Ästhetisches Leistungsspektrum: Der Trend geht zu mehr Natürlichkeit
Judith MeisterDie Beliebtheitsstatistik bei ästhetischen Eingriffen führt auch in diesem Jahr wieder die Botulinumbehandlung an. Veränderungen gab es allerdings vor allem bei der ästhetischen Chirurgie.
Pralle Lippen, große Brüste und ein voluminöser Po: Beim Thema Schönheitschirurgie haben viele Menschen nach wie vor dieses Bild vor Augen. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch: Die ästhetische Chirurgie in Deutschland ist im Wandel.
Statt eines Kardashian-Hinterns wünschen sich die Patienten inzwischen vor allem Natürlichkeit, Langlebigkeit und Individualität. Das zunehmende Interesse an diesen Eingriffen und die neue Offenheit, „etwas machen zu lassen“, hat jedoch nicht nur positive Aspekte. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) warnt sogar vor einem zunehmenden Risiko durch fehlende gesetzliche Regelungen bei ästhetischen Eingriffen.
Der Grund: Viele sogenannte Beauty Docs führen ästhetische Eingriffe ohne entsprechende Facharztausbildung durch – ein Risiko, das die DGÄPC stark kritisiert. Die Experten fordern daher eine gesetzliche Regelung des Facharztvorbehalts für ästhetische Behandlungen, wie sie in anderen europäischen Ländern bereits Standard ist.
Unterschied zwischen Beauty Docs und Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Dr. Alexander Schönborn, Präsident der Vereinigung der deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) wird in diesem Zusammenhang sehr deutlich: „Es kann nicht sein, dass im Bereich der ästhetischen Chirurgie jeder alles darf – egal ob er eine jahrelange Facharztausbildung absolviert hat oder gerade frisch von der Uni kommt.“
Vermutlich werden die meisten Patienten ihm Recht geben. Das Problem ist nur: Laut der vor Kurzem veröffentlichten DGÄPC-Statistik 2025 wissen 48,8 Prozent der unter 30-Jährigen und 35,5 Prozent der Gesamtbevölkerung nicht, worin sich Schönheitschirurgen oder Beauty Docs von Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie unterscheiden. Bis es zu einer gesetzlichen Regelung kommt, bietet die DGÄPC daher eine Checkliste zur sicheren Arztwahl auf ihrer Website an.
Das Gesicht im Fokus der Schönheitsbehandlungen
Am beliebtesten unter den Schönheitsbehandlungen ist und bleibt die Botulinumbehandlung. Sie führt mit 13,8 Prozent das Ranking der gefragtesten Eingriffe an, gefolgt von Oberlidstraffungen (12,8 %) und Faltenunterspritzungen (10,5 %). Auf Platz 4 liegen Gesichts- und Halsliftings (10,0 %), auf Platz 5 befinden sich Fettabsaugungen (8,7 %).
Auch Brustchirurgie bleibt beliebt
Auffallend ist dabei, dass sich mehr als die Hälfte aller Behandlungen im Umfragezeitraum 2025 auf den Gesichtsbereich konzentrieren. Doch auch die Brustchirurgie bleibt stark: Bruststraffungen (8,1 %), Brustvergrößerungen mit Implantaten (7,8 %) und Brustverkleinerungen (7,8 %) liegen nahezu gleichauf. Dennoch gibt es auch hier Veränderungen: Immer mehr Patientinnen wünschen sich harmonische Proportionen statt großer Volumina. Zunehmend gefragt ist überdies die Brustvergrößerung mit Eigenfett (2,9 %).
Weitere Besonderheit der aktuellen Statistik: Zum ersten Mal seit Erhebung der Zahlen schafft es die Bruststraffung vor die Brustvergrößerung mit Implantaten. Bei den jungen Patientinnen unter 30 liegt letztere zwar noch auf Platz 1 mit 14,8 Prozent, allerdings hat sie hier rund zwei Prozentpunkte verloren.
Auch der Boom der GLP-1-Abnehmspritzen hat in diesem Jahr zum ersten Mal einen erkennbaren Einfluss auf die Zahl der Straffungsoperationen. 64,7 Prozent der Fachärztinnen und Fachärzte gaben an, dass vermehrt Patienten nach starkem Gewichtsverlust nach der Abnehmspritze zu ihnen kommen, um sich über eine Straffungsoperation zu informieren.