Wechseljahre: Ernst nehmen und Optionen aufzeigen
Marcus SefrinDie Wechseljahre sind eine Lebensphase, die bei jeder Frau unterschiedlich verläuft. Treten spürbare körperliche oder seelische Veränderungen auf, wünschen sich mehr Frauen Informationen vom Hausarzt.
Statistische Berechnungen haben ergeben, dass in Deutschland aktuell etwa 11,3 Prozent der Frauen potenziell in den Wechseljahren sind. Da die Inanspruchnahme gynäkologischer Leistungen anders als die allgemeinmedizinischer Leistungen mit steigendem Alter abnimmt, stellen mögliche menopausale Symptome und Beschwerden vor diesem Hintergrund einen häufigen Beratungsanlass in der hausärztlichen Versorgung dar.
Häufigkeit und Beratungsanlässe: Wann suchen Patientinnen den Hausarzt auf?
In einer Querschnittsstudie mit 180 Patientinnen im Alter von 45 bis 60 Jahren gaben 42,5 Prozent der Befragten an, aufgrund ihrer Wechseljahresbeschwerden (erfasst mit der Menopause Rating Scale [MRS] II) in den letzten sechs Monaten ihren Hausarzt aufgesucht zu haben, 20,1 Prozent konsultierten andere Fachärzte, etwas mehr als die Hälfte gar keinen Arzt.
Informationsbedarf zu den Wechseljahren: Erwartungen an die hausärztliche Beratung
Laut der Studie wünschten sich etwa 50 Prozent der Frauen mehr Informationen über die Wechseljahre durch ihren Hausarzt. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Symptomstärke, Informationswunsch und Praxisbesuch. Für die Autorinnen könnte ein gezieltes Ansprechen der Wechseljahre in der regulären Anamnese zur Enttabuisierung der Wechseljahre beitragen und Frauen könnten frühzeitig über mögliche Beschwerden und deren Behandlungsoptionen informiert werden. Gut 57 Prozent der befragten Frauen hielten auch ein Gespräch mit speziell dafür geschultem nicht-ärztlichem Personal für denkbar.
Kommunikation und Enttabuisierung: Wechseljahre aktiv ansprechen
Anlässlich des Weltmenopausetags hat der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) appelliert, alle Wechseljahresbeschwerden ernst zu nehmen. „Die passende Behandlung hängt von vielen Faktoren ab: vom Beschwerdebild und dem individuellen Leidensdruck, der persönlichen Vorgeschichte beziehungsweise von Vorerkrankungen und nicht zuletzt von den eigenen Wünschen und Lebensumständen“, erläuterte Vizepräsident Markus Haist, Pforzheim. Viele Frauen würden sich bei leichten bis mittelschweren Wechseljahresbeschwerden eine natürliche Behandlung wünschen.
Komplementärmedizin und pflanzliche Präparate: Möglichkeiten und Grenzen
Komplementärmedizinische Ansätze können hier sinnvoll sein, vor allem als Ergänzung zur konventionellen Therapie. Als Beispiele sind pflanzliche Präparate wie Traubensilberkerze, Rhapontik-Rhabarber, Rotklee und Johanniskraut zu nennen. „Da viele dieser Mittel über hormonähnliche Wirkmechanismen verfügen, ist es wichtig, sie nicht auf eigene Faust einzunehmen“, mahnt die Vorsitzende der AG Komplementärmedizin im BVF, Dr. Reinhild Georgieff, Leipzig.
Hormonersatztherapie: Wirksamkeit, Risiken und individuelle Therapieentscheidungen
Die Hormonersatztherapie (HET) gilt weiterhin als die effektivste medizinische Behandlung für ausgeprägte Wechseljahresbeschwerden. Insbesondere Symptome wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und vaginale Trockenheit lassen sich durch eine individuell angepasste HET deutlich lindern, so der BVF. Darüber hinaus sei der Schutz vor Osteoporose durch eine Hormongabe gut belegt und sie kann zudem präventive Effekte auf kardiovaskuläre Erkrankungen und Stoffwechselveränderungen haben. Das Brustkrebsrisiko unter einer HET müsse differenziert bewertet werden. Entscheidend sei, welche Hormone zum Einsatz kommen (nur Östrogen vs. Kombinationstherapie mit Gestagenen), das Anwendungsschema (kontinuierlich oder zyklisch) und der Zeitpunkt des Therapiebeginns. „Richtig eingesetzt und durch regelmäßige Vorsorge begleitet, kann eine individuell abgestimmte HET nicht nur klimakterische Beschwerden deutlich lindern, sondern auch langfristig zur Erhaltung von Lebensqualität, psychischem Wohlbefinden und Gesundheit beitragen“, betont die Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft Dr. Katrin Schaudig aus Hamburg.
Leitlinie in Überarbeitung
Derzeit wird die interdisziplinäre S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Intervention“ (AWMF-Leitlinie 015-062) aktualisiert. Dafür hat das IQWiG sechs Evidenzberichte erstellt.
Pressemeldung des BVF