Praxisinvestitionen

Praxisgründung: Die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten

Wer kann Praxisgründung oder größere Investitionen schon aus Eigenmitteln finanzieren? Also muss fremdes Geld her. Aber: Welche Finanzierung ist die richtige?

Existenzgründer, die sich zu einer Neu-Niederlassung entschließen, müssen mit bis zu drei Jahren Anlaufphase rechnen. In dieser Zeit erwirtschaften sie noch zu wenig Umsatz, um Praxiskosten und Lebensunterhaltskosten zu decken. In dieser Zeit leben sie vom Betriebsmittelkredit.

Dessen Limit sollte deshalb hoch gewählt werden. Bezahlen muss man ohnehin nur für den Anteil, den man tatsächlich in Anspruch nimmt. Vereinbart man etwa 50.000 Euro Kreditrahmen, nutzt man aber nur 40.000 Euro, muss man auch nur für die Zinsen zahlen. Wird das vereinbarte Kreditlimit dagegen überschritten, verlangt die Bank für den überschreitenden Betrag erheblich höhere Zinsen.

Ziel aller Praxisbetreiber sollte also sein, den Betriebsmittelkredit möglichst wenig zu belasten. Deshalb kann günstig sein, für die Praxisfinanzierung eine Finanzierungsart zu wählen, die mit der Tilgung des Darlehens oder mit der Zahlung der Prämien für eine Lebensversicherungstilgung erst nach der Anlaufphase der Praxis beginnt. Damit verlagert sich die finanzielle Hauptbelastung – die Tilgung des Darlehens – in einen Zeitraum, in dem die Praxis bereits Gewinne erwirtschaftet.

Würde ein Praxisgründer direkt mit der Tilgung seines Darlehens beginnen, würde er die Zahlung üblicherweise zu Lasten seines Kontokorrentkredites leisten müssen. Damit würde er einerseits einen preisgünstigen Kredit tilgen, gleichzeitig aber für die Tilgung einen teueren Kredit in Anspruch nehmen. Diese Verschiebung der Schulden geht voll zu Lasten des Praxisinhabers. Denn Kontokorrentzinsen sind allemal höher als Zinsen für langfristige Darlehen. Es kann also nicht Sinn einer planvollen Finanzierung sein, durch Verschiebung der Schulden eine preisgünstige Finanzierung gegen eine teure Finanzierung einzutauschen.

Natürlich ist ein Darlehen mit Tilgungsaussetzung – üblicherweise werden zwischen Investor und Kreditinstitut zwei tilgungsfreie Jahre vereinbart – teurer als solche Darlehen, bei denen mit der ohnehin nicht vermeidlichen Tilgung sofort begonnen wird. Gleiches gilt natürlich auch für die Beitragsfreistellung bei der Finanzierung mit einem Lebensversicherungsdarlehen. Jedoch sollten gerade Praxisneugründer die goldene Regel Liquidität geht vor Rentabilität beachten und eine tilgungsfreie Zeit in Erwägung ziehen.

A&W-TIPP
Ohne Liquidität …

… läuft gar nichts. Das Schlimmste, was einem Niedergelassenen passieren kann, ist die Zahlungsunfähigkeit. Bevor er sich Gedanken über die Darlehenskonditionen macht, sollte er deshalb erst mal seine Zahlungsfähigkeit prüfen beziehungsweise berücksichtigen.

A&W-KOMPAKT
Clevere Praxisinhaber …

… ziehen häufig ein LV-Darlehen in Erwägung. Dabei eignet sich eine Variante besonders: Die gesamten Beträge zur Kapitallebensversicherung werden bei Vertragsabschluss fällig. Der Versicherer deponiert das Geld auf einem Konto, dessen Zinserträge dem Versicherten zufliessen. Aus dem Konto werden die Jahresbeiträge zur Kapitallebensversicherung gezahlt. Eine weitere Variante: Die gesamten Beiträge zur Kapitalpolice werden in den ersten fünf Jahren des Versicherungsvertrages fällig. Für die restliche Laufzeit ist der Vertrag beitragsfrei. Beide Varianten sind kostengünstiger als die klassische LV-Finanzierung.

A&W-TIPP
Dass für ein Darlehen …

… Zinsen zu zahlen sind, ist klar. Jedoch muss jeder Kreditnehmer das feste Ziel haben, auch diese Kosten möglichst gering zu halten. Deshalb ist es gut zu wissen, welchen Spielraum ein Niedergelassener bei den Zinsverhandlungen mit der Bank hat. Grundsätzlich gilt, dass die Zinsen umso höher sind, je risikoreicher eine Bank ein Darlehen einschätzt. Zahnärzte, die für eine Finanzierung einen Kredit eigentlich gar nicht benötigen, haben somit den höchsten Verhandlungsspielraum. Existenzgründer ohne Eigenkapital werden von der Bank als risikoreicher eingestuft und müssen deshalb höhere Zinsen bezahlen.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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