Preisindex: Große Kostensteigerung beim Praxisbedarf
Heiko FeketeDas Jahr begann für Niedergelassene schon vergleichsweise teuer, nun setzt sich der Trend fort: Auch im zweiten Quartal ist der Preisindex für Praxiszubehör weiter gestiegen. Ein Ende der Preisspirale ist fraglich.
Das hat es so auch noch nie gegeben: Erstmals seit Erhebung des Preisindex (s. dazu auch Infokasten) verzeichnet der Onlineshop „praxisdienst.de“ Preissteigerungen in allen Produktkategorien. Folglich klettert der Preisindex im zweiten Quartal 2026 auf 104,86 Punkte, was einem Anstieg um 1,84 Punkte im Vergleich zum ersten Quartal entspricht.
Einen besonders drastischen Preisanstieg gibt es in den Bereichen Schutzkleidung (+4,12 Punkte), sonstiger OP-Bedarf (+3,67 Punkte) sowie Einmalinstrumente (+3,09 Punkte). Desinfektionsartikel sowie Hygieneprodukte haben sich dagegen im Vergleich zum Vorquartal nur leicht verteuert. „Auffällig ist dabei, dass insbesondere Produktgruppen mit einem hohen Importanteil die stärksten Preissteigerungen aufwiesen“, fasst Preismanagerin Małgorzata Paulus zusammen.
Rohstoffe und Transport treiben Preise hoch
Der anhaltende Preisdruck bei Praxiszubehör hat verschiedene Ursachen. Insbesondere gestiegene Rohstoff- und Transportkosten infolge des Iran-Konflikts sorgen dafür, dass niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zurzeit tief in die Tasche greifen müssen. „Bei einzelnen Produkten, darunter Nitrilhandschuhe, kam es zeitweise sogar nahezu zu einer Verdopplung der Einkaufspreise“, sagt Paulus. „Darüber hinaus wurden im zweiten Quartal verstärkt Waren abgesetzt, bei denen die von den Herstellern zum Jahreswechsel vorgenommenen Preisanpassungen bereits berücksichtigt waren.“
Auch stark gestiegene Transportkosten sind ein Faktor: „Diese resultieren insbesondere aus höheren Zuschlägen der Paketdienste und Speditionen aufgrund gestiegener Treibstoffkosten.“ Als dritte Ursache kommt für die Preismanagerin der anhaltend schwache Euro sowie der ungünstige Wechselkurs zum US-Dollar hinzu.
Preisindex: Stabilisierung möglich, aber unsicher
Wie sehen die weiteren Preisaussichten aus, nachdem die angespannte geopolitische Lage auch den Preisindex vollumfänglich erreicht hat? Eine neue Eskalation der Preisspirale erwartet Paulus für das dritte Quartal eher nicht. „Einerseits wird mit einer Stabilisierung der Rohstoff- und Transportkosten gerechnet. Andererseits besteht die Erwartung, dass die tatsächlichen Preissteigerungen bislang noch nicht vollständig in den Marktpreisen berücksichtigt wurden.“ Zudem könne die anhaltende Schwäche des Euro zusätzlichen Preisdruck verursachen. Für Praxisinhaber ist die weitere Kostenplanung damit mit einigen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten verbunden.
Die Einzelkategorien im 1. Quartal 2026
Schutzkleidung: 107,92 Pkt. (+4,12 Pkt.)
Wund- und Verbandmaterial: 101,11 Pkt. (+0,96 Pkt.)
Hygieneartikel/Papierprodukte: 104,89 Pkt. (+0,24 Pkt.)
Desinfektion: 101,69 Pkt. (+0,53 Pkt.)
OP-Bedarf (Einmalinstrumente): 106,86 Pkt. (+3,09 Pkt.)
OP-Bedarf (sonstiges): 104,16 Pkt. (+3,67 Pkt.)
Laborbedarf: 105,89 Pkt. (+1,19 Pkt.)
Infusion & Injektion: 106,55 Pkt. (+0,94 Pkt.)
So funktioniert der Praxisdienst-Preisindex für Praxisbedarf
Der Onlineshop Praxisdienst beobachtet permanent die Änderung der Marktpreise und passt seine Verkaufspreise daran an. Da niedergelassene Ärzte die Ausgaben für Verbrauchsmaterial selbst tragen müssen, ist die systematische Erfassung und Darstellung dieser Kostenposition nützlich für eine effiziente Praxisplanung.
Der Preisindex bildet quartalsweise die durchschnittlichen Verkaufspreise im Praxisdienst-Onlineshop ab. Er setzt sich aus acht gleichgewichteten Produktkategorien zusammen. Darin erfasst sind jeweils die 25 meistverkauften Artikel. Basis, um die Entwicklung im Zeitverlauf bestimmen zu können, ist das erste Quartal 2021 mit einem Ausgangswert von 100 Punkten.
In jeder Kategorie werden die beiden Artikel mit den stärksten Abweichungen zum letzten Quartal – positiv wie negativ – nicht zur Berechnung herangezogen. Damit möchte Praxisdienst ausschließen, dass extreme Preisveränderungen bei Einzelartikeln, zum Beispiel aufgrund von Lieferproblemen eines Herstellers oder stark erhöhter Nachfrage, den Index verzerren.