Werden Sie wirklich gut beraten?

Steuerberater: So finden Sie den passenden Spezialisten

Der wirtschaftliche Erfolg einer Arzt- bzw. Zahnarztpraxis hängt auch von der Qualität seiner Steuerberatungsgesellschaft ab. Aber wie findet man den richtigen Steuerberater, der sich mit den Besonderheiten im Gesundheitswesen auskennt? Woran erkennen Sie einen kompetenten Spezialisten für Ärzte? Wir sagen es Ihnen.

Ein Praxisgründer verhält sich bei der Suche nach einer kompetenten Steuerberatung oft kaum anders als ein Patient, der auf der Suche nach der richtigen Behandlung ist. Er verlässt sich in der Regel auf Empfehlungen und auch ein wenig auf sein Bauchgefühl. Doch hat der vom Kollegen empfohlene Fachmann mit der Beratung von Niedergelassenen tatsächlich schon genügend Erfahrung? Kennt er sich mit steuerlichen Problemen der Heilberufe aus, berät er auch andere Ärzte?

Jeder Steuerberater kann den Jahresabschluss Ihrer Praxis erstellen. Er kann Ihnen anhand der Umsätze sagen, wie viel Sie tatsächlich im Monat verdienen, denn Gewinn ist nicht gleich Geld auf dem Praxiskonto. Wenn etwa in der Praxis innerhalb eines Jahres privat soviel abgezweigt wurde, dass dieser Betrag die Summe aus dem erzielten jährlichen Gewinn bald übersteigt, sollte ein guter Steuerberater versuchen, rechtzeitig gegenzusteuern und verständlich erklären können, was Sie in Zukunft ändern sollten, um die Situation zu verbessern.

Die Tücken des UstG

Aber längst nicht jeder Steuerberater kann weiterhelfen, wenn Sie eine Gemeinschaftspraxis, ein Ärztehaus gründen oder in die Integrierte Versorgung (IV) einsteigen wollen. Wer von den Möglichkeiten im neuen Vertragsarztrecht Gebrauch machen will, sollte sich unbedingt einen spezialisierten Steuerprofi suchen. Sonst kommt es möglicherweise bei einer Gemeinschaftspraxis mit IV-Vertrag, die Patienten auch mit Medikamenten oder Heil- und Hilfsmitteln versorgt, die üblicherweise von Apotheken oder Sanitätshäusern als gewerbliche Leistungen erbracht werden, zur so genannten gewerblichen Infektion. Das heißt, auch für die eigentliche ärztliche Tätigkeit muss Gewerbesteuer gezahlt werden.

Extra Beratung erfordern auch die Probleme mit standortübergreifenden Teilgemeinschaftspraxen und Kooperationen mit angestellten Ärzten, die jetzt nach der neuen Musterberufsordnung möglich sind. Der universelle Steuerberater in der nächstliegenden Kanzlei kennt sich damit in der Regel weniger gut aus. Ein Berater, sollte für einen Arzt, der den ganzen Tag unter Termin- und Zeitdruck steht, vor allem gut erreichbar sein, um anstehende Fragen rasch zu klären.

Diese Leistung muss die Steuerberatung bringen

Ein fester Ansprechpartner, der Stärken und Schwächen der Praxis detailliert kennt, sollte in der Lage sein, komplizierte Sachverhalte verständlich zu vermitteln. Ein wichtiger Punkt sind etwa die Abschreibungen. Hier kann der Steuerberater durch seine Vorschläge dazu beitragen, finanzielle Vorteile für den Arzt zu erzielen, Anspar- und Sonderabschreibungen als Steuersparmodelle nutzen. Aber auch Vorschläge zur privaten Absicherung durch die passende Altersvorsorge für den Mandanten, inklusive Ehepartner, gehören zu einer umsichtigen Steuerberatung.

Viele Niedergelassene möchten zudem aktuell und schnell zu Steueränderungen und deren Auswirkungen auf die eigene Praxis informiert werden. Herkömmliche Mandanten-Informationen wie Newsletter erfüllen diesen Anspruch nicht immer. Besonders heikel sind Fragen zum Thema Umsatzsteuer. Deren Behandlung unterscheidet sich bei Ärzten und Zahnärzten deutlich von  der in „normalen“ Unternehmen. Für Ärzte ist deshalb ein individuelles Infosystem, das neben steuerlichen Themen auch betriebswirtschaftliches Wissen vermittelt, besser. Dabei sollte der Steuerberater berücksichtigen, dass Niedergelassene in Sachen Steuern unterschiedliche Vorbildung mitbringen. Was für den Berater selbstverständlich ist, klingt für den anderen wie Steuerchinesisch.

Umsatzsteuer trotz Heilberuf

Wie bei der Arzt-Patient-Beziehung ist für die erfolgreiche Zusammenarbeit ein gutes persönliches Verhältnis wichtig. Schließlich kennt der Steuerberater Einnahmen und Ausgaben und weiß, ob die Praxis der Bank oder dem Arzt gehört. Einem Steuerberater, dem Sie nicht vertrauen, werden Sie nicht die nötige Offenheit entgegen bringen, um auch heikle finanzielle Probleme anzusprechen.

Häufiger Streitpunkt zwischen Steuerberater und Mandant ist die Höhe des Honorars. Eine wichtige Vergleichshilfe für die Höhe der Kosten bieten Erfahrungen von Kollegen mit ähnlicher Praxisstruktur. Steuerberater berechnen ihr Honorar nach der Steuerberatergebührenverordnung. Die Gebühren ergeben sich in der Regel aus dem Umsatz und feststehenden Tabellenwerten, die der Steuerberater mit einem Faktor multipliziert. Die Höhe des Faktors legt der Steuerberater individuell nach Aufwand und Schwierigkeit der Beratungsaufgabe fest. So kann er für eine Steuererklärung zwischen einem und sechs Zehntel-Prozent eines feststehenden Tabellenwerts verlangen. Das Resultat sind Preisunterschiede von mehreren hundert Prozent.

Da Steuerberater bei der Gebührenfestsetzung über einen weiten Ermessensspielraum verfügen, sollten Niedergelassene versuchen, diesen einzuschränken. Eine Möglichkeit ist die ordentliche Belegpflege, das bedeutet eine termingerechte und übersichtliche Vorbereitung der Unterlagen, am besten nach Absprache mit dem Berater und so, wie er sie haben will.

A&W-TIPP

■ Je spezieller die Fragen und Probleme sind, desto wichtiger ist ein speziell auf Ärzte und deren Besonderheiten spezialisierter Berater.

■ Ein umsichtiger Steuerberater plant genügend Zeit für die individuelle Beratung ein. Wie hält es Ihrer diesbezüglich?

■ Verschaffen Sie sich unbedingt einen persönlichen Eindruck von einem Berater und seiner Kanzlei, bevor Sie sich für ihn entscheiden.

■ Mit etwas mehr Durchblick in steuerlichen Praxisfragen können Ärzte ihre Probleme exakter formulieren und die richtigen Fragen stellen. Das kann Zeit und Geld sparen.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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