Immobilienkredite

Zinsen: Ist die Zeit des billigen Baugelds jetzt vorbei?

In den vergangenen Wochen verlangten die Banken für Immobilienkredite deutliche Aufschläge. Die Baufinanzierung wird teurer. Dennoch besteht für Ärzte, die noch den Bau einer Praxis oder eines Eigenheims planen, kein Grund zur Panik.

Die Zeit der extrem niedrigen Zinsen für Immobilienkredite ist vorbei. Im November verteuerten sich die Konditionen für Darlehen mit einer zehnjährigen Zinsbindung um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte. Mitte Oktober zahlten besonders kreditwürdige Kunden bei vielen Banken noch weniger als ein Prozent. Selbst der Durchschnitt lag nur knapp über der Ein-Prozent-Marke. Wie sehr selbst kleine Zinsschritte ein Immobiliendarlehen verteuern, zeigt eine Beispielrechnung. Wer einen Baukredit über 250.000 Euro über zehn Jahre mit 1,0 Prozent abschließt (2 Prozent Tilgung), zahlt monatlich 208 Euro an Zinsen. Bei einem Zinssatz von 1,25 Prozent sind es rund 260 Euro. Über die Laufzeit bedeutet das rund 5.500 Euro Mehrkosten.

Grund zur Eile oder gar für überstürzte Kaufentscheidungen gebe es dennoch nicht, betont Martin Kramer von der FiNUM.Private Finance AG in Meschede. Denn die Zinssteigerungen waren vor allem auf die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten zurückzuführen. „Die Wahl hat die Finanzmärkte in Aufregung versetzt“, weiß Kramer.

Riesiges Investitionsprogramm angekündigt

Noch nicht mal im Amt kündigte Trump bereits ein riesiges Investitionsprogramm im Umfang von mehreren Billionen US-Dollar und Steuersenkungen an. Ein solches Programm würde zwar das Wachstum ankurbeln, aber auch die Staatsverschuldung und die Inflation in den USA in die Höhe treiben. Die US-Notenbank wäre gezwungen, die Zinsen anzuheben. Eine solche Zinserhöhung könnte langfristig auch Auswirkungen auf Europa haben, so die Befürchtung.

Stephan Witt sieht diese Gefahr nicht. „Im Euroraum ist eine Veränderung der Zinsen eher unwahrscheinlich. Schließlich hat Draghi erst alles darangesetzt, die Zinsen tief zu halten und Kapital in den Kreislauf zu pumpen“, erklärt der Finanzexperte. Die Inflation im Euroraum ist nach wie vor extrem niedrig. Die Konjunktur läuft zwar langsam besser und zieht den Arbeitsmarkt in den europäischen Problemländern langsam nach oben. „Das alles reicht aber noch nicht aus, um eine Zinswende auszurufen“, so Kramer.

Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Seit Ende November haben die Renditen der deutschen Staatsanleihen leicht nachgegeben und die Bauzinsen verharren stabil bei durchschnittlich 1,3 Prozent. Allerdings ist die Spanne zwischen den einzelnen Banken immer noch extrem groß. „Wer ein hohes Einkommen nachweisen kann, bekommt immer noch sehr gute Konditionen von teilweise unter einem Prozent“, weiß Michael Graff von der Spiekermann & Co AG in Bielefeld.

Zumal die Bauzinsen jetzt auch wieder fallen können. „Erfahrungsgemäß steigen die Darlehenszinsen zum Jahresende wegen der höheren Nachfrage nach Finanzierungen“, weiß Graff aus Erfahrung. Es gebe zwar keine Garantie, dass die Zinsen Ende Januar wieder fallen würden. „In den letzten Jahren war das aber häufig der Fall“, so Michael Graff.

Wer eine konkrete Immobilie im Blick habe, sollte also zugreifen und sich die immer noch historisch niedrigen Zinsen sichern. Wer noch immer auf der Suche nach dem passenden Objekt ist, braucht dagegen nicht in Panik zu verfallen. Es spreche vieles dafür, dass die Bauzinsen auch im kommenden Jahr niedrig bleiben werden. Graff rechnet mit einer Seitwärtsbewegung oder allenfalls ganz leichten Erhöhungen, die aber über die Laufzeit und bei den momentanen Preisen für Immobilien kaum ins Gewicht fallen dürften.

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