Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
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In Kenia muss eine Ärztin oder ein Arzt 17.000 Patientinnen und Patienten versorgen. Das ist ein Vielfaches dessen, was die WHO empfiehlt, erklärte Dr. Nick Were bei der X-Night, einer Extended-Reality-Session im virtuellen Showroom „Future World“ der MedTriXGroup, zu der auch ARZT&WIRTSCHAFT gehört. Für den Orthopäden aus Nairobi bedeutet diese Zahl eine enorme Verantwortung. Den internationalen Gästen, die in Gestalt digitaler Avatare am Event teilnahmen, erläuterte er, dass man alles tun müsse, um diesen Ärztinnen und Ärzten die bestmögliche Ausbildung zu verschaffen.

Die Situation werde insbesondere durch die Stadt-Land-Kluft verschärft. Denn nach dem Studium zieht es die meisten Medizinerinnen und Mediziner in urbane Zentren wie Nairobi, während die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land lebt. Das Ergebnis ist eine deutlich bessere medizinische Versorgung für Stadtbewohner.

Zahl der Amputationen verdoppelt sich bis 2030

Ein Schwerpunkt von Dr. Weres Arbeit liegt auf der Versorgung von Amputationspatientinnen und Patienten, deren Zahl seit Jahren stetig wächst. Bis 2030 werde sich die Zahl der Amputationen in Kenia voraussichtlich verdoppeln. Hauptursachen sind vor allem Verkehrsunfälle mit Motorrädern und zunehmend diabetische Infektionen als Folge westlicher Ernährungsgewohnheiten. Die Verfügbarkeit von Prothesen stellt mittlerweile ein großes Problem dar. Herkömmliche Modelle haben Lieferzeiten von mehreren Monaten und sind für die meist sozial schwachen Patientinnen und Patienten unerschwinglich.

Dr. Weres Lösung sind 3D-gedruckte Prothesen, die individuell angepasst werden. Die Prothese steht den Patientinnen und Patienten innerhalb weniger Wochen zur Verfügung und ist günstiger als ein traditionell gefertigtes Modell. Sie besteht aus drei Komponenten: Der Socket ist der wichtigste, maßgefertigte Teil, der perfekt auf den Stumpf passt. Der Pylon dient als Verbindungsstück. Der Fuß komplettiert die Konstruktion. Im virtuellen Raum präsentierte Dr. Were dem Publikum ein digitales, dreidimensionales Modell einer solchen Prothese. Später „teleportierte“ er die Zuschauerinnen und Zuschauer mittels eines 360-Grad-Bildes in seine Praxis in Nairobi und zeigte ihnen, wie eine Patientin zum ersten Mal ihre Prothese testet. Die Frau war auch als Avatar bei der Session anwesend und berichtete von ihren Erfahrungen.

Auch die medizinische Ausbildung verändert sich durch Extended Reality (XR). Studierende haben heute die Möglichkeit, in virtuelle 3D-Welten einzutauchen und jeden einzelnen Teil des menschlichen Körpers aus nächster Nähe zu betrachten, erklärte Paul Simon Waiyaki, Gründer des Africa VR Campus and Center, einer Initiative, die jungen Menschen in Afrika eine kostenlose Ausbildung in XR bietet.

Die Studierenden können Organe drehen, vergrößern und aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Dinge, die am Seziertisch unmöglich sind. Durch 360-Grad-Aufnahmen realer Operationen haben Studierende zudem die Möglichkeit, eine Operation virtuell zu üben, bevor sie diese zum ersten Mal wirklich durchführen. Dr. Were betonte, dass dies die Patientensicherheit enorm verbessere.

Mit XR kommt Medizinwissen in die entlegensten Regionen

Teilnehmerinnen des Programms „XR Girls of Africa“ des Africa VR Campus and Center lernen bereits, OP-Videos in 360 Grad aufzunehmen und zu bearbeiten. Das Wissen kann so an Ärztinnen und Ärzte in entlegensten Regionen weitergegeben werden, ohne dass diese die oft mehrstündige Fahrt in urbane Regionen auf sich nehmen müssen, so Waiyaki. Es sei auch schwierig und teuer, Fachärztinnen und -ärzte aus anderen Ländern nach Kenia einzufliegen, doch ihr Wissen lasse sich durch XR virtuell teilen. So entstehe ein globales Netzwerk medizinischer Expertise, das geografische Grenzen überwinde.

Ihr Weg zur X-Night

Die von der Berliner Agentur vm-people organisierte X-Night ist ein kostenfreies monatliches Treffen zum Thema XR, das in verschiedenen virtuellen 3D-Umgebungen stattfindet. Das Angebot richtet sich an alle, die sich über XR-Entwicklungen informieren möchten. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Healthcare-Bereich, mit Anwendungen in Diagnostik, Therapie sowie Aus- und Weiterbildung. Der Zugang zur X-Night ist sowohl mit VR-Headset als auch ohne über den Desktop-Modus (PC oder mobile Endgeräte) möglich. Interessierte registrieren sich hier: immersive-x.de/x-night-experience-social-vr