldzuweisungen, sondern darum, den Weg aus einer verfahrenen Situation zu finden. Der Profi rät zu externer Unterstützung, um ein tragfähiges zukunftsorientiertes Finanzkonzept zu entwickeln.

Doch wie können Betroffene so ein Konzept erstellen?

Zu allererst ist es wichtig, dass die wirtschaftliche Situation vollständig erfasst wird und zwar sowohl privat als auch geschäftlich.

  • Welche Darlehen gibt es und wie sind die Konditionen?
  • Welche Rechnungen sind nicht bezahlt?
  • Gibt es Außenstände beim Finanzamt oder den Sozialkassen?
  • Wie hoch sind die laufenden regelmäßigen Verpflichtungen?

Aber auch die Einnahmenseite muss vollständig erhoben werden. Wichtig ist es dabei, keine Wünsche und Erwartungen abzubilden, sondern die sicheren Einnahmen darzustellen. Wenn man dann noch die privaten Lebenshaltungskosten zusammenstellt, erhält man ein erstes Lagebild, mit dem man dann in die nächste Phase eintreten kann – die Refinanzierung.

Ohne Umschuldung geht es meist nicht

In dieser Phase gibt es kein Patentrezept, deshalb rät der Experte spätestens jetzt zu externer Unterstützung: „Unternehmens- oder Heilberufeberater, die sich im Sanierungsbereich auskennen, helfen bei der Ausarbeitung eines tragfähigen Konzeptes. Es ist fast wie eine neue Existenzgründung zu sehen – nur dass man bereits Patienten und eine Praxis hat!“ Die Ausgangslage ist also meist gar nicht so schlecht, wie die Ärzte vermuten.

Um eine Umschuldung kommen die meisten Schuldner nicht herum, aber auch eine strategische Neuausrichtung und ggf. Investitionen in profitable neue Geschäftsfelder oder ein Praxisumzug sind denkbare Lösungsansätze. Es bedarf eben eines ganzheitlichen Konzeptes, damit sich der Mediziner wieder frei von finanziellen Sorgen um das Wohl seiner Patienten kümmern kann.

Einen Tipp hat Lippke noch: „Überlegen Sie sich immer: Was will die Bank wissen und wie überzeuge ich sie, dass das neue Konzept besser ist als das alte. Dann hat man gute Chancen!“

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Sven-Olaf Lippke

Sven-Olaf Lippke

Bereits seit 2010 berät Sven-Olaf Lippke Ärztinnen und Ärzte in betriebswirtschaftlichen Fragen vor allem im Rahmen von Existenzgründungen und Praxisabgaben. Seit 2018 ist er Gesellschafter der FinaCon Management Consulting GmbH. Seine Expertise erlangte er durch die langjährigen Erfahrungen in der Finanzwirtschaft als sog. Inhouse-Consultant und mehrjährige Führungserfahrung in Bremen. Zudem ist er durch die Healthcare Akademie zertifizierter Berater für akademische Heilberufe.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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