Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Finanzen

Krankenhäuser, Pflegeheime, Labore und Arztpraxen binden traditionell sehr hohe Mengen an Energie. Beim genaueren Hinsehen wird klar: Unter energetischen Gesichtspunkten läuft der Betrieb von Gesundheitsimmobilien noch zu energieineffizient ab. Veraltete Energieanlagen führen nicht nur zu extrem hohen Energieverlusten. Demographischer Wandel und eine höhere technische Ausstattung sowie die IT-Struktur drücken den Energieverbrauch perspektivisch weiter nach oben. Wie aber können Betreiber Energieeffizienz anhand von Gebäudetechnik erreichen, ohne auf Versorgungsqualität und Redundanz zu verzichten?

Hoher Energieverbrauch durch veraltete Technik und schlechten Objektzustand

Eine intensive Betreuung und Pflege von Patienten sowie Forschung und Entwicklung unter Einsatz modernster Geräte, sind energieintensiv. Der durchschnittliche jährliche Energieverbrauch pro Krankenhausbett beträgt allein für Strom 5.800 kWh. Der größte Anteil entfällt jedoch mit 29.000 kWh auf Wärme.

Primär werden in Gesundheitsimmobilien der Großteil der Energie in den Abläufen zur Regelung und Bereitstellung von Kälte und Luft verbraucht. Hinzu kommt massiver Energieverschleiß im Zuge der Aufbereitung von Dampf- und Warmwasser sowie Energie für Spezialdiagnostik. Ursache dieser energieintensiven Verbräuche ist in erster Linie die Gewährleistung der hohen Hygiene- und damit auch Qualitätsstandards. On top mit einkalkuliert müssen Verbräuche für Diagnostikgeräte, Labortätigkeiten und den IT-Apparat innerhalb des Objektes.
Zusätzlich energieineffizient werden diese Gebäude und Bereiche dann, wenn zu viel Leerlauf entsteht und die Gebäudetechnik ungeregelt bleibt.

Gerade der Gesundheitssektor klagt immer wieder über fehlende finanzielle Mittel, um dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen an Klinikgebäuden oder Forschungseinrichtungen durchzuführen. Moderne Heizsysteme oder neue Formen der Energiegewinnung und vor allem das mit Abstand wichtigste, das Energiemonitoring, fallen dem Rotstift zum Opfer und werden immer wieder verschoben.

An der Optimierung der Energieeffizienz von Gesundheitsimmobilien führt jedoch kein Weg vorbei, wenn diese nicht nur wettbewerbsfähig bleiben, sondern auch die immer strengeren Auflagen des Gesetzgebers erfüllen wollen.

Bestandsaufnahme Startpunkt für grünen Gebäudebetrieb

Der erste wichtige Schritt in Richtung eines energieeffizienten Gebäudes bildet dabei eine haargenaue Bestandsaufnahme hinsichtlich der Energieverbräuche im Objekt. Wo wird überschüssige Wärme, Kaltluft und Strom verbraucht? Wo entsteht vermeidbarer Energieverlust? Welche Redundanzen sind zu ressourcenintensiv? Was ist das Ziel des Eigentümers oder Betreibers? All diese Punkte müssen geklärt werden, damit sich Gebäudetechniker und Energie-Spezialisten ans Werk machen können.

Hier bewahrheitet sich meist die alte Weisheit, dass aller Anfang schwer ist. Aufgrund unvollständiger oder gänzlich fehlender Dokumentationen der oft jahrzehntealten Liegenschaften erweist sich diese Arbeit oft als „Mammutaufgabe“. Parallel dazu kommen bei den meisten Gesundheitsimmobilien mit den Jahrzehnten umständlich hinzugefügte An- und Umbauten, die eine Bestandsaufnahme erkennbar verkomplizieren.

Auch sogenannte „Unter“-GmbHs unter einem Dach für überschneidende Tätigkeiten innerhalb des Gebäudebetriebs sorgen für Verflechtungen und verkomplizieren die Energieanalyse und einen einheitlichen Maßnahmenplan. Ein „einfacher“ Energieberater ist hier schnell überfordert. Es gilt, Spezialisten und Teams, welche auf dem Gebiet Projektmanagement, Energiemanagement, Digitalisierung und Anlagenbau erfahren sind, mit ins Boot zu holen.

Am Maschinenraum arbeiten – Maßnahmenpaket für den regenerativen Gebäudebetrieb

Sind alle wesentlichen Daten erhoben und analysiert, steht zunächst die Sanierung der Gebäudehülle im Vordergrund. Im Optimalfall wird so Wärmeverlust verhindert und Heizbedarf reduziert.

Nachdem dann idealerweise ein Profil des Gebäudes durch Energieingenieure erstellt wurde, müssen mehreren Maßnahmen für einen energieeffizienten Gebäudebetrieb getätigt werden. Dazu gehören vor allem eine angepasste Regelungstechnik und Hydraulik, Optimierung der RLT-Technik und Verteilung, eine bedarfsgerechte Steuerung sowie die Installation von Messtechnik.

Außerdem empfehlen sich idealerweise moderne Gebäudeleittechnik und ein digitales Energiemonitoring. So kann nicht nur eingesehen werden, wie viele Energien durch welche Maßnahmen eingespart werden. Auch macht erst jetzt der vollständige Ausbau regenerativer Energieträger komplett Sinn.

Was Unternehmen und öffentliche Hand noch tun können

Als eine weitere Lösung bieten sich auch in Einzelfällen Energiespar–Contracting-Verträge an. Diese verpflichten den Auftragnehmer mit Vertragsabschluss dazu, eine definierte Menge an Energie einzusparen. So wird vorab das Argument hoher Kosten teilentkräftet, da verbindliche Ziele zwischen dem Gebäudebetreiber und Facility-Managern festgelegt werden. Diese Verträge sind jedoch mit einem sehr hohen Aufwand verbunden und bergen aufgrund der komplizierten Vertragslage und langer Laufzeit Risiken hinsichtlich Planbarkeit und Effektivität.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass eine möglichst hohe Energieeffizienz im Bereich der Gesundheitsimmobilien schon allein aufgrund der steigenden digitalen Anforderungen und des demographischen Wandels langfristig alternativlos wird. Die Bevölkerung erfreut sich einer immer höheren Lebenserwartung, was aber auch bedeutet, dass perspektivisch immer mehr Menschen immer länger oder häufiger in Kliniken behandelt oder in Pflegeeinrichtungen betreut werden müssen.

Um dies zu gewährleisten, müssen die Anlagen nicht nur energetisch auf dem neuesten Stand sein, sondern auch nachhaltig und langfristig betrieben werden können sowie den geänderten Ansprüchen gerecht werden.

Dies beinhaltet selbstverständlich die volle Funktionsfähigkeit aller Einrichtungen bei maximaler Dauerbelegung und gleichzeitig geringem Energieverbrauch.

Bis dahin gilt: Je mehr Förderungen und Flexibilität von politischer Seite zugestanden werden, desto besser. Und ein Gebäude, welches auch ohne Förderung wirtschaftlich energieeffizient betrieben werden kann, sollte unser Ziel sein.

Autorenfoto_Andreas Blassy

Foto: Caverion Deutschland

*Der Autor: Andreas Blassy ist Head of Digital & Energy Advisory Services bei Caverion Deutschland