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Pädiatrie
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ADHS: Welche Faktoren die Symptome beeinflussen

Nach aktuellem Wissensstand liegen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mehrere Faktoren zugrunde. Dabei sollen genetische Faktoren mit anderen Einflüssen zusammenwirken, etwa Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen oder Umweltfaktoren. 

Über diese Abweichungen werden neuronale Regelkreise gestört, die für die Symptomatik der ADHS verantwortlich gemacht werden. Bei Kindern mit ADHS wurden tatsächlich Veränderungen im Neurotransmittersystem nachgewiesen. Die neuronalen Regelkreise sind wesentlich an der Steuerung des Zusammenspiels von Motivation, Emotion, Kognition und Bewegungsverhalten beteiligt. Dabei spielen die Transmitter Dopamin und Nor­adrenalin eine wichtige Rolle.

Das EDHD-Modell rückt die neuronale Energieversorgung in den Fokus

Die Ausprägung der ADHS-Kernsymptomatik mit Konzentrationseinbußen, Überaktivität und Impulsivität läuft wiederum über verschiedene Entstehungswege, sodass das klinische Bild nicht bei allen Betroffenen die gleichen neuropsychologischen und biologischen Muster aufweist. 

Ein häufig stark schwankendes Symptom bei Patienten mit ADHS ist die kognitive Leistungsfähigkeit. Viele Betroffene können sich zwar über Stunden intensiv auf hochinteressante Tätigkeiten konzentrieren, haben jedoch Schwierigkeiten bei monotonen und/oder langwierigen Aufgaben, wie der Neurowissenschaftler Mohammad Davoud Rahimi von der Freien Universität Berlin im Rahmen einer aktuellen Studie erklärte. Für diese instabile Symptomatik entwickelte er einen Erklärungsansatz, das Modell der Energie-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (EDHD). 

Metabolische Prozesse könnten Leistungsschwankungen erklären

Gemäß dem EDHD-Modell geht es bei ADHS möglicherweise weniger um ein Aufmerksamkeitsdefizit als vielmehr um ein metabolisches Phänomen mit nicht ausreichender, instabiler und schnell erschöpfbarer Energieversorgung im Gehirn. 

Das EDHD-Modell dient ausdrücklich als theoretischer Ansatz und nicht als neue Diagnosekategorie oder klinisches Instrument. Laut Rahimi soll es den Fokus von der Willenskraft auf die biologischen Fähigkeiten verlagern und damit auch der Stigmatisierung des Defizits entgegenwirken. 

Die instabile Energieversorgung erklärt, warum Menschen mit ADHS komplexe Aufgaben mit intensivem „Hyperfokus“ bewältigen können, während sie alltägliche Aufgaben als kognitiv anstrengend empfinden. 

Reizvolle Aufgaben regen an

Das Modell wirft ein neues Licht auf eine seit Jahrzehnten erforschte Störung, so Rahimi. Indem das Gehirn exekutive Funktionen als „energetisch aufwendige“ Ressourcen betrachtet, erklärt das Modell, warum die Leistungsfähigkeit je nach aktuellem Stoffwechselzustand des Gehirns so stark schwankt. Die Leistungsfähigkeit hängt daher vom energetischen Kontext der Aufgabe ab, heißt es in der Pressemitteilung: „Stimulierende Aufgaben stabilisieren kurzfristig die Energienutzung im Gehirn. Reizarme Tätigkeiten führen dagegen eher zu einem Abfall verfügbarer Ressourcen.“ 

Rahimi zufolge spielen dabei neurobiologische Prozesse wie der Glukosestoffwechsel und die Mitochondrien-Funktionen eine entscheidende Rolle. So könnten bestimmte Hirnregionen, die zum Beispiel für Planung, Aufmerksamkeit und Selbstregulation zuständig sind, zeitweise nicht ausreichend mit Energie versorgt werden.

Schlaf und Pausen als Grundlage für stabile Aufmerksamkeit

Stabile Aufmerksamkeit hängt im Modell der Energie-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (EDHD) stark von ausreichender Erholung ab. Schlaf, Pausen und biologische Rhythmen beugen Leistungsschwankungen vor.

Quelle:

Rahimi MD. Neurosci Biobehav Rev 2026;184:106616

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