Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
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MediPulse - Der digitale Geschäftsführer für Arztpraxen und MVZ

Kurz vor zwölf. Das Wartezimmer ist voll, das Telefon klingelt, zwei Behandlungsräume sind gleichzeitig belegt. Die Sprechstunde läuft seit Stunden auf Hochtouren. Eigentlich müsste das ein guter Vormittag sein. Doch wirtschaftlich muss das nicht automatisch stimmen. Denn eine volle Arztpraxis sagt noch wenig darüber aus, wie rentabel sie arbeitet. Entscheidend ist nämlich nicht nur, wie viele Patienten behandelt werden oder wie hoch der Umsatz ausfällt. Mindestens ebenso wichtig ist, welcher Aufwand dahintersteht.

Höhere Einnahmen, höhere Kosten

Das zeigen auch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die im Juli 2026 veröffentlicht wurden. Demnach erzielten Arztpraxen in Deutschland 2024 im Durchschnitt Einnahmen in Höhe von 854.000 Euro. Das waren 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die Aufwendungen um knapp fünf Prozent auf durchschnittlich 516.000 Euro je Praxis.1 Besonders stark legten die Personalkosten zu: um 8,3 Prozent innerhalb eines Jahres.2

Mehr Umsatz klingt zwar zunächst gut. Aber wenn die Kosten ähnlich schnell wachsen, wird der finanzielle Spielraum kleiner. Ab 2027 dürfte sich der Druck auf viele Praxen zusätzlich erhöhen. Zwar steigt der sogenannte Orientierungswert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen um 2,2 Prozent.3 Er legt vereinfacht gesagt fest, wie hoch Leistungen vergütet werden, die Ärzte nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Gleichzeitig sieht das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzen soll, im ambulanten Bereich Einsparungen von rund drei Milliarden Euro vor.4

Ab 2027 bedeutet das: Der höhere Orientierungswert verbessert zwar die Vergütung je EBM-Punkt. Zugleich fallen aber für verschiedene Leistungen bisherige extrabudgetäre Vergütungen, also Zahlungen außerhalb des regulären Budgets, weg oder werden stärker begrenzt.5 Höhere Preise je Leistung bedeuten also nicht automatisch höhere Gesamthonorare. Entscheidend ist auch, welche Leistungen vergütet werden und ob sie innerhalb eines Budgets bezahlt werden.

Wann rechnet sich eine Arztstunde?

Viele Praxisinhaber kennen ihren Monats- oder Jahresumsatz ziemlich genau. Schwieriger wird es bei den Details. Welche Sprechstunde trägt besonders stark zum Ergebnis bei? Wie unterscheiden sich einzelne Behandler? Rechnet sich eine zusätzliche Stelle?

Auch die Zahl der Arbeitsstunden allein sagt nicht viel aus. Urlaub, Krankheit, Fortbildungen, Dokumentation und Verwaltungsaufgaben gehören zum Praxisalltag dazu, bringen aber keine unmittelbaren Erlöse. Interessant ist deshalb vor allem die Zeit, in der tatsächlich medizinische Leistungen erbracht werden. Erst wenn diese produktiven Stunden mit Umsatz und Kosten zusammengebracht werden, entsteht ein realistisches Bild der Wirtschaftlichkeit einer Arztpraxis.

Helfen kann hier der Blick auf die einzelne Behandlerstunde. Einen allgemeingültigen Wert gibt es allerdings nicht. Zu unterschiedlich sind Fachrichtungen, Praxisgrößen und Kostenstrukturen. Eine dermatologische Einzelpraxis funktioniert wirtschaftlich anders als ein orthopädisches MVZ oder eine internistische Gemeinschaftspraxis.

Nehmen wir daher ein einfaches Beispiel: Ein angestellter Hausarzt verdient in Vollzeit im Schnitt zwischen 88.000 und 96.000 Euro brutto im Jahr, ein Orthopäde etwa 110.000 Euro.6

Einschließlich der Arbeitgeberanteile kostet die Stelle die Praxis rund 102.000 bis 110.000 Euro beziehungsweise etwa 126.000 Euro jährlich. Legt man für eine vereinfachte Rechnung rund 1.600 produktive Arbeitsstunden pro Jahr zugrunde, entfallen davon beim Hausarzt etwa 64 bis 69 Euro, beim Orthopäden knapp 80 Euro pro Stunde allein auf die Beschäftigung des Arztes. Hinzu kommen anteilig die Kosten für Medizinische Fachangestellte (MFA), Räume, IT, Geräte, Verwaltung und Material.

Je nach Praxisstruktur können sich die Gesamtkosten damit – grob gerechnet – auf etwa 120 bis 140 Euro pro produktive Stunde beim Hausarzt und 150 bis 180 Euro beim Orthopäden summieren. Erst was darüber hinaus erwirtschaftet wird, trägt zur Deckung weiterer Kosten und zum Praxisergebnis bei. Auch das Zi-Praxis-Panel des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, in dem die Kosten- und Versorgungsstrukturen in den Praxen niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten untersucht werden, betrachtet deshalb neben Einnahmen und Ausgaben unter anderem Arbeitszeiten, Personalstruktur und Versorgungsumfang.7

Lohnt sich eine zusätzliche Sprechstunde?

Im Praxisalltag werden solche Zahlen vor allem dann wichtig, wenn konkrete Entscheidungen anstehen: Lohnt sich eine zusätzliche Nachmittagssprechstunde? Ist eine weitere ärztliche Stelle wirtschaftlich tragfähig? Was passiert, wenn eine Ärztin ihre Wochenstunden erhöht?

Solche Fragen stellen sich umso mehr, je größer eine Praxis ist. In einem MVZ mit mehreren Ärzten oder mehreren Standorten kann ein guter Gesamtumsatz leicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Bereiche weniger gut laufen. Wer das beurteilen will, braucht Zahlen, die nicht nebeneinanderstehen, sondern so miteinander verknüpft werden, dass sie ein klares Bild ergeben.

Genau hier setzt MediPulse an. Der digitale Praxismanager führt betriebswirtschaftliche Daten zusammen und macht unter anderem sichtbar, wie sich Umsatz, Kosten und verfügbare Arbeitszeit einzelner Behandler zueinander verhalten.8 Auch Personalkosten, Fehlzeiten und weitere wirtschaftlich relevante Größen können einbezogen werden. So lässt sich schneller erkennen, wo eine Praxis gut läuft und wo man genauer hinsehen sollte. Wo steigen die Kosten stärker als die Erlöse? Welche Sprechstunden sind gut ausgelastet? Welche Veränderungen bringen tatsächlich etwas?

„Viele Ärztinnen und Ärzte wissen ziemlich genau, was am Monatsende auf dem Konto steht“, erklärt Kolja Schmid, Geschäftsführer bei MediPulse. „Aber sie wissen oft nicht, welche Bereiche ihrer Praxis dieses Ergebnis tragen – und welche es belasten.“

Dabei sollten betriebswirtschaftliche Kennzahlen nicht erst beim Jahresgespräch mit dem Steuerberater eine Rolle spielen. Richtig aufbereitet können sie im laufenden Betrieb helfen, Entwicklungen früh zu erkennen. Wer sieht, wo Zeit, Personal und Erlöse gut zusammenspielen, kann schneller reagieren: bei Personalfragen, Investitionen oder der Organisation der Sprechstunden. Dadurch werden Entscheidungen nicht immer einfacher. Aber sie sind besser plan- und begründbar.

„Gutes Praxismanagement heißt nicht, jede Minute maximal auszureizen“, betont Kolja Schmid. „Es bedeutet, Zusammenhänge zu erkennen und Entscheidungen auf einer verlässlichen Datengrundlage zu treffen, statt erst Monate später in der betriebswirtschaftlichen Auswertung zu sehen, dass etwas nicht funktioniert hat.“

Quellen:

[1] Statistisches Bundesamt: Arztpraxen 2024 – Einnahmen stiegen erstmals seit zwei Jahren wieder stärker als Aufwendungen, 23.07.2026

[2] Statistisches Bundesamt: Ausgewählte Grundzahlen je Praxis im Zeitvergleich

[3] KBV: Orientierungswert steigt 2027 um 2,2 Prozent

[4] KBV: Beitragsstabilisierungsgesetz – Auswirkungen für Praxen

[5] apoBank: Gehälter angestellter Ärzte in der ambulanten Versorgung

[6] Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung: Zi-Praxis-Panel – Jahresbericht 2023

[7] KBV: Beitragsstabilisierungsgesetz – Auswirkungen für Praxen

[8] MediPulse: Praxismanager