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Viele Ärztinnen und Ärzte besparen monatlich den MSCI World und denken: „Damit habe ich fürs Alter genug getan.“ Doch der MSCI World erzielte historisch nur rund sieben bis acht Prozent Rendite pro Jahr. Bei einer aktuellen Inflationsrate von 2,8 Prozent (Stand: September 2026) mag das nach einem guten Deal klingen. Das Problem ist, dass die offizielle Inflationsrate die Realität verharmlost.

Gefühlte Inflation höher als die echte

Beim Blick auf die Preise im Supermarkt wird schnell deutlich, dass die gefühlte Inflation höher ist als die publizierten Zahlen. Woran liegt das? Die Inflationsrate wird mithilfe eines Warenkorbs berechnet, der aus Hunderten Waren und Dienstleistungen besteht. Das Problem ist: Neben Butter, Obst und Co. fließt in die Berechnung unter anderem auch jedes Mal der Preis für einen neuen Laptop ein. Dieser kostet gleich viel wie der vorherige Laptop (z. B. 1.000€), hat aber eine verbesserte Speicherkapazität (z. B. 1 TB statt 500 GB). Statistisch gilt dieser Qualitätsgewinn als Preissenkung und ergibt für die Inflationsrate eine Vergünstigung von 50 Prozent, die jedoch nicht der Realität entspricht. Somit wird der Warenkorb künstlich nach unten gesetzt und es ergibt sich eine niedrigere Inflationsrate, obwohl die Bevölkerung gar keine Ersparnis hat.

Für Sie bedeutet das: Ein ETF mit sieben oder acht Prozent reicht nicht aus um Vermögen aufzubauen. Echter Vermögensaufbau entsteht erst, wenn Ihre Rendite spürbar über der Inflation liegt, nicht wenn ein Sparplan vor sich hindümpelt.

Bessere ETFs als der MSCI World

Der erste Hebel liegt bereits bei den ETFs selbst. Prüfen Sie bei der Auswahl eines ETFs gezielt, welche Länder und Branchen tatsächlich wachsen, statt einen stark gestreuten Index, wie den MSCI World zu wählen, der vermeintlich Sicherheit suggeriert.

Ich persönlich bevorzuge amerikanische Leitindizes wie den S&P 500 mit den 500 größten US-Unternehmen und den Nasdaq 100 mit Fokus auf Technologie und Wachstum. Beide haben in den vergangenen Jahrzehnten stärker abgeschnitten als der breitere, aber auch trägere MSCI World, weil dort einige der wachstumsstärksten Unternehmen der Welt konzentriert sind. So brachte der S&P 500 in den letzten zehn Jahren beispielsweise eine Rendite von circa 250 % und der Nasdaq 100 sogar mehr als 520 %, während der MSCI World circa 185 % erreichte.

In 3 Schritten zu starken Einzelaktien

Noch mehr Potenzial als in ETFs steckt in Einzelaktien, allerdings bedeuten sie bei der Auswahl etwas mehr Arbeit und Know-How. Diese lässt sich mit einem klaren System aber gut erledigen.

Bauen Sie sich im ersten Schritt eine Watchlist aus 30 bis 50 börsennotierten Unternehmen, die Sie kennen, etwa weil Sie deren Produkte selbst nutzen oder die Branche aus Ihrem Berufsalltag verstehen.

Prüfen Sie anschließend für jedes Unternehmen die Fünf-Jahres-Performance. Das geht leicht über Google oder eine Aktienkurs-Seite Ihrer Wahl. Alphabet, das Unternehmen hinter Google, legte in den vergangenen fünf Jahren zum Beispiel über 140 Prozent zu (Stand: September 2026). Die BMW-Aktie dagegen notierte nach fünf Jahren mehr als 20 Prozent Verlust (Stand: September 2026), obwohl die Dividendenrendite bei über sieben Prozent liegt.

Das zeigt: So verlockend eine hohe Dividende klingt, ein Unternehmen ohne Kursstärke sollte aus Ihrer Auswahl fallen. Alle Aktien mit weniger als 100 Prozent Plus über die letzten fünf Jahre würde ich aus der Recherche streichen.

Im dritten Schritt kommen Umsatz und Gewinn der Unternehmen ins Spiel. Diese Zahlen finden Sie in den Geschäftsberichten. Wachsen Umsatz und Gewinn der Unternehmen nicht um mindestens zehn Prozent von Jahr zu Jahr, erfüllt das Unternehmen meine Kriterien für ein starkes Wachstumsunternehmen nicht mehr, auch wenn der Chart in der Vergangenheit gut aussah. In der Konsequenz heißt das, dass Sie das Unternehmen aus Ihrer Liste streichen. Genau diese fundamentale Prüfung beschreibe ich auch ausführlich in meinem Buch „Mami goes Millionär“, weil sie zeigt, ob ein Unternehmen wirklich gesund ist oder nur kurzfristig gut aussieht.

Am Ende bleibt eine Handvoll Unternehmen übrig, fünf bis zehn reichen aus. Sind es deutlich mehr, war Ihre Auswahl noch nicht streng genug. Sind es zu wenige, müssen Sie weitersuchen.

Nur die Besten kommen ins Depot    

Stellen Sie sich Ihr Depot wie ein Team vor: Einen dauerhaft schwach perfomenden Mitarbeitenden würden Sie lieber durch einen guten ersetzen. Genauso sollten Sie auch mit Aktien umgehen.

Steigen Sie zudem nur in Unternehmen ein, die sich gerade im Aufwärtstrend befinden, selbst wenn eine Aktie in der Vergangenheit stark war. Ein bestehender Aufwärtstrend ist eines der stärksten Signale an der Börse, weil er sich statistisch häufig fortsetzt, man spricht hier auch von Momentum. Und sollte eine Aktie trotzdem drehen, sich also nachhaltig gegen den Trend entwickeln, ziehen Sie rechtzeitig die Reißleine: Meine persönliche Grenze liegt bei rund 30 Prozent Verlust vom bisherigen Höchststand.

Wenden Sie diese vier Schritte konsequent an und verlassen Sie sich nicht mehr nur auf Durchschnittswerte wie den MSCI World, sondern treffen Sie aktiv die Wahl für die eigentlich besten Unternehmen. Darin liegt für mich der Unterschied zwischen Geld anlegen und wirklich Vermögen aufbauen und glauben Sie mir, es lohnt sich so sehr: Ärgern Sie sich nicht, über die hohen Preise aufgrund der Inflation. Lernen Sie lieber richtig gut zu Investieren und Sie werden viel reicher, als Sie es sich jetzt vielleicht vorstellen können.

Dr. Carmen Mayer

Dr. Carmen Mayer

Dr. Carmen Mayer ist promovierte Biochemikerin und eine der führenden Expertinnen für erfolgreiche Anlagestrategien. Sie ist Autorin des Spiegelbestsellers „Mami goes Millionär – Wie du mit Aktien finanziell frei wirst“. Wissen und konkrete Tipps zu den Themen Mindset, Finanzanlage, Aktien und mehr teilt sie auf ihrem Youtube-Kanal und in ihrem Podcast „Mami goes Millionär“.

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