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Patientinnen und Patienten sollen im Notfall künftig zielgenauer und besser versorgt werden. Dazu beschloss der Bundestag mit den Stimmen der Koalition und der Grünen eine Reform der Notfallversorgung. AfD und Linken enthielten sich.

Künftig soll in einer fachlichen Ersteinschätzung telefonisch oder vor Ort festgelegt werden, welche Hilfe jemand braucht, wie Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) erläuterte. Die Telefonnummern 112 und die ärztliche Bereitschaftsnummer 116 117 sollen dafür verzahnt werden. «Je nach Dringlichkeit werden dann die Patienten in eine Arztpraxis, in eine Notdienstpraxis oder in die Notaufnahme einer Klinik vermittelt - je nach Schwere mit oder ohne Rettungsdienst», kündigte Linnemann an.

Der Bundesrat muss noch grünes Licht geben. Am 20. November soll die Länderkammer dem Vernehmen nach abschließend darüber beraten.

Integrierte Notfallzentren

Kernstück der Reform sind demnach an Kliniken angedockte integrierte Notfallzentren. Patientinnen und Patienten soll hier nach Ersteinschätzung der Weg in eine angeschlossene Notdienstpraxis oder die Notaufnahme gewiesen werden. «Mit diesem Notfallwegweiser kommen die Patienten so immer an die richtige Stelle», sagte Linnemann. «Die Notaufnahmen werden entlastet und können sich in Zukunft auf die Fälle konzentrieren, die wirklich schnelle Hilfe brauchen.» Rettungsdienste würden nicht mehr so oft unnötig gebunden, Notaufnahmen von vermeidbaren Behandlungsfällen entlastet. Linnemann dankte seinen Amtsvorgängern Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD), die die Reform bereits angestoßen und erarbeitet hätten.

Sparpaket wird abgemildert

Angehängt an das Gesetz beschloss der Bundestag zugleich Korrekturen am jüngsten Krankenkassen-Sparpaket. Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sagte: «Wir haben von Anfang an gesagt, wo Korrekturen notwendig sind, steuern wir nach. Genau das tun wir heute.»

Demnach wird eine Kostenregelung zulasten der Haus- und Kinderärzte gestrichen. Bestimmte Abschläge bei hausarztzentrierter Versorgung werden abgeschafft. Bei psychotherapeutischer Versorgung werden Vergütungsregeln verbessert. Zudem müssen die Krankenkassen nach dem beschlossenen Entwurf bei Erhöhungen des Zusatzbeitrags ihre Mitglieder doch wieder darüber informieren. Ärztliche Terminmeldepflichten sollen zudem bessere Voraussetzungen für eine wirksame Terminvermittlung schaffen.

«Anstrengungen tragen Früchte»

Mehrere Rednerinnen und Redner der Koalition betonten, dass die Sparmaßnahmen für die Krankenkassen vom Sommer Wirkung zeigen würden. Nur einen Tag vor der Debatte hatte der Schätzerkreis für die gesetzliche Krankenversicherung nach zweitägiger Sitzung einen rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von unverändert 2,9 Prozent für kommendes Jahr mitgeteilt. Linnemann kündigte daraufhin an: «Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bleibt im kommenden Jahr stabil.» Pantazis sagte: «Die Prognose zeigt: Unsere Anstrengungen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen tragen Früchte.»

Notfallreform:

Was gilt aktuell bei Krankheit und Unfall?

Die wichtigste Frage zuerst: Ist die Lage lebensbedrohlich?

Ja: sofort 112 wählen! Rufen Sie den Rettungsdienst, wenn zum Beispiel jemand bewusstlos ist, nicht mehr oder schwer atmet, starke Herzbeschwerden hat oder starke, nicht stillbare Blutungen hat. Auch bei Vergiftungen, Stromunfällen und Komplikationen in der Schwangerschaft gilt: 112, so der Patientenservice 116117 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Warten Sie nicht ab und fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus.

Nicht lebensbedrohlich, aber es ist dringend?

116117 anrufen. Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst. Die Nummer ist rund um die Uhr erreichbar, auch nachts und am Wochenende. Das Team am Telefon schätzt die Beschwerden ein. Dann vermittelt es Sie in eine Bereitschaftspraxis, veranlasst bei Bedarf einen Hausbesuch oder verweist an eine Notaufnahme.

Was tun, wenn die Beschwerden nicht massiv sind?

Wenn Hausmittel oder Medikamente helfen und Sie die Symptome gut einordnen können, sollte man am nächsten Werktag die Arztpraxis kontaktieren. Bei Unsicherheit kann man das Patienten-Navi auf 116117.de nutzen. Es gibt eine erste Einschätzung und zeigt die nächste offene Bereitschaftspraxis. Um schnell Hilfe zu bekommen, speichern Sie Telefonnummern von Haus- und Kinderarzt im Handy, ebenso 112 und 116117. Außerdem sollte man die Versichertenkarte und gegebenenfalls eine Medikamentenliste griffbereit haben

Welchen Rat gibt es für Eltern kranker Kinder?

Die gleiche Reihenfolge gilt auch für Kinder. Ist Ihr Kind ernsthaft krank oder sind Sie unsicher, rufen Sie tagsüber die Kinderarztpraxis an, rät das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Abends und am Wochenende hilft auch hier die 116117.

Was ist ein Fall für die Notaufnahme oder den Notdienst?

Wenn Ihr Kind nicht ansprechbar ist, auffällig ruhig oder teilnahmslos wirkt, schwere Atemnot, Nackensteife oder Krämpfe hat, oder es stürzt grundlos zu Boden: Dann sollte man schnell handeln und die Notaufnahme fahren oder den Rettungsdienst rufen, außerdem bei Verletzungen durch Unfälle und Stürzen aus großer Höhe, Verbrennungen und Verbrühungen.

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