Menopause und Darmmikrobiom: Folgen für die Gesundheit
Ines Schulz-HankeDie Menopause geht mit erheblichen hormonellen Veränderungen einher. Eine Übersichtsarbeit zeigt nun, was dies für die mikrobielle Gemeinschaft im Darm und verschiedene Gesundheitsaspekte bedeuten könnte.
Hormonelle Fluktuationen wie sinkende Östrogenspiegel verändern Körpergewebe und -flüssigkeiten und damit die Umgebung mikrobieller Gemeinschaften. Zu den betroffenen mikrobiellen Nischen gehört auch das Darmmikrobiom.
Studienlage zu Veränderungen des Darmmikrobioms
Ob sich die Diversität und Zusammensetzung des intestinalen Mikrobioms bei Frauen im Verlauf des Älterwerdens verändert, ist noch nicht abschließend geklärt. Bisher liefern Studien teils kontroverse Ergebnisse dazu, welchen Einfluss die Menopause haben könnte.
Eine aussagekräftige Longitudinalstudie mit rund 1.300 Teilnehmerinnen zeigte allerdings, dass das Darmmikrobiom postmenopausaler Frauen (n = 1.027) weniger divers war als jenes prämenopausaler Frauen (n = 295). Die Forschenden stellten zudem fest, dass einige Bakterienstämme bei postmenopausalen Frauen einen größeren Anteil ausmachten. Zwei dieser Stämme waren in früheren Studien mit Adipositas in Verbindung gebracht worden. Andere Bakterienstämme traten in der Longitudinalstudie nach der Menopause seltener auf. Insgesamt bleibe noch zu klären, ob die sich verändernden Hormonspiegel das Darmmikrobiom beeinflussen und zu einer Dysbiose führen können, schreiben die Forschenden.
Geschlechtsspezifische Unterschiede im Darmmikrobiom
Für einen hormonellen Einfluss auf das Darmmikrobiom könnte auch der sexuelle Dimorphismus im Darmmikrobiom sprechen, der sich erst während der Pubertät entwickelt. Während davor keine geschlechtsspezifischen Unterschiede bestehen, scheint die mikrobielle Diversität bei Männern nach der Pubertät abzunehmen; bei Frauen bleibt dies aus. Nach der Menopause ähnelt das Darmmikrobiom von Frauen dem männlichen wieder stärker.
Von Autoimmunerkrankungen bis Herz-Kreislauf-Gesundheit
Die mikrobiellen Gemeinschaften im Verdauungstrakt erfüllen vielfältige Funktionen: Sie metabolisieren Nahrungsbestandteile, synthetisieren Lipopolysaccharide und sind am Metabolismus endogener Verbindungen beteiligt, beispielsweise weiblicher Hormone. Einige Spezies produzieren kurzkettige neuroaktive Fettsäuren, die als vorteilhaft gelten, weil sie die Kommunikation entlang der Darm-Hirn-Achse unterstützen. Diese Bakterienarten waren in einer Studie bei postmenopausalen Frauen und in früheren Studien auch bei Patientinnen mit Morbus Crohn und systemischem Lupus erythematodes reduziert. Das ist interessant, weil postmenopausale Frauen häufiger Autoimmunerkrankungen entwickeln.
Kardiovaskuläre Erkrankungen gehören zu den größten Gesundheitsproblemen älter werdender Frauen. Aktuelle Forschungen liefern Hinweise darauf, dass die Serumkonzentration von Geschlechtshormonen einen signifikanten prognostischen Wert für die Diversität und Zusammensetzung des Stuhlmikrobioms haben und dass das Darmmikrobiom eine Rolle für den hormonabhängigen kardiovaskulären Schutz spielen könnte. Verschiedene Hinweise sprechen also tatsächlich für einen (klinisch relevanten) Einfluss hormoneller Veränderungen auf das Darmmikrobiom.
Wie Darmbakterien den Östrogenstoffwechsel beeinflussen
Darmbakterien nutzen das Enzym β-Glucuronidase, um proteingebundenes Östrogen zu entkoppeln und in seine aktive Form zu überführen. Über diesen Mechanismus können Mikroorganismen die Hormonspiegel im Wirtsorganismus beeinflussen – mit potenziell weitreichenden physiologischen Konsequenzen.
Nieto MR et al. NPJ Womens Health 2025;doi:10.1038/s44294-024-00050-y