Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Furcht verändert Schmerzverarbeitung
Ines Schulz-HankeDie Schmerzwahrnehmung bei Gesunden und Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) unterscheidet sich. Gegen die Furcht, die eine wesentliche Rolle zu spielen scheint, könnte auch gute Kommunikation helfen.
Wiederkehrende und über die akute Darmentzündung hinaus anhaltende Schmerzen können Menschen mit CED stark beeinträchtigen. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass eine veränderte emotionale Reaktivität das Persistieren dieser Schmerzen begünstigt. In einer experimentellen Studie mit 43 Versuchspersonen wurde untersucht, ob eine erlernte Furcht vor Schmerz die spätere Schmerzwahrnehmung beeinflusst.
Furchtinduzierte Hyperalgesie als Ansatzpunkt in der CED-Schmerztherapie
Von den Teilnehmenden litten 21 an Colitis ulcerosa (CU), die zum Studienzeitpunkt jedoch nicht aktiv war; 22 waren gesund. Durch Konditionierung über optische Symbole und Schmerz (kontrollierter Hitze-Reiz) erlernten die Testpersonen eine schmerzbezogene Furcht. Bei erneuter Hitzeexposition bewerteten CED-Betroffene mit erlernter Furcht den Schmerz als signifikant intensiver und unangenehmer als Gesunde mit erlernter Furcht. Je größer diese Furcht war, desto unangenehmer nahmen die CED-Betroffenen den Schmerz wahr.
Wie das Autorenteam ausführt, spielt offenbar die emotionale Färbung des Schmerzes eine wesentliche Rolle. Die furchtinduzierte Hyperalgesie könne daher als zentraler Mechanismus zu persistierenden Schmerzen bei CED beitragen. Eine personalisierte Therapie der Furcht könnte helfen, CED-assoziierte chronische Bauchschmerzen erfolgreicher zu behandeln.
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Als bevorzugte Quelle auswählenViszerale Bauchschmerzen: besonders anfällig für Nocebo- und Erwartungseffekt
Viszerale Schmerzen sind häufig diffus, schlecht zu lokalisieren und können Furcht auslösen. Forschende untersuchten in einem experimentellen randomisierten Setting an 101 gesunden Testpersonen, ob viszerale Schmerzen anfälliger für Nocebo-Effekte sind als somatische Schmerzen und ob negative Therapieerfahrungen im somatischen Bereich dazu beitragen.
Die Forschenden förderten bei den Testpersonen mit verschiedenen Maßnahmen negative Erwartungen und untersuchten die Wirkung auf die Schmerzwahrnehmung:
Testpersonen wurden negative Behandlungsergebnisse suggeriert (angeblich erhöhte Schmerzempfindlichkeit durch ein Prüfmedikament).
Eine negative somatische Behandlungserfahrung wurde durch die verdeckte Verstärkung thermisch ausgelöster Schmerzen simuliert.
Eine Kombination der beiden Maßnahmen wurde durchgeführt.
Anschließend wurden alle Teilnehmenden einschließlich einer nicht beeinflussten Kontrollgruppe viszeralen (rektale Distension) und somatischen (thermischen) Schmerzreizen ausgesetzt.
Konsequenzen für die hausärztliche Kommunikation mit Schmerzpatient:innen
Die Auswertung von Schmerzskalen, Cortisolspiegeln und emotionalen Zuständen zeigte, dass negative Suggestionen negative Therapieerwartungen verstärkten und die Cortisolspiegel steigerten. Negative Suggestionen und eine negative somatische Therapieerfahrung trugen unabhängig voneinander dazu bei, dass die Teilnehmenden viszerale Schmerzen verstärkt als unangenehm bewerteten. Für somatische Schmerzen galt das nicht.
Die Ergebnisse stützen die ausgeprägte Anfälligkeit viszeraler Schmerzen für Nocebo-Effekte. Die Kommunikation mit Betroffenen sollte deshalb empathisch und zugewandt sein und positive Therapieergebnisse betonen.
Quellen:Öhlmann H et al. PAIN 2025;doi: 10.1097/j.pain.0000000000003853
Aulenkamp JL et al. PAIN 2025;doi: 10.1097/j.pain.0000000000003827