Erhöhte Insolvenzgefahr

Wirtschaftliche Lage: Immer mehr Kliniken machen Miese

Die Zahl der Krankenhäuser, die in die roten Zahlen rutschen, nimmt weiter zu. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte „Krankenhaus Rating Report 2020“. Eine Entspannung der wirtschaftlichen Situation ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Experten erwarten noch Schlimmeres.

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser hat sich weiter verschlechtert. So lagen 13 Prozent bereits im roten Bereich mit erhöhter Insolvenzgefahr. Im Jahr zuvor waren es nur elf Prozent. Das geht aus den Auswertungen des „Krankenhaus Rating Reports 2020“ des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen hervor.

Die Ertragslage hat sich 2018 ebenfalls verschlechtert: 29 Prozent der Krankenhäuser schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, 2017 waren es noch 27 Prozent. Positiv ist jedoch, dass 23 Prozent der Kliniken im Rating nach Ampelfarben im gelben und 64 Prozent im grünen Bereich liegen. Zudem könnten in diesem Jahr die verschiedenen Stützungsmaßnahmen aus dem COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz zu einem positiven Netto-Effekt für die Kliniken führen. Im Jahr 2021 wird dieser aber voraussichtlich größtenteils wieder entfallen. Spätestens 2022 wird so wieder das Normalniveau erreicht. Für einzelne Krankenhäuser kann der Effekt jedoch sehr unterschiedlich ausfallen.

Gründe für die sinkenden stationären Fallzahlen

Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage resultiert vor allem aus dem Rückgang stationärer Fallzahlen im Jahr 2018 um 0,1 Prozent. Gründe hierfür könnten der zunehmende Fachkräftemangel und intensivere Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) sein, verbunden mit einer zunehmenden Ambulantisierung der Medizin. Im Jahr 2019 wird mit einer weiteren Reduktion der stationären Fallzahl gerechnet.

Auch bei den Fallzahlen für dieses Jahr erwarten die Wissenschaftler des RWI-Leibniz-Instituts einen einmaligen Rückgang von mindestens sechs Prozent auf Grund der Verschiebung von elektiven Fällen. Annahme ist, dass nur 50 Prozent der verschobenen Elektivfälle im stationären Bereich in diesem und im kommenden Jahr nachgeholt werden. Spätestens ab 2022 gehen die Experten hinsichtlich der Fallzahlen von einer Rückkehr zum Status 2019 aus. Demografisch bedingt dürfte es bundesweit bis zum Jahr 2025 etwa vier Prozent mehr Fälle geben. Würde das ambulante Potenzial ab 2019 schrittweise gehoben, wäre bis 2030 dagegen kaum noch mit einer Änderung der stationären Fallzahl zu rechnen. Bis zum Jahr 2030 dürfte zudem die Verweildauer weiter zurückgehen, sodass der Bedarf an Krankenhausbetten sinken würde. Bei Fortschreibung des Status quo, eines steigenden Orientierungswertes und einem stärkeren Wachstum der Löhne würde der Anteil der Krankenhäuser im grünen Rating-Bereich von 64 Prozent bis 2025 auf 54 Prozent sinken.

Verlust und Gewinne der Kliniken nach Bundesland

Die Zahlen zeigen auch, dass das Rating am schlechtesten in Baden-Württemberg mit einem Verlust von 44 Prozent, Rheinland-Pfalz/Saarland mit 37 Prozent, Hessen mit 32 Prozent und Bayern mit 30 Prozent ausfällt. Das beste Ergebnis erzielt Sachsen-Anhalt/Thüringen mit einem Verlust von 18 Prozent und einem Gewinn von 82 Prozent.

Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine, ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating und die Patientenzufriedenheit positiv. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schneiden demnach bei der Zufriedenheit mit der Pflege besser ab als öffentlich-rechtliche und private Träger.

Datengrundlage des „Krankenhaus Rating Report 2020“ sind 515 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2017 und 525 aus dem Jahr 2018. Sie umfassen insgesamt 942 Krankenhäuser mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 71 Prozent.

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