Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen
Künstliche Intelligenz (KI) nimmt in unserem Alltag eine zunehmend bedeutende Rolle ein und prägt zahlreiche Lebensbereiche. Auch im Gesundheitswesen gewinnt ihr Einsatz stetig an Relevanz. Durch innovative Technologien eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Unterstützung medizinischer Prozesse. Dieser Artikel beleuchtet näher, in welchen konkreten Bereichen KI im Gesundheitswesen eingesetzt werden kann und welches Potenzial sich daraus ergibt.
Wie intelligente Technologien spürbare Vorteile schaffen
Künstliche Intelligenz eröffnet im Gesundheitswesen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Zu den wichtigsten Bereichen gehören dabei unter anderem die folgenden:
Diagnostik
KI-Systeme sind in der Lage, medizinische Bilddaten wie Röntgenaufnahmen oder MRTs zu analysieren und dabei Auffälligkeiten zu erkennen, die dem menschlichen Auge mitunter entgehen. Darüber hinaus kann KI die Einordnung und Bewertung von Symptomen unterstützen. Dies trägt zu einer früheren Diagnose von Erkrankungen bei und verbessert somit die Heilungs- und Behandlungschancen der Patient:innen.
Besonders vorteilhaft ist der Einsatz von KI bei seltenen Krankheiten, da diese häufig erst spät erkannt werden. Seltene Krankheiten umfassen über 6.000 unterschiedliche, meist komplexe Krankheitsbilder, die häufig chronisch verlaufen. Jede Erkrankung hat dabei eine eher geringe Zahl an Betroffenen. KI kann hier helfen, Diagnoseprozesse zu beschleunigen und gezielter zu gestalten.
Telemedizin
Die Telemedizin ermöglicht eine medizinische Betreuung unabhängig von Ort und Zeit. KI spielt dabei insbesondere im Bereich des Telemonitorings eine wichtige Rolle. Menschen mit chronischen Erkrankungen nutzen hierbei technische Geräte, die regelmäßig Vitaldaten erfassen. Diese Messwerte werden kontinuierlich an das Praxisteam übermittelt und dort überwacht. KI kann diesen Prozess unterstützen, indem sie diese Gesundheitsdaten automatisch analysiert und Abweichungen frühzeitig erkennt. Auf diese Weise kann das medizinische Fachpersonal bei Auffälligkeiten schneller reagieren und gezielte Maßnahmen einleiten, was die Sicherheit und Versorgungsqualität der Patientinnen und Patienten erhöht.
Ein konkretes Beispiel dafür ist die Forschung im Bereich der Epilepsie. Dabei kommen Sensorsysteme zum Einsatz, die verschiedene Werte messen und epileptische Anfälle erfassen. Durch die Auswertung von Daten vieler Betroffener kann die KI lernen, typische Muster zu erkennen und Anfälle bereits im Vorfeld vorherzusagen. Eine solche frühzeitige Warnung könnte die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie deutlich verbessern und ihnen mehr Sicherheit im Alltag geben.
Entwicklung von Medikamenten
Durch die Analyse großer Mengen biomedizinischer Daten ist KI in der Lage, potenzielle Wirkstoffe sowie geeignete Wirkstoffkombinationen zu identifizieren. Dadurch kann der Prozess der Medikamentenentwicklung erheblich beschleunigt werden. Dies führt dazu, dass neue Medikamente schneller zur Verfügung stehen und Patient:innen früher von innovativen Therapien profitieren können.
Kapazitäten- und Ressourcenplanung
KI kann zudem einen wichtigen Beitrag zur Planung von Kapazitäten und Ressourcen im Gesundheitswesen leisten. So ist es beispielsweise möglich, das Risiko von Krankenhausaufenthalten bei Menschen mit chronischen Erkrankungen mithilfe von KI vorherzusagen. Auf dieser Grundlage können Behandlungs- und Betreuungskapazitäten vorausschauend geplant werden.
Darüber hinaus kann KI die Zuordnung von Ressourcen wie Blutprodukten zu Patient:innen optimieren. Auch die gezielte Ansprache und Gewinnung neuer Spender:innen lässt sich durch den Einsatz von KI effizienter gestalten. Insgesamt ermöglicht dies eine bessere Planung und Sicherstellung von Kapazitäten und Ressourcen, ohne den Arbeitsaufwand des medizinischen Personals zusätzlich zu erhöhen, und trägt so zu einer zuverlässigen Versorgung bei.
Erstellung von Behandlungsplänen
Durch die Analyse von Patientendaten kann KI personalisierte Behandlungspläne erstellen, die gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Patient:innen zugeschnitten sind. Diese Pläne lassen sich kontinuierlich anpassen und aktualisieren, beispielsweise bei neuen Untersuchungsergebnissen oder veränderten Gesundheitszuständen. Auf diese Weise kann die Wirksamkeit von Therapien gesteigert und das Risiko von Nebenwirkungen reduziert werden.
Patientenkommunikation
Auch in der Patientenkommunikation kann KI sinnvoll eingesetzt werden. Mithilfe von Chatbots oder KI-gestützten Telefonassistenten können Routineanfragen, etwa zu Öffnungszeiten oder Terminabläufen, unmittelbar beantwortet werden. Weiterführende Anliegen werden gezielt an das Praxisteam weitergeleitet. Zudem kann KI mehrsprachig eingesetzt werden und so den Zugang zur medizinischen Versorgung für alle erleichtern. Dies ermöglicht schnelle Rückmeldungen bei Fragen und erhöht die Servicequalität aus Patientensicht. Gleichzeitig werden Praxisteams spürbar entlastet, da zeitaufwändige Standardanfragen entfallen. Eine praxisnahe und schnell umsetzbare Lösung bietet hierbei beispielsweise der KI-Telefonassistent von Docmedico.
Automatisierung von Verwaltungsaufgaben
Nicht nur in der Patientenkommunikation, sondern auch bei administrativen Aufgaben wie der Terminplanung oder der Abrechnung kann KI das Praxisteam deutlich entlasten. Viele standardisierte Abläufe lassen sich durch den Einsatz von KI automatisieren. Dadurch gewinnen medizinische Fachkräfte wertvolle Zeit, die sie für die direkte Betreuung und Versorgung der Patient:innen nutzen können.
Menschliche Expertise als unverzichtbarer Bestandteil
Bei der Nutzung von KI ist zwingend zu beachten, dass diese ausschließlich eine unterstützende Funktion übernimmt. Sie soll den Menschen nicht ersetzen, sondern medizinisches Fachpersonal in seiner Arbeit ergänzen. Ärztliche Expertise, klinische Erfahrung sowie menschliche Empathie sind weiterhin unverzichtbare Bestandteile einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung.
Fazit: Potenziale nutzen, Verantwortung bewahren
Künstliche Intelligenz bietet im Gesundheitswesen vielfältige Chancen, medizinische Prozesse effizienter zu gestalten und die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern. Ob in der Diagnostik, der Telemedizin, der Medikamentenentwicklung oder bei administrativen Aufgaben: KI kann Fachpersonal entlasten, Abläufe optimieren und Patientinnen und Patienten schneller sowie gezielter unterstützen. Besonders ihr Potenzial zur Analyse großer Datenmengen eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Medizin und eine vorausschauende Planung von Ressourcen. Dennoch ist es wichtig, dass KI den Menschen nicht ersetzen, sondern ausschließlich als unterstützendes Werkzeug in der medizinischen Versorgung dienen sollte.
Dominique Marcinowski
- Arnold, U., Geibel, R., Wältermann, G. (Hrsg.): Digitale Gesundheit in Deutschland - Wo stehen wir und wo müssen wir hinkommen?, 2025.
- Bundesministerium für Gesundheit: KI trifft Gesundheit: Digitale Innovationen in der Versorgung verwirklichen, 2024.
- Europäische Kommission: Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen. https://health.ec.europa.eu/ehealth-digital-health-and-care/artificial-intelligence-healthcare_de [abgerufen am 05.02.2026]
- Naumann, A.: Digitalisierung in der Arztpraxis, in: Gastro-News, 2020.