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So funktioniert die 72er-Regel

Die Rechnung ist simpel: Man teilt die Zahl 72 durch die angenommene jährliche Rendite in Prozent. Das Ergebnis zeigt näherungsweise, nach wie vielen Jahren sich das eingesetzte Kapital verdoppelt.

Beispiel: Erzielt eine Geldanlage durchschnittlich 8 Prozent Rendite pro Jahr, ergibt sich: 72/8=9

Das Vermögen würde sich also nach rund neun Jahren verdoppeln. Aus 10.000 Euro würden rechnerisch etwa 20.000 Euro.

Wichtig ist: Die 72er-Regel ist eine Faustformel. Sie funktioniert besonders gut bei Renditen im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Je stärker die tatsächliche Rendite schwankt, desto weniger exakt ist die Berechnung.

Was die Regel bei Tagesgeld zeigt

Bei sicheren und jederzeit verfügbaren Anlagen wie Tagesgeld fällt die Rechnung deutlich nüchterner aus. Die Tagesgeldzinsen liegen 2026 zwar klar über den extrem niedrigen Werten der Nullzinsphase, unterscheiden sich aber stark je nach Anbieter und Angebot. Vergleichsportale nennen im August 2026 durchschnittliche Tagesgeldzinsen grob im Bereich von etwa 1,5 bis 2 Prozent; Top-Angebote für Neukunden können zeitweise deutlich darüber liegen.

Ein Beispiel: Bei 2 Prozent Zinsen pro Jahr würde sich ein Guthaben nach der 72er-Regel erst nach rund 36 Jahren verdoppeln: 72/2=36. Bei 4 Prozent wären es run 18 Jahre: 72/4=18

Tagesgeld kann daher ein sinnvoller Baustein für Rücklagen und kurzfristig verfügbares Geld sein. Für langfristigen Vermögensaufbau reicht die nominale Verzinsung allein jedoch häufig nicht aus — vor allem dann nicht, wenn Inflation und Steuern berücksichtigt werden.

Inflation halbiert die Kaufkraft

Die 72er-Regel lässt sich auch umgekehrt nutzen: Sie zeigt, wie schnell Inflation die Kaufkraft halbiert. Dafür teilt man die Zahl 72 durch die angenommene Inflationsrate. Liegt die Inflation beispielsweise bei 2,8 Prozent, halbiert sich die Kaufkraft rechnerisch nach rund 26 Jahren, denn 72 geteilt durch 2,8 ergibt rund 26.

Das bedeutet: Auch wenn der Kontostand gleich bleibt oder langsam wächst, kann das Geld real an Wert verlieren. Entscheidend ist daher nicht allein die nominale Rendite, sondern die reale Rendite nach Inflation, Steuern und Kosten.

Höhere Rendite bedeutet auch höheres Risiko

Langfristig lassen sich höhere Renditen eher mit Wertpapieren wie Aktien, Fonds oder ETFs erzielen. Dabei sind jedoch Kursschwankungen und Verlustrisiken möglich. Anders als bei Tagesgeld oder Festgeld gibt es keine garantierte Wertentwicklung. Die 72er-Regel ersetzt daher keine Anlageberatung. Sie hilft aber, Größenordnungen schnell einzuordnen: Kleine Renditeunterschiede wirken über lange Zeiträume erheblich. Ob sich Geld in 18, 26 oder 36 Jahren verdoppelt, macht für die langfristige Finanzplanung einen großen Unterschied.

Faustformel für die Praxis

  • 72 geteilt durch Rendite = ungefähre Jahre bis zur Verdopplung des Vermögens.

  • 72 geteilt durch Inflation = ungefähre Jahre bis zur Halbierung der Kaufkraft.

  • Die Regel arbeitet mit Durchschnittswerten und unterstellt Zinseszinseffekte.

  • Für realistische Planungen sollten Inflation, Steuern, Kosten und Risiko immer mitgedacht werden.

Quellen und Aktualitätsstand: Stand August 2026. Die Inflationsrate in Deutschland lag laut vorläufigen Destatis-Angaben im Juli 2026 bei 2,8 Prozent. Tagesgeld-Vergleichsportale nennen für August 2026 Durchschnittszinsen grob zwischen rund 1,5 und 2 Prozent sowie zeitlich begrenzte Top-Angebote von bis zu etwa 4 Prozent.