Ejaculatio praecox: Ursachen, Therapien und Behandlung
Dr. Dagmar van ThielEine mangelhafte Kontrolle über die Ejakulation kann für Männer eine starke Belastung und ein erhebliches Hindernis der partnerschaftlichen sexuellen Befriedigung bedeuten. Es gibt Therapien, die dagegen helfen.
Was ist Ejaculatio praecox – und wie häufig ist sie?
Die häufigste Ejakulationsstörung ist der vorzeitige Samenerguss, von dem etwa ein Drittel aller Männer betroffen ist. Die Ejaculatio praecox (EP) wird anhand der Ejakulationslatenzzeit (ELT) bemessen, des Zeitraums also, der zwischen Penetration und Samenerguss vergeht.
Die EP ist nach dem Statistical Manual of Mental Disorders Version 5 (DSM-5) als psychische Störung definiert, die durch eine persistente oder wiederkehrende unerwünschte frühzeitige Ejakulation gekennzeichnet ist und in den letzten sechs Monaten in mindestens 75 Prozent der Fälle innerhalb von einer Minute nach vaginaler Penetration stattfand. Neben einer verkürzten intravaginalen Latenzzeit wird von den aktuellen Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-5 zusätzlich das Vorliegen eines deutlichen Leidensdrucks zur Diagnosestellung gefordert.
Primäre und sekundäre EP: Zwei Formen im Überblick
Entsprechend der Leitlinie der American Urological Association (AUA) kann die EP einmal als primäre, lebenslange mangelnde Kontrolle über den Samenerguss vorliegen, die bereits seit dem ersten sexuellen Erlebnis besteht. Im Unterschied dazu kann eine EP als sekundäre, erworbene, anhaltende Störung auftreten. Dabei ist die Ejakulationslatenz im Vergleich zu früheren sexuellen Erfahrungen des Betroffenen beim Penetrationsverkehr deutlich verkürzt.
Zur Behandlung der EP kommen Sexualtherapie, zum Beispiel auch als Partnertherapie, sowie psychotherapeutische Maßnahmen, Verhaltenstherapie und die Gabe von Medikamenten infrage. Auch eine Kombination aus verhaltensorientierten und medikamentösen Ansätzen kann nach den AUA-Leitlinien individuell sinnvoll sein.
Verhaltenstherapie: Bewährte Techniken zur Selbstkontrolle
In der Verhaltenstherapie haben sich einfache Techniken bewährt, vor allem die Stopp-Start-Methode und die Squeeze-Methode. Bei beiden Verfahren geht es darum, die sexuelle Erregung bewusster wahrzunehmen und somit besser steuern zu können.
Bei der Stopp-Start-Methode masturbiert der Mann und stoppt den Vorgang bis kurz vor dem Unausweichlichkeitspunkt. Wenn die Erregung wieder deutlich abgeklungen ist, erfolgt eine erneute sexuelle Reizung. Bei der Squeeze-Methode wird der Ejakulationsreflex durch Druck mit der Daumenspitze im Bereich des Frenulums unterbrochen. Diese Übungen werden wiederholt, bis eine bessere Kontrolle möglich wird.
Medikamentöse Therapie: SSRI, Anästhetika und mehr
Bei Indikation zur medikamentösen Therapie empfiehlt die AUA-Leitlinie als Mittel der ersten Wahl die tägliche Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) wie Clomipramin oder Dapoxetin sowie topische Penis-Anästhetika. Auch Phosphodiesterase-5-Inhibitoren oder Tramadol können therapeutisch in Betracht gezogen werden.
Digitale Innovation: Smartphone-App als neue Therapieoption
Einen neuen, rein digitalen Ansatz zur Behandlung der vorzeitigen Ejakulation bietet eine Smartphone-Applikation. Im Rahmen einer Studie verschwand bei beinahe einem Viertel der betroffenen Männer die sexuelle Dysfunktion vollkommen. Die Ergebnisse dieser zwölfwöchigen CLIMACS-Studie, die 80 nicht vorbehandelte Männer ohne Medikamenteneinnahme einschloss, stellten Heidelberger Wissenschaftler beim AUA-Kongress 2026 vor. Die App liefert Trainingselemente, Tipps und Übungen sowie evidenzbasierende Informationen zur EP, die von Experten aus Urologie und Psychologie entworfen wurden.
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