Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Finanzen

Große wirtschaftliche Turbulenzen blieben im Jahr 2025 aus. Die Finanzmärkte zeigten sich trotz der erratischen Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump robust, die befürchtete globale Rezession war am Ende nur eine Schreckensprognose. Dadurch ist der Ausblick auf das Finanz- und Wirtschaftsjahr 2026 seitens der apoBank wieder vorsichtig optimistisch, auch trotz der aktuellen geopolitischen Unsicherheiten. Das bevorstehende Jahr könne für Aktienmärkte durch geldpolitische Lockerungen und Investitionen ein konstruktives Umfeld bieten. Auch der KI-Boom werde weiter anhalten, meint Chief Investment Officer Reinhard Pfingsten.

In ihrer Anlagestrategie setzt die apoBank besonders auf Aktien und sieht hierbei große Chancen bei Wertpapieren aus Schwellenländern, während US-amerikanische, europäische und japanische Aktien neutral bewertet werden. Auch Staatsanleihen aus Schwellenländern unterliegen einer höheren Bewertung – hier können sinkende Zinsen, ein schwächerer US-Dollar und hohe laufende Renditen ein Investment begünstigen. Bei den Rentenmärkten werden US-Staatsanleihen bevorzugt, während der Goldpreis voraussichtlich weiterhin von der höheren Nachfrage vieler Schwellenländer-Zentralbanken profitiert.

Wirtschaft: USA und China bleiben stabil, leichter Aufschwung in Deutschland

Die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft sind positiv. Demnach wird sich das globale Wachstum nach Einschätzung der apoBank-Experten von 2,7 auf 2,8 Prozent erhöhen, wobei insbesondere der Aufschwung in den Schwellenländern eine Rolle spielt. Die Wirtschaft der USA wächst laut dieser Prognose um 2,4 Prozent, für China erwarten die Analysten ein Plus von 4,8 Prozent. Beide Volkswirtschaften sind auch darauf bedacht, die Wirtschaft durch staatliche Maßnahmen anzukurbeln.

Ob das auch der schwächelnden deutschen Wirtschaft gelingt, ist ungewiss. Weil die Wirtschaftsleistung hierzulande auf dem Niveau von 2019 stagniert, weist Deutschland unter den entwickelten Volkswirtschaften die schlechteste Wachstumsentwicklung der letzten sechs Jahre auf. Durch das beschlossene milliardenschwere Schuldenpaket geht die apoBank für 2026 von einem leicht erhöhten Wachstum von 1,1 Prozent aus. Dieses ist allerdings als eine mit Staatsschulden erkaufte Sonderkonjunktur zu bewerten und garantiert somit keinen nachhaltigen Aufschwung.

Damit dürfte auch eine größere Wirtschaftsbelebung im Euroraum ausbleiben: Hier liegt die Wachstumsprognose bei 1,2 Prozent. Vor allem bei Spanien sind die Analysten in ihrer Prognose eher zurückhaltend – hier gehen sie davon aus, dass die viertgrößte Volkswirtschaft des Euroraums die Wachstumsdynamik des Währungsgebiets nicht mehr so stark anschieben kann wie im Vorjahr.

Geldpolitik setzt auf stabilere Verhältnisse und kontrollierbare Inflation

Zuversicht herrscht beim Ausblick auf die Entwicklung der Inflation: Sie dürfte sich im Jahresverlauf weltweit weiter abschwächen, für den Euroraum rechnet das Institut mit einer Stabilisierung der Zwei-Prozent-Marke, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgegeben wurde. Diese Zielmarke wurde bereits Ende 2025 erreicht. In den USA bleibt die Inflationsrate dagegen höher, unter anderem aufgrund der 2025 eingeführten Strafzölle auf Importe. Für einen erneuten „Inflationsschock“ gebe es aber keine Anzeichen, heißt es weiter. Auch der zwischenzeitliche Zollstreit mit den USA hat auf die Inflation voraussichtlich keine nennenswerten Auswirkungen.

Stabilität erwarten die Experten auch bei der Geldpolitik: Die EZB hat ihren Einlagesatz bereits im Juni 2025 auf zwei Prozent halbiert – und wird diesen nach Einschätzung der apoBank 2026 unverändert lassen.    Trotz aller Zuversicht ist die Vorschau auf das Finanz- und Wirtschaftsjahr auch mit Risiken verbunden. Dazu zählen insbesondere die derzeitigen geopolitischen Risiken rund um Grönland, Unsicherheiten rund um die US-Zwischenwahlen sowie die fragile politische Lage in Teilen Europas. Auch die Staatsverschuldung in wichtigen Industrienationen wie den USA stellt einen Unsicherheitsfaktor für die Finanzmärkte dar. Bleiben die Risiken kontrollierbar, können Anlegerinnen und Anleger aber in jedem Fall auf ein konstruktives Marktjahr mit attraktiven Chancen blicken, so das Schlussfazit.

Stichwörter