Jetzt investieren könnte sich lohnen

Wasserstoff, die vergessene Alternative: Warum die Anbieter jetzt ins Portfolio gehören

Jahrzehntelang hat die Automobilindustrie Wasserstoff als die Alternative zum klassischen Verbrennungsmotor priorisiert. Ein Elektroantrieb galt quasi als undenkbar. Dabei hat die Brennstoffzelle deutliche Vorteile. Für langfristig orientierte Anleger kann jetzt ein guter Zeitpunkt sein, Unternehmen, die sich mit dem Thema beschäftigen, in das Portfolio aufzunehmen.

Der anhaltende Druck, endlich in Sachen Klimaschutz voranzukommen, ist bei den Autokonzernen angekommen. Täglich gibt es neue Nachrichten der Unternehmen über Pläne zu Batteriefabriken, höhere Reichweiten und Absatzzahlen neuer E-Fahrzeuge. Umweltschützer kritisieren den Raubbau an der Natur für die benötigten Rohstoffe Lithium und Kobalt, sowie die Tatsache, dass überhaupt nicht so viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden kann, wie die geplanten E-Fahrzeuge verbrauchen werden.

Hinzu kommen weitere Nachteile: Der Schwerlastverkehr ist mit den aktuellen Akkukapazitäten nicht darzustellen und außerhalb der Ballungsgebiete gibt es nicht die notwendige Infrastruktur.

Mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge als Alternative

Ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug, welches seinen Treibstoff mit eigener Brennstoffzelle selbst herstellt, könnte eine Alternative sein. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnet die Brennstoffzelle im Auto nach wie vor als hoffnungslos und bei den deutschen Autobauern ist es ebenfalls verdächtig ruhig zu diesem Thema geworden. Dennoch scheint die Brennstoffzelle nicht tot zu sein, ganz im Gegenteil.

Bosch kooperiert mit dem amerikanischen Start Up Nikola Motors (übrigens der Vorname des Erfinders Nikola Tesla) für einen mit Wasserstoff angetriebenen Truck mit einer geplanten Reichweite von 1.300 km. Eine weitere Zusammenarbeit des Stuttgarter Unternehmens gibt es mit dem chinesischen Motorenhersteller Weichai Power, Chinas größtem Produzenten für Dieselmotoren. Gemessen an dem Aspekt, dass die chinesische Regierung bis zum Jahr 2030 über eine Million Brennstoffzellenfahrzeuge auf chinesischen Straßen plant, kein unbedeutender Partner.

Der asiatische Nachbar Japan ist hier schon deutlich weiter und verkauft mit dem Toyota Mirai oder dem Honda Clarity serienreife Fahrzeuge mit Brennstoffzellentechnik. Die südkoreanische Hundai Motor Group ist ebenfalls engagiert und plant ab 2030 neben wasserstoffbetriebenen Autos die Motorisierung von Schiffen und Gabelstaplern.

Japans Ministerpräsident ruft Strategie ins Leben

Die Anforderungen an den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur sind ähnlich komplex wie bei der Elektromobilität. Allerdings sind die Nutzungsmöglichkeiten der Wasserstofftechnik, allein schon aufgrund der einfacheren Speichermöglichkeit, weitaus größer und eben nicht auf E-Autos beschränkt.

Japans Ministerpräsident Abe hat eine nationale Wasserstoffstrategie ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2040 soll das Land vollständig auf erneuerbare Energien umgestiegen sein. Neben Brennstoffzellen für Häuser und Autos steht vor allem die Gewinnung von „grünem“ Wasserstoff im Fokus.

Mehr im Stillen als früher forschen und entwickeln weltbekannte Unternehmen, wie Panasonic mit dem deutschen Familienunternehmen Viessmann im Bereich Brennstoffzellenheizung für private Wohnhäuser. Siemens und der österreichische Stahlhersteller Voestalpine arbeiten mit dem Netzbetreiber Austrian Power an einer Anlage zur Herstellung „grünen“ Wasserstoffs.

Guter Zeitpunkt für langfristige Anleger

Bei der Batterieherstellung liegt die primäre Wertschöpfung im möglichst billigen Einkauf der Rohstoffe. Eine Disziplin, die die Chinesen derzeit am besten verstehen. Bei der Brennstoffzelle geht es um Ingenieurskunst, was wiederum eine der herausragenden Eigenschaften der deutschen Industrie ist.

Auch wenn Brennwerttechnik noch nicht wirtschaftlich betrieben werden kann – das waren die erneuerbaren Energien aus Wind und Solar am Anfang auch nicht und mussten subventioniert werden –, das hohe Engagement, vor allem der asiatischen Industrienationen lässt das Potenzial dieser Technik erahnen.

Für langfristig orientierte Anleger kann jetzt ein guter Zeitpunkt sein, Unternehmen, die sich mit Wasserstoff und Brennwerttechnik beschäftigen, in das Portfolio aufzunehmen. Das Angebot an Fonds ist überschaubar, da das Thema noch keinem Trend entspricht. Meist handelt es sich um breit diversifizierte Fonds für neue Energien, wie zum Beispiel der JSS Multi Label New Energy (LU0121747215) oder der DNB Fund Renewable Energy (LU0302296149). Lyxor bietet mit dem Lyxor New Energy UCITS (FR0010524777) einen ETF auf Referenzindex World Alternative Energy an. Wem dies zu ungenau ist, der kann sich an dem neu eingerichteten E-Mobilität Wasserstoff Index orientieren. Dieser bildet aktuell Unternehmen wie Linde, Air Liquide, Nel ASA oder Ballard Power ab.

Autor: Ralph Rickassel, Vermögensberater bei der PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf.

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