Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Allgemeinmedizin
Inhaltsverzeichnis

Wie das biologische Geschlecht der Patienten die Diagnostik und Behandlung rheumatischer Erkrankungen beeinflusst, ist ein wichtiges medizinisches Faktum, das zunehmend in den Fokus der Forschung rückt. „Gendermedizin und Rheumatologie“ lautete daher einer der fünf Schwerpunkte des Deutschen Rheumatologiekongresses 2025, der Mitte September in Wiesbaden stattfand.

Verzögerte Diagnosestellung bei Frauen: Ursachen und Folgen

Zwar kommen die meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bei Frauen häufiger vor als bei Männern, dennoch werden die Erkrankungen bei ihnen oft später erkannt. Lange Zeit galten Spondyloarthritiden als überwiegend bei Männern vorkommend. „Dabei zeigen neuere Daten ein relativ ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Frauen mit axialer Spondyloarthritis erhalten ihre Diagnose jedoch im Schnitt mehr als zwei Jahre später als Männer“, berichtete Dr. Katinka Albrecht vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ). Als ein Grund nannte sie, dass bei Männern nach dem Auftreten erster Symptome schneller Veränderungen an der Wirbelsäule in der Bildgebung nachweisbar sind und so die Diagnose gesichert werden kann.

Krankheitsmanifestation: Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Weitere Unterschiede: Frauen mit Psoriasis-Arthritis haben vermehrt Entzündungen an den Gelenken und den Sehnenansätzen, während bei Männern eine größere Hautfläche betroffen ist. Der systemische Lupus erythematodes manifestiert sich bei Frauen oft an Haut- und Schleimhäuten, während Männer häufiger eine schwere Nierenbeteiligung, eine Herzbeutelentzündung oder einen Pleuraerguss entwickeln.

Geschlechtsspezifische Therapieansätze und Komorbiditäten

Auch in der Therapie zeigen sich Unterschiede: Männer mit Spondyloarthritiden werden häufiger mit TNF-Inhibitoren behandelt, während Frauen ein geringeres Ansprechen auf die Therapie zeigen. Dies zeigt sich auch bei rheumatoider Arthritis. Bei den Komorbiditäten sind Frauen häufiger von Osteoporose, Depressionen oder Schilddrüsenerkrankungen betroffen, während Männer vermehrt Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen. Albrecht betonte aber auch: „Auch Männer mit rheumatischen Erkrankungen können eine Osteoporose oder eine Depression entwickeln, auch Frauen können an einer Herzinsuffizienz erkranken, und wir sollten dies nicht übersehen, nur weil das Risiko geringer ist.“

Früherkennung verbessern: Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte

Eine koordinierte Kooperation zwischen Primärversorgern und Fachärzten kann zur Optimierung der Frühdiagnose entzündlich-rheumatischer Erkrankungen beitragen. Ein Beispiel ist das Netzwerk „Rheuma-VOR“ und sein Nachfolgeprojekt „TeleRheumaPlus“. Das Konzept von Rheuma-VOR sieht die Einrichtung von Koordinationsstellen im Rheumazentrum zur Unterstützung regionaler Hausarzt-Netzwerke vor, um Patienten mit Verdacht auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen zeitnah in eine Frühsorge-Sprechstunde zu überweisen. Hausärzte nutzen Schulungen und standardisierte Checklisten zur Erkennung rheumatologischer Warnzeichen. Die Koordinationsstelle wertet die Screeningbögen aus und vermittelt den Patienten, wo notwendig, ohne Umwege einen Termin in der Frühsorge-Sprechstunde. So lassen sich deutlich verkürzte Wartezeiten auf eine rheumatologische Abklärung, präzisere Diagnosen und ein schnellerer Therapiebeginn erreichen. Das bietet bessere Chancen auf Krankheitskontrolle und weniger Folgeschäden, was neben dem Nutzen für Betroffene auch eine Kostenreduktion für das Gesundheitssystem bedeuten kann.

Innovationsprojekte in der Rheumatologie: Rheuma-VOR und TeleRheumaPlus

Rheuma-VOR ist ein Innovationsfonds-Projekt in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Berlin und im Saarland. Trotz „positiver Teilergebnisse“ wurde es nicht in die Regelversorgung überführt.

Quelle:

Online-Pressekonferenz am 11. September 2025 (DGRh)