Beratungsfehler

Beratungsfehler bei Bankkunden: Wehren Sie sich!

Immer mehr Bankkunden wagen Schadenersatzklagen, weil sie sich über den Tisch gezogen fühlen. Zunehmend urteilen die Gerichte zugunsten der hereingefallenen Anleger.

Schadenersatzklagen gegen Berater, Anbieter und Initiatoren werden erfolgreicher. Jüngstes Beispiel: Die Verantwortlichen der pleitegegangenen Göttinger Gruppe müssen bluten – etwa wegen unwahrer Infos in Anlageprospekten. Wer Beratungsfehler bemerkt, soll schnell handeln, damit die dreijährige Verjährungsfrist nicht vorüber ist und die Anlagefirma noch existiert. Handeln heißt: Zur Verbraucherzentrale oder zum Rechtsanwalt gehen.

In den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen überprüfen besonders geschulte Fachleute die Angebote und weisen auf Fallstricke hin. Das Beratungsangebot hilft, die bestehenden Chancen auszuloten. Die 50 Euro für die persönliche Beratung sind gut investiertes Geld. Schließlich haben sich Banken-Sprüche wie „Wir arbeiten ausschließlich zum Wohle des Kunden“ schon oft als Verlustgeschäft herausgestellt. Wichtig: Berater müssen umfassender beraten als Vermittler. Das heißt, sie müssen auch checken, ob das Angebot zum finanziellen Hintergrund und den Vorkenntnissen des Kunden passt.

Typische Fehler sind falsche Renditeberechnungen, fehlende Angaben zu den Kosten oder „fehlende Hinweise über die personelle und wirtschaftliche Verflechtung von Beteiligten der Geldanlage“, wie Finanztest recherchiert hat. Wer rechtsschutzversichert ist, kann natürlich leichter klagen, vorausgesetzt die Gesellschaft gibt eine Deckungszusage. Geschädigte ohne solche Police tun sich zwar schwerer, sollten aber nicht klein beigeben. Oft wird der Rechtsanwalt einen Kompromiss aushandeln, bei dem Geschädigte schneller zu ihrem Geld kommen – allerdings mit Einbußen.

Der provisionsorientierte Verkauf steht bei vielen Banken im Vordergrund. Ein Insider aus einer Großbank zu ARZT & WIRTSCHAFT: „Die Bankberater bekommen knallharte Vorgaben, die sie am Schalter erfüllen müsse!“ Verkauft wird, was der Bank nützt. Das sind immer die Hausmarken. Und die so genannten „unabhängigen Vermittler“ verkaufen das, was am höchsten vergütet wird.

Doch erfreulich: Die jüngste Kreditkrise hat bewirkt, dass die Banken ihre Vergütungsanreize jetzt so gestalten wollen, dass die Mitarbeiter nicht mehr für schnelle Erfolge belohnt, sondern zu langfristigem Handeln animiert werden. Allein es fehlt der Glaube.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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