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Die Mär von der IGeL-Wut deutscher Ärzte

von Judith Meister

Taucher
Sicher die Unterwasserwelt erkunden: Für Hobbytaucher sind IGeL oft wichtig, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com

Die Debatte um das Für und Wider von Selbstzahlerleistungen wird seit Jahren sehr emotional geführt. Dabei könnte ein Blick auf aktuelle Zahlen die Gemüter deutlich beruhigen.

Wie sinnvoll sind individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)? Dienen sie in erster Linie dem Wohl des Patienten oder sind sie vor allem eine zusätzliche Einnahmequelle für Ärztinnen und Ärzte?

Diese Diskussion ist ebenso alt wie die IGeL selbst. Während passionierte Hobbytaucher eine tauchmedizinische Bescheinigung sicher als segensreich bewerten, dürften ausgewiesene Landratten darin kaum einen Nutzen erkennen. Und auch die unterschiedlichen Lager, bestehend aus Verbraucherschützern, Kassenvertretern und Ärzteschaft, werden in Sachen IGeL wohl nie zu einer einheitlichen Linie kommen.

Viele bieten keine IGeL an

Jenseits aller Emotionalität lohnt es sich jedoch, einen Blick auf die nüchternen Zahlen zu werfen. Die nämlich nähren Zweifel an der häufig vertretenen These, dass Patienten oft schon bei Betreten der Praxis zum IGeL-Kauf genötigt würden.

Die Stiftung Gesundheit hat anlässlich des einjährigen Bestehens digitaler Gesundheitsanwendungen eine deutschlandweite, repräsentative Umfrage unter Ärztinnen und Ärzten durchgeführt – und dabei auch deren Haltung zu individuellen Gesundheitsleistungen abgefragt.

Das Ergebnis: Gut die Hälfte der Befragten (52,8 Prozent) bietet solche Selbstzahlerleistungen an, weitere 3,1 Prozent der Teilnehmer denken darüber nach. Stolze 44,1 Prozent allerdings gaben an, keine solchen Leistungen im Angebot zu haben. Das passt nur sehr begrenzt zum vielfach gezeichneten Bild einer vor allem am Gewinn orientierten Ärzteschaft. Im Gegenteil. Etliche Niedergelassene lassen durch den konsequenten Verzicht auf IGeL (bewusst oder unbewusst) aber auch zusätzliche Einnahmen liegen.

Doch selbst Kolleginnen und Kollegen, die darüber nachdenken, IGeL anzubieten, sind angesichts der oft negativen Berichterstattung verunsichert. Wer die folgenden Punkte beachtet, kann jedoch ein seriöses Angebot jenseits des gesetzlichen Leistungskataloges etablieren, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, vor allem gewinnorientiert zu arbeiten.

So IGeLn Sie seriös

Wichtig ist zunächst, dem Patienten zu erklären, ob und warum eine bestimmte IGeL notwendig oder empfehlenswert für ein spezielles gesundheitliches Problem/Anliegen ist. Fehlen wissenschaftliche Belege für den Nutzen der Behandlung, ist darauf ebenso hinzuweisen wie auf wissenschaftliche Daten, die den Mehrwert belegen.

Eine umfassende Aufklärung über Chancen und Risiken der IGeL ist ebenso selbstverständlich wie das Unterlassen von anpreisender Werbung oder einer Verächtlichmachung der Kassenleistungen („Wenn Sie mehr wollen als Holzklasse …“). Keinesfalls darf der Patient das Gefühl erhalten, er missachte einen ärztlichen Rat oder verhalte sich dumm beziehungsweise „non-compliant“, wenn er sich gegen die IGeL entscheidet.

Um spätere Streitigkeiten ums Geld und die Aufklärung zu vermeiden, ist eine schriftliche Vereinbarung mit dem Patienten unabdingbar. Sie sollte darin die geplante IGeL ebenso klar benennen wie die voraussichtlichen Kosten.

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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