Warum manche Ärztinnen und Ärzte finanziell nur auf der Stelle treten
Dr. Carmen MayerHohe Einkommen bedeuten nicht automatisch hohes Vermögen, diese Erfahrung müssen auch viele Praxisinhaber machen. Das Problem sind aber nicht unbedingt die Umsätze, sondern eher die Investitionen. Börsenexpertin Dr. Carmen Mayer zeigt im folgenden Beitrag, warum gerade Ärztinnen und Ärzte ihr Potenzial nicht ausschöpfen und wie sie das ändern können.
Wer Medizin studiert, gehört zu den leistungsstärksten Menschen unserer Gesellschaft. Doch ausgerechnet beim Vermögensaufbau machen viele Ärztinnen und Ärzte oft schon früh entscheidende Fehler, deren Folgen sie erst viele Jahre später bemerken.
Karriere mit langem Anlauf
Während andere längst im Berufsleben stehen, verbringen angehende Medizinerinnen und Mediziner viele Jahre im Hörsaal und in der Facharztausbildung. Wer mit etwa 19 Jahren das Studium beginnt, erhält oft erst mit Anfang 30 das erste volle Gehalt.
Dann geht es jedoch steil bergauf: Schon Assistenzärztinnen und -ärzte verdienen heute – je nach Tarifvertrag und Arbeitgeber – rund 5.600 bis 5.900 Euro brutto im Monat, dazu kommen häufig Zuschläge für Nacht- und Bereitschaftsdienste. Ein Einkommen, von dem viele nur träumen. Somit haben sie ausgesorgt, oder?
Doch genau hier liegt ein Trugschluss. Denn Vermögen entsteht nicht allein durch ein hohes Gehalt, sondern vor allem durch Zeit und geschickte Investition. Während die angehende Ärztin noch lernt, startet ein Handwerker schon mit 16 oder 17 Jahren ins Berufsleben und kann so viel früher mit dem Vermögensaufbau beginnen.
Warum ein hohes Einkommen nicht gleich Wohlstand garantiert
Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Nach Jahren des Verzichts ist die Versuchung für Ärztinnen und Ärzte groß, sich mit dem Gehalt endlich etwas zu gönnen. Das hohe Einkommen wird dadurch schnell von einem ebenso hohen Lebensstandard aufgezehrt. So steigen mit jedem Karriereschritt zwar die Einnahmen, aber auch die Ausgaben: Aus der Mietwohnung wird das Eigenheim, aus dem Kleinwagen ein Premiumfahrzeug, aus dem kleinen Jahresurlaub eine mehrwöchige Fernreise.
Dieses Muster wird als Lifestyle-Inflation bezeichnet und zählt zu den größten Hindernissen auf dem Weg zum Vermögensaufbau. Denn obwohl viele Ärztinnen und Ärzte im Laufe ihres Berufslebens mehrere Millionen Euro verdienen, schaffen es überraschend wenige, ein entsprechendes Vermögen aufzubauen.
Besonders sichtbar wird die Problematik im Alter, wenn das laufende Einkommen ausbleibt und Ärztinnen und Ärzte auf die Rente angewiesen sind. Wer dann nicht privat vorgesorgt hat, steht vor einer immensen Rentenlücke. Bei gutverdienenden Medizinerinnen und Medizinern kann diese schnell im mehrfach vierstelligen Bereich liegen. Sie müssen sich im Ruhestand einschränken, statt die letzten Jahre des Lebens zu genießen.
Es wird Zeit für ein neues System
Wie sollten Ärztinnen und Ärzte nun also mit ihrem Gehalt umgehen? Während es sich in den 80ern noch lohnte, ein einfaches Sparkonto zu eröffnen, reicht das heute nicht mehr aus. Es ist kein Geheimnis: Die Zinsen sind extrem niedrig und die Inflation frisst das Ersparte Tag für Tag. Entscheidend ist daher, früh ein einfaches Kontensystem und gute Finanzgewohnheiten zu etablieren. Eine Möglichkeit ist es, das Gehalt wie folgt aufzuteilen:
50 % Lebensunterhalt
10 % langfristiges Investieren
10 % Weiterbildung
10 % Freizeit und Wünsche
10 % Spenden
10 % als Puffer oder für individuelle finanzielle Ziele
Wichtig: Es geht dabei weniger um die exakten Prozentsätze als um die Gewohnheit, einer klaren Struktur zu folgen. Vielleicht brauchen Sie weniger für den Lebensunterhalt, aber wollen mehr in Ihre Weiterbildung stecken. Mindestens 10 % des Gehalts sollten jedoch investiert werden.
Drei Wege für den Vermögensaufbau
Mit den verschiedenen Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen, beschäftige ich mich, seit ich 2017 hochschwanger etwas verstehen musste: Obwohl ich als promovierte Biochemikerin für ein Pharmaunternehmen und mein Mann für einen Automobilhersteller arbeiteten, waren wir nie ein der Lage, uns ein Eigenheim in München zu leisten. Wie schafften andere das?
Eine Antwort fand ich in dem Buch Rich Dad, Poor Dad von Robert Kiyosaki. Seine Kernaussage: Vermögen entsteht durch den Aufbau von Vermögenswerten. Dafür gibt es im Wesentlichen drei Wege:
ein Unternehmen gründen,
in Immobilien investieren
oder an der Börse in Aktien zu investieren.
Ein Unternehmen gründen viele Ärztinnen und Ärzte, wenn sie den Schritt in die eigene Praxis wagen, doch im Gegensatz zu den Unternehmen, die Robert Kiyosaki meint, sind die Praxen selten von der Arbeitszeit der Inhabenden entkoppelt.
In Immobilien zu investieren, dauert lang und ist mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden, was es für Ärztinnen und Ärzte unattraktiver macht.
Der Aktienmarkt als Chance
Es bleibt der Aktienmarkt – meiner Meinung nach die praktikabelste Lösung, um als Ärztin oder Arzt Vermögen aufzubauen. Denn Aktien benötigen keinen großen Zeitaufwand und können bequem am Abend von zu Hause aus gehandelt werden. Zudem lässt sich schon mit kleinen Beträgen Schritt für Schritt ein Vermögen aufbauen. Denn der entscheidende Faktor an der Börse ist die Zeit.
Ein weiterer Vorteil: Ärztinnen und Ärzte bringen bereits viele Eigenschaften mit, die erfolgreiche Investoren auszeichnen. Sie analysieren komplexe Sachverhalte, bewerten Risiken, treffen Entscheidungen auf Basis von Daten und lassen sich dabei möglichst wenig von Emotionen leiten. Genau diese Denkweise ist auch an der Börse von großem Wert.
Deshalb bin ich überzeugt: Ärztinnen und Ärzte haben beste Voraussetzungen, nicht nur medizinisch erfolgreich zu sein, sondern auch langfristig erfolgreich an der Börse zu investieren. So dass nicht nur Sie hart für Ihr Geld arbeiten, sondern auch Ihr Geld für Sie arbeitet.