Augenärzte verdienen doppelt

Zusatz-Kosten beim Sehtest oft unzulässig

Bei der Abrechnung von medizinisch notwendigen Sehstärkenuntersuchungen werden clevere Augenärzte zu Doppelverdienern: 44 Prozent bieten gesetzlich Versicherten die von den Kassen bezahlte Leistung eines Sehtests mit unzulässigen Zusatzkosten an.

Ein Sehtest ist nur mit Kosten verbunden, wenn er keine medizinische Notwendigkeit hat (Führerschein) und auch dann halten sich die Gebühren meist in Grenzen. Allerdings gibt es offenbar Augenärzte, die auch beim eigentlich kostenlosen Sehtest kräftig abkassieren. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen, Berlin und Rheinland-Pfalz nach einer telefonischen Befragung von 209 Augenarztpraxen in Düsseldorf, Berlin und Mainz.

„Stellen Augenärzte den Patienten Kassenleistungen privat in Rechnung oder händigen sie ihnen die ermittelten Untersuchungsergebnisse nur gegen einen Zusatzbetrag aus, verstößt dies gegen den Bundesmantelvertrag, den die Ärzte mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen vereinbart haben“, rüffelt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, die unzulässige und für Patienten undurchsichtige Abrechnungspraxis vieler Augenärzte beim Sehtest.

Sehtest für Brille weiterhin kostenlos

Die Anschaffung von Brillen und Kontaktlinsen ist seit 2004 für die meisten gesetzlich Versicherten keine Kassenleistung mehr. Dazugehörige Sehtests, die beim Augenarzt oder Optiker durchgeführt werden, sind in so einem Fall theoretisch kostenpflichtig. Klagen Patienten jedoch über Sehprobleme, übernehmen die Krankenkassen weiterhin die Kosten für die ärztliche Untersuchung der Augen, die Messung der Sehstärke und Aushändigung der Dioptrienwerte für die Brille.

Damals hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) öffentlich erklärt, „dass die ärztliche Untersuchung, die Verordnung von Brillengläsern und die Refraktionsbestimmung für Brillengläser immer zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abzurechnen (ist), auch dann, wenn die verordneten Brillengläser nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung bezogen werden können.“

Augenärzte kassieren Patienten ab

Diese Regel gilt nach Auskunft des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach wie vor. Sie werde dennoch von vielen Augenärzten in der Praxis ignoriert. Das verdeutlichen die Klagen von Patienten im Beschwerdeportal www.igel-ärger.de der Verbraucherzentralen über ärztliche Gebühren für Augenuntersuchungen und die Aushändigung der Sehwerte (Refraktionsprotokoll). Damit können sich Patienten zur Anfertigung der Brillengläser bzw. die Bestellung der Kontaktlinsen an den Optiker wenden.

Um den Vorwürfen auf den Grund zu gehen, haben sich die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen, Berlin und Rheinland-Pfalz bei 209 Augenarztpraxen erkundigt, wie notwendige Sehstärkenuntersuchungen abgerechnet und Zusatzkosten begründet werden. Demnach bieten 18 Praxen Patienten eine erforderliche Sehstärkenuntersuchung sowie die Aushändigung der Messwerte als Gesamtpaket im Schnitt für 15 Euro an. Fünf Praxen erbringen die eigentliche Kassenleistung nur mittels privater Rechnung für rund 17 Euro. Das Gros der Augenärzte rechnet die Augenuntersuchung und Sehstärkenmessung mit der jeweiligen Kasse ab. Jede dritte Arztpraxis hält dennoch beim Kassenstandard zusätzlich die Hand auf und verlangt für die Aushändigung der Dioptrienwerte in der Regel eine Gebühr von 10 Euro.

Die meisten Praxen begründen die Zusatzkosten fürs Sehstärkenprotokoll damit, dass dessen Weitergabe keine Kassenleistung sei. Diese Annahme kann allerdings zu Problemen führen, weil sie schlicht und ergreifend nicht stimmt: Das Sehstärkenprotokoll hält lediglich den ärztlichen Befund schriftlich fest. Dieser ist Teil der Patientenakte. Patienten können Befunde in ihrer Akte einsehen und verlangen, dass ihnen die Untersuchungsergebnisse ohne hohe Zusatzkosten ausgehändigt werden.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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