Preisindex: Preise für Praxisbedarf steigen weiter
Heiko FeketeFür Verbrauchsmaterial müssen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte erneut mehr aufwenden als noch vor einigen Monaten. Verschiedene Faktoren geben wenig Hoffnung, dass sich daran bis Jahresende etwas ändern könnte.
Die allgemeine Teuerung vieler Güter macht auch vor Praxiszubehör nicht Halt. Seit Beginn des Jahres sind die Preise in diesem Bereich kontinuierlich gestiegen, wie sich erneut im jüngsten Preisindex des Onlineshops „Praxisdienst“ zeigt: Zum dritten Quartal 2026 liegt dieser bei 106,97 Punkten, was einem Plus von 2,11 Punkten im Vergleich zum Vorquartal entspricht. Somit summiert sich der Preisanstieg binnen eines Jahres auf nahezu sieben Prozent. Durch diese Entwicklung kosten in Q3/2026 alle Produktkategorien mehr als noch im zweiten Quartal. Große Preissprünge gibt es insbesondere bei Schutzkleidung (+3,91 Punkte) sowie bei Papierprodukten zu hygienischen Zwecken (+2,87 Punkte).
Großer Kostendruck auf Herstellerseite
Moderater fällt der Anstieg bei sonstigem OP-Bedarf (+0,69 Punkte) und bei Verbrauchsmaterial aus der Kategorie „Infusion & Injektion“ aus (+1,29 Punkte). Im Vorjahr sah es noch ganz anders aus: Hier gab es bei vielen Produkten einen Rückgang der Einkaufspreise und der Index war insgesamt von einer monetären Entspannung geprägt.
Für die aktuelle Preisentwicklung nennt Praxisdienst-Preismanagerin Małgorzata Paulus verschiedene Ursachen: „Bei europäischen oder auch heimischen Herstellern sehen wir insbesondere Preisanpassungen zum Juli und August, bei importierten Produkten belasten dagegen vor allem Wechselkurseffekte sowie weiterhin hohe Transportkosten die Einstandspreise.“ Damit seien auch höhere Beschaffungskosten ein Faktor, auch wenn Hersteller diese bisher nicht vollständig an Kunden weitergegeben haben, so Paulus.
Ausblick aufs vierte Quartal: Weiter hohe Preise erwartet
Auf eine bevorstehende preisliche Entspannung deutet wenig hin, da laut der Preismanagerin unter anderem auch Transport- und Energiekosten sowie Personalaufwendungen im medizinischen Fachhandel gestiegen sind. „Gleichzeitig sind die Möglichkeiten des Fachhandels, zusätzliche Kosten dauerhaft über die eigene Marge aufzufangen, aufgrund des intensiven Wettbewerbs und vergleichsweise geringer Margen begrenzt“, fasst Paulus zusammen. Für das vierte Quartal 2026 wird daher mit einem weiteren Anstieg der Preise für Praxisbedarf gerechnet. Praxisinhaberinnen und -inhaber sollten vor diesem Hintergrund daher ihr Bestellmanagement anpassen, um so eventuelle Zusatzbelastungen bei der Materialbeschaffung besser kompensieren zu können.
Die Einzelkategorien im 3. Quartal 2026
Schutzkleidung: 111,83 Pkt. (+3,91 Pkt.)
Wund- und Verbandmaterial: 102,64 Pkt. (+1,53 Pkt.)
Hygieneartikel/Papierprodukte: 107,76 Pkt. (+2,87 Pkt.)
Desinfektion: 103,41 Pkt. (+1,73 Pkt.)
OP-Bedarf (Einmalinstrumente): 108,66 Pkt. (+1,98 Pkt.)
OP-Bedarf (sonstiges): 104,85 Pkt. (+0,69 Pkt.)
Laborbedarf: 108,80 Pkt. (+2,90 Pkt.)
Infusion & Injektion: 107,84 Pkt. (+1,29 Pkt.)
So funktioniert der Praxisdienst-Preisindex für Praxisbedarf
Der Onlineshop Praxisdienst beobachtet permanent die Änderung der Marktpreise und passt seine Verkaufspreise daran an. Da niedergelassene Ärzte die Ausgaben für Verbrauchsmaterial selbst tragen müssen, ist die systematische Erfassung und Darstellung dieser Kostenposition nützlich für eine effiziente Praxisplanung.
Der Preisindex bildet quartalsweise die durchschnittlichen Verkaufspreise im Praxisdienst-Onlineshop ab. Er setzt sich aus acht gleichgewichteten Produktkategorien zusammen. Darin erfasst sind jeweils die 25 meistverkauften Artikel. Basis, um die Entwicklung im Zeitverlauf bestimmen zu können, ist das erste Quartal 2021 mit einem Ausgangswert von 100 Punkten.
In jeder Kategorie werden die beiden Artikel mit den stärksten Abweichungen zum letzten Quartal – positiv wie negativ – nicht zur Berechnung herangezogen. Damit möchte Praxisdienst ausschließen, dass extreme Preisveränderungen bei Einzelartikeln, zum Beispiel aufgrund von Lieferproblemen eines Herstellers oder stark erhöhter Nachfrage, den Index verzerren.