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Bankenkrise: Wie verhalte ich mich jetzt richtig?

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Wie sicher ist mein Geld bei einer deutschen Bank bei einer Bankenkrise?

So sicher wie in kaum einem anderen Land der Welt. Die Guthaben sind in der Regel weit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus geschützt. Zudem hat sich das deutsche Finanzsystem in den vergangenen Jahrzehnten als außergewöhnlich stabil erwiesen. Angeschlagene Banken wurden meist von anderen Instituten übernommen.

Gibt es bei der Sicherheit der Anlagen Unterschiede zwischen privaten Banken, Volksbanken und Sparkassen?

Kaum. Seit 1998 sind alle Kreditinstitute in der Europäischen Union Mitglied in der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung und müssen Beiträge in einen Topf einzahlen. Im Pleitefall erhalten die Kunden daraus 90 Prozent ihrer Einlagen zurück, maximal 20.000 Euro. Bei den deutschen Privatbanken gibt es zusätzlich den Einlagensicherungsfonds, der 1976 nach der Pleite der Herstatt-Bank gegründet wurde. Der Fonds sichert die Kundeneinlagen faktisch zu 100 Prozent ab.

Ausländische Banken bieten oft höhere Zinsen. Ist mein Geld dort genauso sicher?

Nein. Diese Institute gehören überwiegend nur der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung an. Hier sind die Kundengelder nur zu 90 Prozent und bis höchstens 20.000 Euro geschützt. Der Sparer bliebe also bei einer Pleite auf mindestens zehn Prozent Verlust sitzen.

Wie sicher sind Guthaben bei deutschen Töchtern ausländischer Banken?

Genauso sicher wie bei originär deutschen Banken.

Für welche Anlageformen genau steht die Einlagensicherung gerade?

Geschützt sind Gelder auf dem Girokonto, Termin- und Sparanlagen sowie Sparbriefe, die auf den Namen des Kunden laufen. Dieser Schutz gilt in der Regel nicht für Anleihen oder Zertifikate, die eine Bank herausgegeben hat (Inhaberschuldverschreibungen). Im Falle des Konkurses der Bank müsste der Kunde seine Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden.

Was genau dürfen die Banken mit ihnen anvertrautem Geld machen – und was nicht?

Stark vereinfacht: Erlaubt ist alles, was die Verpflichtungen gegenüber den Kunden nicht gefährdet. Kernaufgabe von Banken ist es, Geld ihrer Anleger in Kredite für andere Kunden umzuwandeln. Typischerweise sind die Zinsen für Kredite höher als für Einlagen. Von dieser Zinsdifferenz lebt die Bank. Wie hoch das Eigenkapital mindestens sein muss, ist staatlich vorgeschrieben. Mit einem Teil davon spekuliert die Bank auch auf eigene Rechnung. Tut sie’s erfolgreich, macht die Bank zusätzlichen Gewinn. Geht die Spekulation schief, schrumpft das Eigenkapital.

Wie sicher sind Geldmarktfonds?

Klassische Geldmarktfonds sind von der Finanzkrise nicht betroffen. Probleme haben jedoch Fonds, die neben den normalen Zinspapieren auch so genannte forderungsbesicherte Wertpapiere, Asset Backed Securities (ABS), gekauft haben. Da in diesen ABS-Papieren auch weiterverkaufte Hypothekenkredite von unsicheren Schuldnern stecken können, sind sie im Wert stark gefallen. Die Folge: Fonds mit ABS-Anteil bescheren den Fondssparern seit der US-Immobilienkrise Verluste.

Wie sicher sind Rentenfonds?

In der Regel investieren Rentenfonds in Pfand-briefe, Staats- und Unternehmensanleihen mit hoher Bonität. Diese Anlagen sind von der Finanzmarktkrise kaum betroffen. Allerdings hat sich das Rating einiger Anleihegläubiger als zu optimistisch erwiesen. Es gibt auch Rentenfonds, die ABS-Papiere gekauft haben. Weil diese derzeit nur zu Ramschpreisen oder gar nicht verkauft werden können, haben einige Fondsgesellschaften die Rückgabe der Anteile eingestellt. Anleger solcher Fonds kommen also zurzeit nicht an ihr Geld.

Sind auch Immobilienfonds von der Krise betroffen?

Bisher haben fast ausschließlich Eigenheime in den USA an Wert verloren. Korrekturen sind auch in anderen überhitzten Märkten wie Großbritannien oder Spanien möglich. Immobilienfonds investieren allerdings in der Regel in Bürohäuser und Gewerbeobjekte.

Was passiert mit den Wertpapieren in meinem Depot, falls meine Bank pleitegeht?

Sämtliche Aktien sowie Anleihen, die nicht von der Pleite-Bank selbst stammen, wären nicht betroffen. Wertpapiere werden von der Bank nur treuhänderisch verwaltet und verwahrt, zählen also nicht zur Konkursmasse. Sollte die Aufsichtsbehörde ein Finanzinstitut schließen, kann ein Kunde sein Depot auf ein anderes übertragen. Das gilt auch für sämtliche Investmentfonds-Anteile. Sie bilden Sondervermögen, die von der Depotbank nur verwahrt werden.

Ist es jetzt ratsam, größere Summen Bargeld zu Hause zu horten?

Nein. Hohe Geldbeträge sind zu Hause weit unsicherer aufgehoben als auf dem Sparkonto. Dazu verliert Bargeld durch die Preissteigerung ständig an Wert – zuletzt um rund zwei Prozent pro Jahr.

Welche Folgen hat die Finanzkrise für Aktienbesitzer?

Inhaber von Bankaktien müssen mit weiteren Kursabschlägen und sinkenden Dividenden rechnen. Denn selbst wenn eine Bank keine Verluste im US-Immobilienkreditmarkt gemacht hat, dürfte das zuletzt einträgliche Geschäft mit Großkrediten zurückgehen. Weniger Sorgen müssen sich Aktionäre in anderen Branchen machen. Die Weltkonjunktur ist nach wie vor intakt. Die Gewinnerwartungen der Unternehmen sind, anders als etwa im Jahr 2000, nicht vollkommen überzogen.

Sind Staatspapiere sicherer als Sparguthaben?

Das hängt von den Staaten ab, die Anleihen anbieten. Argentinische Staatsanleihen etwa, die auch von deutschen Banken verkauft wurden, haben drei Viertel ihres Wertes verloren. Deutsche Bundeswertpapiere hingegen, also etwa Bundesanleihen oder Bundesschatzbriefe, sind der Inbegriff von Sicherheit.

Trifft die Finanzkrise auch die verbreitetste Altersvorsorge der Deutschen, die Lebensversicherung?

So gut wie gar nicht. Lebensversicherungen legen Kundengelder extrem langfristig, gesetzlich vorgeschrieben und staatlich überwacht, überwiegend in europäische Anleihen an. Ein kleiner Anteil wird in Aktien, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien investiert. Sollte es hier tatsächlich zu dauerhaften Wertverlusten kommen, wird das die Überschussbeteiligungen nur wenig verringern.

Wie sicher ist die staatlich geförderte Riester-Rente?

Sehr sicher. Theoretisch am sichersten ist das Riester-Fondssparen. Im Pleitefall der Fondsgesellschaft gehört jeder investierte Cent dem Kunden. Die Garantie, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge noch vorhanden sind, könnte nur dann nicht eingelöst werden, wenn zur gleichen Zeit alle anderen Riester-Anbieter auch pleite wären.

Führt die Krise dazu, dass die Zinsen sinken oder steigen?

Schwer zu sagen. Die US-Notenbank hat wegen der Krise ihren Leitzins wiederholt gesenkt. Die Europäische Zentralbank hat eine zuvor schon angekündigte Erhöhung erst gar nicht vollzogen und ihren Satz bei vier Prozent belassen. Die Zinsen für Häuslebauer in Deutschland sind seit Juli etwas gesunken. Unternehmen dagegen müssen nun mehr zahlen, wenn sie sich Geld borgen wollen.

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