Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
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Negativrekorde in fast allen Fachgruppen    

So pessimistisch wie im Herbst dieses Jahres haben die Niedergelassenen ihre wirtschaftliche Zukunft noch nie gesehen. Dabei zieht sich der Stimmungseinbruch durch nahezu alle ärztlichen Fachgruppen. Am stärksten verschlechterte sich die Stimmung bei den Psychologischen Psychotherapeuten: Ihr Stimmungswert sank um 33,6 Punkte auf -48,3. Doch auch in anderen Fachbereichen geht es steil abwärts mit den wirtschaftlichen Erwartungen: Bei den Fachärzten ging der Stimmungswert um 25,7 Punkte auf -51,5 zurück. Ähnlich drastisch ist die Entwicklung bei den Hausärzten: Mit einem Minus von 25,2 Punkten erreichen sie einen Wert von -55,6 und bilden damit das Schlusslicht unter den betrachteten Fachgruppen. Vergleichsweise moderat fiel der Rückgang nur bei den Zahnärzten aus. Ihre Stimmung sank um 8,9 Punkte auf -36,4. Damit sind sie derzeit die am wenigsten pessimistische der vier betrachteten Gruppen.

Über das Stimmungsbarometer

Das Stimmungsbarometer der Stiftung Gesundheit gibt Auskunft darüber, wie die niedergelassenen Ärzte in Deutschland ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen und welche Entwicklung sie in den kommenden sechs Monaten erwarten. Die Stiftung Gesundheit setzt sich seit 30 Jahren für Orientierung, Transparenz und verständliche Informationen im Gesundheitswesen ein. Neben Analysen und Studien zur Versorgungslandschaft betreibt die Stiftung Gesundheit die Arzt-Auskunft, die auf dem Strukturverzeichnis der Versorgung basiert und Patienten bei der Suche nach passenden Ärzten, Heilberuflern und Einrichtungen unterstützt.

Politik verdirbt niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten die Stimmung

Treiber des Absturzes ist vor allem die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik: 92 Prozent der Ärzte geben an, dass sich politische Entscheidungen, gesetzliche Regelungen und Vorgaben der Selbstverwaltung in den vergangenen drei Monaten negativ auf ihre Gesamtarbeitssituation ausgewirkt haben. Damit liegen Politik und Regulierung inzwischen mehr als 40 Prozentpunkte vor allen anderen abgefragten Belastungsfaktoren.

„Wir erleben hier keine normale Schwankung mehr. Die Stimmung in den Praxen ist auf einem historischen Tiefpunkt angekommen“, sagt Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit. „Wenn ein seit mehr als 20 Jahren erhobener Indikator derart abstürzt, ist das ein Alarmsignal, das die Politik nicht überhören sollte.“ Die Zahlen würden sehr deutlich zeigen, dass der Frust weit über einzelne Vergütungsfragen hinausgehe, so Obermann. „Die angekündigten Reformen kommen nicht voran, gleichzeitig erleben die Ärzte immer neue Einzelmaßnahmen und regulatorische Eingriffe. Solange ein gemeinsames Ziel für die grundlegende Weiterentwicklung des Gesundheitswesens fehlt, wird es schwer sein, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.“

Obermann grundlegende Reformen „statt kleinteiliger Korrekturen“

Für Obermann liegt in den Ergebnissen auch eine klare Botschaft für die weitere gesundheitspolitische Debatte: „Mit kleinteiligen haushalterischen Korrekturen werden sich die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens nicht lösen lassen. Wir brauchen eine Debatte über die grundlegenden Fragen – und zwar gemeinsam mit allen Beteiligten. Sonst droht aus dem aktuellen Stimmungstief eine dauerhafte Vertrauenskrise zu werden.“