Man kann es ja mal versuchen

Schade: Diese Betriebsausgaben kriegen Sie als Arzt garantiert nicht durch

Luxushandys, Segeljachten und Bordellbesuche: Es ist interessant, was so mancher Unternehmer als Betriebsausgabe durchsetzen will. Tatsächlich können Praxisinhaber mit Hilfe eines kreativen Steuerberaters überraschend viele Ausgaben als beruflich notwendige Kosten absetzen. Welche Betriebsausgaben Sie aber garantiert nicht durchkriegen werden, zeigen die folgenden Beispiele.

Das Luxushandy

Keine Frage: Wer Bereitschaftsdienst hat, muss erreichbar sein und braucht dafür auch ein Handy. Allerdings muss es nicht unbedingt das teuerste sein, meint jedenfalls der Fiskus. Und bekam vor dem Finanzgericht Rheinland-Pfalz recht.

Geklagt hatte ein Zahnarzt, der sich speziell für die Erreichbarkeit am Bereitschaftswochenende ein zusätzliches Handy angeschafft hatte. Es handelte sich um ein handgefertigtes Modell zum Preis von rund 5.200 Euro. Die machte der Doktor in seiner Steuererklärung als Betriebsausgabe geltend und wollte die Ausgabe über drei Jahre abschreiben.

Durfte er aber nicht: Bei einer Betriebsprüfung wurden die Anschaffungskosten als „unangemessen“ beurteilt. Da half es leider auch nicht, dass der Arzt betonte, das Handy mindestens zehn Jahre lang nutzen zu wollen und eben Wert auf ein besonders stabiles Gerät gelegt zu haben. Finanzamt und Gericht blieben hart: Es sei ihm allenfalls erlaubt, 300 Euro als einmaligen Pauschalbetrag in den Betriebsausgaben dafür anzusetzen.

Begründung: Die Notwendigkeit eines Handys sei für den Bereitschaftsdienst unbestritten. Ein handgearbeitetes und mit Edelmetallen verziertes Smartphone sei aber weder dafür, noch für den Geschäftserfolg des Mediziners notwendig und könne daher auch nicht in vollem Umfang als Betriebsausgabe gewertet werden.

ferrariLuxus-Schlitten für Repräsentationszwecke

Ein Oldtimer oder ein Sportwagen als Praxis-Pkw und dann noch den Fiskus an den Kosten beteiligen? Eine tolle Idee! Sie funktioniert nur leider nicht. Zwar sind Mercedes, Audi oder BMW als Firmenwagen längst akzeptiert, dennoch lässt sich das Finanzamt nicht alles unterjubeln. Das musste auch ein Mediziner erkennen, der die Kosten für seinen Ferrari absetzen wollte.

Mit seiner Praxis erwirtschaftete er Umsätze von etwa 800.000 Euro und Gewinne von bis zu 350.000 Euro jährlich. Als Praxiswagen fungierte zunächst ein VW-Multivan, dann kam ein geleaster Ferrari Spider dazu. Das Luxus-Fahrzeug wurde vor allem für Fahrten zu Fortbildungen und Kollegenbesuchen genutzt. Die Betriebskosten für das Auto beliefen sich innerhalb von drei Jahren auf rund 98.000 Euro. Diese wollte er als Betriebsausgabe geltend machen. Das wurde vom Finanzamt aber verweigert.

Der Bundesfinanzhof bestätigte die Auffassung. Grundsätzlich könne zwar auch eine Luxus-Karosse dem Betriebsvermögen zugeordnet werden, aber nur, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt. Der Mediziner habe das Auto nur an 20 Tagen im Jahr betrieblich genutzt, dabei aber nicht einmal zu echten Praxiseinsätzen. Auch seien die Kosten als unangemessen hoch anzusehen. Bei der Beschaffung eines Luxus-Pkw dürfe das Finanzamt außerdem davon ausgehen, dass die Anschaffung eher persönlich und weniger betrieblich motiviert war.

Wer einen Luxus-Wagen als Betriebsmittel absetzen will, muss das also sehr gut begründen können. Oder sich alternativ mit einem Praxiswagen der Oberklasse „begnügen“.

SegeljachtenSegeljacht für die Mitarbeiter

Schön für die Mitarbeiter, wenn der Praxisinhaber auf ihre Erholung achtet und finanzielle Zuschüsse für den Urlaub gewährt. Übertreiben sollten Ärzte es damit aber nicht. Die Anschaffung einer Segeljacht am Mittelmeer ist zum Beispiel ganz sicher zu viel des Guten. Jedenfalls, wenn man das Schiff als Betriebsausgabe absetzen will. Wie der Bundesfinanzhof bestätigte, ist das auch dann nicht möglich, wenn die Jacht mehrere Monate im Jahr nicht nur dem Chef und seiner Familie, sondern auch den Arbeitnehmern zur Verfügung steht. Aufwendungen für Jagd und Fischerei, Segel- oder Motorjachten  sowie für ähnliche Zwecke und die hiermit zusammenhängenden Bewirtungen dürfen steuerlich nicht so berücksichtigt werden, dass sie den Gewinn der Praxis mindern. Ausnahme: Sie oder die Angestellten brauchen das Boot, um damit die Praxis zu erreichen.  Gleiches gilt übrigens auch für die Anschaffung und Haltung von Flugzeugen.

awardKosten für hochwertige Tombola-Preise

Höhepunkt jeder Weihnachtsfeier ist häufig eine kleine Tombola. Eine schöne Gelegenheit, um Weihnachtsgeschenke ans Personal und Geschäftsfreunde zu verteilen und zwar so, dass sich keiner benachteiligt oder bevorzugt fühlt. Schließlich entscheidet hier das Los, wer welchen Preis erhält. Lief die Praxis im vergangenen Jahr gut, ist es dennoch nicht ratsam, besonders großzügig zu sein. Will der Praxisinhaber den Fiskus an den Ausgaben für die Präsente teilhaben lassen, muss er vielmehr bestimmte Grenzen beachten. Die wurden bei einer Tombola anlässlich des 10jährigen Bestehens eines Unternehmens eindeutig überschritten. Geladen waren Mitarbeiter, Kunden und potenzielle Neukunden. Verlost wurden bei der Tombola aber nicht nur Kleinigkeiten, sondern auch ein Auto. Die Pkw-Anschaffungskosten wollte der Inhaber dann steuerlich geltend machen, doch das Finanzamt versagte ihm den Betriebsausgabenabzug.  Wie das Finanzgericht Köln erklärte, sei der Wert des Autos auf alle Anwesenden umzulegen. Demnach hatte jeder Gast eine Gewinnchance im Wert von 49 Euro. Damit war allerdings die erlaubte Freigrenze von damals noch 35 Euro pro Person überschritten und die Gesamtausgabe somit nicht mehr zum Steuerabzug zugelassen.

PferdPferde für Familienmitglieder

Klavier- und Reitunterricht für die Kinder sind in vielen Arztfamilien Standard. In manchen Fällen gönnt man sich auch gleich das eigene Pferd. Die Tatsache, dass der Arzt das Hobby mit den Praxisgewinnen finanziert, stellt aber keinen steuerlich relevanten Betriebsbezug her.  Der Kläger vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg sah es anders und wollte die Pferdehaltung, die er seinen Familienangehörigen finanzierte, als Betriebsausgabe geltend machen. Das Finanzamt versagte den Abzug und auch die Richter kannten keine Gnade: Aufwendungen für die Lebensführung sind reine Privatsache. Das gilt auch dann, wenn die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen sie quasi mit sich bringt. Auch wenn alle Arztkinder in der Umgebung reiten: Für den Betriebsausgabenabzug zählt nur, ob die Kosten direkt der beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen dienen. Pferde sind bei Praxisbesitzern und den meisten anderen Unternehmern aber nicht Gegenstand der ausgeübten Betätigung. Die Richter waren sich jedenfalls sicher, dass der Kläger seine Leistungen auch ohne die Pferde erbringen konnte und lehnten den Betriebsausgabenabzug deshalb ab.

partyBordellbesuche als Geschäftsessen

Geschäftliche Besprechungen könnte man jederzeit auch in einem kargen Konferenzraum abhalten. Dennoch erlaubt es der Fiskus, dass Gäste bewirtet oder auch mal zum Essen eingeladen werden, wenn es der Förderung der Geschäftsanbahnung und damit auch der betrieblichen Tätigkeit dient. Bei einem „Geschäftsessen“ sollte dann aber auch die Darreichung von Speisen und Getränken im Vordergrund stehen. Wer seinen Geschäftspartnern zusätzlich noch andere Angebote offeriert, bleibt unter Umständen auf den Kosten sitzen. Einen betrieblichen Bordellbesuch lassen Finanzämter jedenfalls nicht als Schaffung eines angenehmen Rahmens für Geschäftsbesprechungen gelten. Da spielt es auch keine Rolle, dass diese Art von „Geschäftsessen“ in manchen Kreisen üblich sei. Wie der Bundesfinanzhof in einem Urteil erklärte, zählt hier nur die allgemein übliche Auslegung des Begriffs. Grundsätzlich gilt: Je stärker die Berührung der Ausgaben mit der privaten Lebensführung bzw. in diesem Fall dem privaten Vergnügen, desto geringer die Chance auf eine steuerliche Berücksichtigung.

Karate ShaolinShaolinkurs als Fortbildung

Eine Ärztin absolvierte Shaolin-Kurse auf Mallorca und deklarierte sie als berufliche Fortbildung. Die zuständige Ärztekammer akzeptierte, sie erhielt für „die Kraft des Denkens“ tatsächlich Ausbildungspunkte. Nachdem die Kurse damit als berufliche Fortbildung bestätigt waren, setzte die Zahnärztin die Kosten als Betriebsausgaben an. Doch das Finanzamt lehnte ab: Es lasse sich nicht erkennen, dass die Lerninhalte auf konkrete berufliche Tätigkeiten zugeschnitten seien. Vielmehr würden die vermittelten Methoden und Techniken auf die Gesamtpersönlichkeit der Klägerin einwirken, so dass der private Nutzen keinesfalls in den Hintergrund trete. Auch fehle es an objektiven Kriterien für eine Aufteilung zwischen beruflich und privat. Deshalb seien die entstandenen Kosten insgesamt nicht abzugsfähig. Das Finanzgericht Köln bestätigte die Auffassung des Finanzamts (Az.: 10K 1356/13). Das Argument der Ärztin, dass sie auch als Heilpraktikerin arbeite, dabei eine ganzheitliche medizinische Denkweise im Vordergrund stehe und sie deshalb eine höhere Kommunikationsfähigkeit brauche, zog übrigens auch nicht.

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