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Geldanlagen
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Luxus ist mehr als ein Investment. Er ist Belohnung – und ein Stück Lebenskunst. Doch selbst in dieser Welt der kleinen und großen Genüsse lohnt bisweilen der Blick auf die Zahlen.

Der Knight Luxury Index 2025 verbreitet auf den ersten Blick eine eher nüchterne Stimmung: Im Großen und Ganzen war 2024 kein Jahr der Höhenflüge. Von zehn beobachteten Sammelsparten schafften nur fünf ein Plus – und das eher im Flüsterton. Luxus-Handtaschen – von der Hermès Birkin bis zur Kelly – gehören zwar zu den zuverlässigsten Wertstücken im Kleiderschrank, kamen aber nur auf ein Wachstum von 2,8 Prozent.

Der Markt für klassische Automobile durchläuft derzeit eine Neuorientierung. Nach dem Abschwung der vergangenen Jahre zeigen sich erste Erholungszeichen: plus 1,2 Prozent im Index. Während Ikonen der 1950er- und 1960er-Jahre dabei kaum zulegten, verschob sich die Dynamik zu Modellen der 1980er- und 1990er-Jahre, die einen Nerv bei der jüngeren Sammler-Generation treffen: Der Mercedes 190E 2.5-16 Evo II verdoppelte seinen Wert, der Lamborghini Countach LP5000 QV legte rund 60 Prozent zu, der BMW M3 E30 Sport Evo 50 Prozent.

In anderen Sparten wurde es eher frostig. Kunst verlor 18,3 Prozent, edler Wein 9,1 Prozent, seltener Whisky nahezu ebenso viel. Über Jahre aufgebaute Hauskeller sind prall gefüllt, die Nachfrage aus China bleibt zurückhaltend und jüngere Sammler trinken oft lieber weniger – dafür bewusster.

Luxus: Freude am Besitz als wichtigster Kaufgrund

Im Luxusmarkt ist jedoch nicht allein der Preisverlauf entscheidend, schon gar nicht der kurzfristige. Laut der Umfrage „Knight Frank Attitudes“ bleibt die Freude am Besitz der wichtigste Kaufgrund. Für vermögende Käuferinnen und Käufer zählt weiterhin das Gefühl, morgens an einem Bild vorbeizugehen, das wirklich berührt, oder abends einen Wagen zu starten, der nicht bloß eine Fahrt bietet, sondern ein Erlebnis.

Dennoch sind Investments in diesem Segment eine solide Angelegenheit: Wer 2005 eine Million US-Dollar in Luxus-Sammlerstücke gemäß dem Knight-Frank-Index investiert hätte, säße Ende 2024 auf rund 5,4 Millionen, etwas mehr als mit einem vergleichbaren Investment in den S&P 500, dem Index der 500 größten US-Unternehmen. In den letzten fünf Jahren allerdings lagen klassische Finanzmärkte vorn. Heute konkurrieren Luxuswerte mit schwankungsanfälligen, aber starken Aktienmärkten und einem Goldpreis auf hohem Niveau.

Umsätze der Auktionshäuser weiter rückläufig

Im Hochpreissegment ist die Luft dünner geworden; die Umsätze der großen Auktionshäuser haben sich seit 2022 nahezu halbiert. Stabil zeigt sich das mittlere Preissegment bis 50.000 Dollar: Seit 2019 stieg die Zahl verkaufter Lose um fast 70 Prozent. Gerade in der zeitgenössischen Kunst ist das spürbar. Besonders stark gefragt sind derzeit Werke von Leonora Carrington, Remedios Varo und Dorothea Tanning – drei Künstlerinnen, die den Surrealismus maßgeblich prägen.

Eine weitere Veränderung ist die zunehmende Verlagerung des Auktionssaals ins Internet. Die Online-Umsätze im Kunst- und Sammler-Bereich legten 2024 zu, obwohl das Gesamtvolumen der Häuser deutlich sank. Online-only-Versteigerungen blieben stabil, die Durchschnittspreise stiegen zweistellig. Viele Bietende loggen sich abends vom Sofa aus ein, statt um die halbe Welt zu reisen. Christie’s, Sotheby’s und Phillips verzeichneten 2024 zwar rückläufige Live-Auktionen, aber bemerkenswert robuste Online-Geschäfte. Mehr als ein Drittel der Käufer bietet ausschließlich digital – viele von ihnen zum ersten Mal. Für Vielbeschäftigte bedeutet dies einen einfachen Zugang zu kuratierten, geprüften Objekten mit professioneller Beratung und After-Sale-Service.

Neue Gewinner im Luxusmix

Neben Sportwagen der 1980er-Jahre und surrealistischen Werken von Frauen sind unter anderem historische Karten interessant. Alte Weltkarten und Atlanten verbinden Kunst, Wissenschaft und Weltgeschichte – eine Synthese, die vor allem technikaffine Käufer aus dem Silicon Valley anzieht, wie der Londoner Kartenexperte Daniel Crouch berichtet. Top-Stücke haben sich im Wert vervielfacht, bleiben aber oft günstiger als Kunstwerke vergleichbarer Bedeutung. Die Nachfrage treibt die Preise spürbar nach oben. Crouch verweist auf eine seltene Weltkarte, die der Jesuit Matteo Ricci im frühen 17. Jahrhundert für einen chinesischen Kaiser anfertigte: Ein Exemplar, das er 2010 für 1,5 Millionen Pfund verkaufte, würde heute nach seiner Einschätzung das Fünffache erzielen. Trotz dieser Dynamik bleibt das Segment vergleichsweise zugänglich – eine bedeutende Sammlung historischer Karten ist deutlich günstiger aufzubauen als ein Kunstportfolio mit Werken ähnlicher Seltenheit und historischer Bedeutung.

Im überraschenden Kontrast dazu stehen Pokémon-Karten. Die vermeintlichen Kinder-Karten mit den quietschbunten Fantasiefiguren sind zu einem Markt mit professionellen Investoren geworden. Seltene Karten erzielen sechs- bis siebenstellige Beträge, gutes Stockpicking bringt nach Angaben von Spezialisten zweistellige Jahresrenditen. Voraussetzung sind Expertise und ein wachsames Auge für Fälschungen.

Klassischer sind Farbedelsteine: leuchtend-grüne kolumbianische Smaragde, samt-blaue Kashmir-Saphire – die besten Qualitäten sind rar und begehrt. Ein spektakuläres Beispiel kam 2024 aus New York: Dort wurde ein 10,33-Karat-Burma-Rubin bei der Sotheby’s-Auktion Magnificent Jewels im Dezember für 5,5 Millionen US-Dollar verkauft – fast das Doppelte der ohnehin hohen Schätzung.

spektakuläre Luxus-Verkäufe in 2024

Weitere spektakuläre Verkäufe 2024 waren Judy Garlands rubinrote „Wizard of Oz“-Schuhe, die für 28 Millionen Dollar den Besitzer wechselten. Der 150 Millionen Jahre alte Stegosaurus „Apex“ brachte 44,6 Millionen ein. Ein Ferrari 250 GT SWB California Spyder erzielte 17 Millionen, eine Patek Philippe Grandmaster Chime, eine der komplexesten Armbanduhren der Welt aus dem Besitz von Sylvester Stallone, 5,4 Millionen. Und dann war da noch die Banane, die Maurizio Cattelan mit einem Streifen silbernen Gaffa-Tapes an die Wand geklebt hatte: Sie wurde für sechs Millionen Dollar verkauft – vermutlich das teuerste Stück Obst der Geschichte. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die ursprüngliche Banane von 2019. Cattelans Anweisungen sehen vor, die Frucht alle paar Tage zu ersetzen, da sie verdirbt. Der Käufer erwarb somit die Idee und ein Zertifikat, das ihn zur regelmäßigen Erneuerung berechtigt.

Wie der Wert von Luxus entsteht

Grundsätzlich sind Korrekturen nach Boom-Phasen normal, so auch im Markt der Luxusgüter. Dieser bietet auch weiterhin Stabilitätschancen – und inzwischen einen erleichterten Einstieg. Digitale Zugänge locken neue Käufergenerationen mit wachsender Leidenschaft. Nischen mit kultureller Strahlkraft entwickeln eine eigene, starke Dynamik. Doch jeder, der über seine jahrelang gewachsene Sammlung blickt, darf sich sicher sein: Qualität bleibt. Stil bleibt. Und manchmal auch einfach eine Idee – wie alle paar Tage eine Banane an die Wand zu kleben. Cattelans Werk namens „Comedian“ war übrigens als ironischer Kommentar auf die Logik des Kunstmarkts gedacht: Wert entstehe durch Kontext und Erzählung, nicht durch das Objekt an sich. Die Vergänglichkeit der Frucht gehört bewusst zum Konzept und soll die Absurdität von Inszenierung, Marktmechanismen und medialer Aufmerksamkeit sichtbar machen.

Der Luxusmarkt ist also verspielter geworden, verstärkt getrieben von junger Nostalgie. Jenseits von Trends gilt jedoch: Echte Qualität trägt weiter als jede Erzählung.

Was ist der Knight Frank Luxury Investment Index (KFLII)?

Der Knight Frank Luxury Investment Index (KFLII) misst die Wertentwicklung von zehn ausgewählten Luxus- und Sammler-Assetklassen, darunter Kunst, Oldtimer, Wein, Uhren, seltene Whiskys, Münzen und Designer-Handtaschen. Der Index basiert auf bestehenden Markt- und Spezialindizes und wird jährlich im „Wealth Report“ des Immobilienberaters Knight Frank veröffentlicht. Ziel ist es, Anlegern einen Überblick zu geben, wie sich sogenannte „Investments of Passion“ – also Sammlerwerte mit hoher emotionaler und materieller Bedeutung – im Vergleich zu klassischen Anlageformen entwickeln. (maf)

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