Was Sie zu diesem Verfahren wissen müssen

Wenn sich Arzt und Versicherung streiten: So hilft der Ombudsmann

Egal, ob es um eine Schadensabwicklung oder eine Auszahlung geht – wenn sich Ärzte mit ihrer Versicherung streiten, müssen sie nicht gleich vor Gericht ziehen. Vorher können sie sich an den Ombudsmann für Versicherungen wenden. Häufig reicht das, um Probleme zu lösen.

(dpa/maf) Ob es um Lebensversicherungen, Berufshaftpflicht, die private Rentenvorsorge oder eine der vielen Zusatzversicherungen für die Praxis geht: Kommt es zum Schadensfall, sind Diskussionen und Ärger mit der Versicherung an der Tagesordnung. Den Eindruck kann man jedenfalls gewinnen, wenn man die dazugehörigen Diskussionen in diversen Foren betrachtet. Wähnen sich Versicherung und Kunde beide im Recht, muss ein unabhängiger Dritter entscheiden. Damit aber nicht alle Streitfälle gleich in einem teuren Gerichtsverfahren münden, gibt es den Ombudsmann für Versicherungen. Das ist eine Schlichtungsstelle, an die sich auch Ärzte im Streitfall kostenfrei wenden können. Wir beantworten die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Wann können sich Ärzte, die Ärger mit der Versicherung haben, an den Ombudsmann wenden?
Der Ombudsmann hilft bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Versicherungsnehmer und der Versicherung oder dem Versicherungsvermittler. Er kann Beschwerden bis zu einem Streitwert von 100.000 Euro schlichten. Seine Entscheidungen sind für die Versicherungen allerdings nur bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro bindend.

Kann der Ombudsmann bei allen Versicherungsfragen vermitteln?
Tatsächlich kann der Ombudsmann fast alle Versicherungsbereiche abdecken. Außer es geht um Kreditversicherungsverträge: Bislang ist er dafür nicht zuständig. Kranken- oder Pflegeversicherungen haben außerdem einen eigenen Ansprechpartner, den Ombudsmann der privaten Krankenkassen.

Ist es immer sinnvoll den Ombudsmann zuerst einzuschalten?
Der Schlichterspruch des Ombudsmannes kostet den Versicherten nichts. Es lohnt sich für den betroffenen Arzt also auf jeden Fall auf diesem Weg für sein Recht zu kämpfen – auch wenn der Streitwert sehr gering ist, erklärt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sollte der Versicherte mit dem Schiedsspruch nicht zufrieden sein, kann er immer noch vor Gericht ziehen. Dann sollte er allerdings auch wissen: Bei einem geringen Streitwert – etwa Gebühren von 100 Euro – trägt er unter Umständen ein hohes Prozesskostenrisiko. «Dazu kommt, dass gute Anwälte bei einem so geringeren Streitwert schwer zu finden sind», sagt Grieble.

Wie läuft die Beschwerde ab?
Ein Arzt, der sich über eine Entscheidung seiner Versicherung ärgert, muss sich zunächst direkt an den Versicherer wenden – mit der Bitte um Klärung. Erst, wenn dann nichts passiert, kann er beim Ombudsmann Beschwerde einreichen – telefonisch, online oder per Post. Der Versicherte muss seine Personalien sowie die betroffene Versicherung angeben. Wichtig: Er sollte Kopien des Schriftverkehrs, eine kurze Beschreibung des Sachverhalts und Ziel der Beschwerde dazu legen. Wer dabei Hilfe braucht, kann sich an die Mitarbeiter der Schlichtungsstelle wenden. Sie könnten laut Hirsch auch nötige Unterlagen beim Versicherer einfordern sowie dessen Stellungnahme einholen. Ist die Akte vollständig, prüfen die Juristen der Schiedsstelle die Beschwerde. Drei Monate dauert es im Schnitt, bis diese mit einer Entscheidung, einem Vorschlag oder einer gütlichen Einigung abgeschlossen wird.

Was steckt hinter der Schlichtungsstelle?
Ein eingetragener Verein, bei dem fast alle Versicherer in Deutschland Mitglieder sind. Bianca Boss vom Bund der Versicherten rät: «Bei der Wahl der Versicherung auf die Mitgliedschaft in der Schiedsstelle achten.» Denn nur dann erkennt die Versicherung den Schiedsspruchs an. Andernfalls sollten Verbraucher vorsichtig sein: «Wer nicht Mitglied der Schlichtungsstelle ist, hat auch häufig seine Gründe», warnt Grieble.

Wie objektiv ist der Schiedsspruch?
Die Unabhängigkeit des Ombudsmannes bestätigen Verbraucherschützer: «Der Verein wird zwar durch die Versicherungsunternehmen finanziert, aber die Verfahrensordnung gewährleistet die Unabhängigkeit», sagt Boss. Der Ombudsmann sei kein Angestellter des Vereins. Er sei bei seinen Entscheidungen ausdrücklich frei und keinen Weisungen unterworfen. Die Beschwerde-Bilanz zeigt: Rund 44 Prozent aller Schiedssprüche wurden laut Hirsch zugunsten der Verbraucher gefällt.

Was bringt das Verfahren den Versicherern?
Die Versicherungswirtschaft hat so einen einfachen Weg gefunden, Beschwerden schlichten zu lassen. «Die Unternehmen haben die Chance, Probleme frühzeitig aus der Welt zu schaffen – bevor der Streit eskaliert und der Kunde für immer weg ist», sagt Simon Frost vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Zusätzlich gewinnen die Unternehmen Erkenntnisse darüber, ob es sich bei der Kundenbeschwerde um einen Einzelfall handelt oder um einen strukturellen Missstand, der zu beseitigen ist.

Kontakt und weitere Informationen:
Versicherungsombudsmann e.V., Postfach 080632, 10006 Berlin (Tel.: 0800/369 60 00, montags bis freitags 8.30 bis 17.00 Uhr; E-Mail: beschwerde@versicherungsombudsmann.de).

Anzeige

Wie Sie mit diesem Trick die Beiträge nebst Zinsen Ihrer Lebensversicherung zurückfordern können

Lebens- und Rentenversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, kamen zumeist widerrechtlich zustande und können rückabgewickelt werden. Das entschied letzthin der Bundesgerichtsh... Mehr
Author's imageServiceredaktion

Weitere Artikel zum Thema:

Informationen für Ärzte und ihre Mitarbeiter

Betriebliche Altersversorgung (Teil 3): der Pensionsfonds


Informationen für Ärzte und ihre Mitarbeiter

Betriebliche Altersversorgung (Teil 2): die Pensionskasse


Für Besserverdienende interessant

Betriebliche Altersversorgung (Teil 4): die Unterstützungskasse


Leser fragen, Experten antworten

Wenn der Arzt in Rente geht


Informationen für Ärzte und ihre Mitarbeiter

Betriebliche Altersversorgung (Teil 1): die Direktversicherung


Anzeige