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Dermatologie

Eine Anaphylaxie ist laut der S2k-Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie (Update 2021) eine akute systemische Reaktion mit Symptomen einer allergischen Sofortreaktion, die den ganzen Organismus erfassen kann und potenziell lebensbedrohlich ist. Die Symptome setzen meist plötzlich innerhalb weniger Minuten ein (manchmal aber auch verzögert) und können sehr schnell fortschreiten bis hin zum Schock oder Tod. Betroffen sind häufig das Herz-Kreislauf-System, Haut- und Schleimhäute, Atemwege und Gastrointestinaltrakt. Zu Beginn der Anaphylaxie können Juckreiz beziehungsweise Brennen an Handinnenflächen und Fußsohlen oder im Genitalbereich, metallischer Geschmack, Angstgefühle, Kopfschmerzen oder Desorientierung spürbar sein. Die ersten Anzeichen bei Kleinkindern sind Unruhe oder ein Rückzugsverhalten.

Virusinfektion als Risikofaktor für schwere allergische Reaktionen

Die systemische Überempfindlichkeitsreaktion hängt häufig mit Allergien auf beispielsweise Nahrungsmittel, Insektengifte oder Medikamente zusammen. Laut der Anaphylaxie-Leitlinie können anaphylaktische Symptome auch abhängig von einer Kombination verschiedener Faktoren auftreten, zum Beispiel eine Allergenexposition zusammen mit körperlicher Belastung, Alkohol, psychischem Stress, bestimmten Arzneimitteln oder einer Infektion. Dieses Phänomen wird als Augmentation bezeichnet. Deshalb wird unter anderem in der S2k-Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen empfohlen, eine Hyposensibilisierung auszusetzen, wenn virale Infektionen im Respirationstrakt oder – speziell für die sublinguale Therapie – oropharyngeale Infektionen vorliegen. Eine unbehandelte chronische Infektion mit zum Beispiel HIV oder Hepatitis C gilt zudem als Kontraindikation.

IgG-vermittelte Anaphylaxie: Wie Virusinfektionen den Mechanismus verstärken

Die klassische Anaphylaxie wird über Immunglobulin E (IgE) vermittelt, das eine Freisetzung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren durch Mastzellen und basophile Granulozyten auslöst. Ein alternativer Signalweg wird über IgG vermittelt und könnte den Erkenntnissen eines Forschungsteams der Universität Duisburg-Essen zufolge erklären, wie akute Virusinfektionen das Risiko für eine Anaphylaxie verstärken.

IgG zirkulieren im Blut und erkennen dem Immunsystem bekannte Erreger wie Viren. Typ-I-Interferone rekrutieren unter anderem Monozyten zum Ort der Infektion. Die IgG können nun an einen spezifischen Rezeptor auf den Monozyten binden, den Fc-gamma-Rezeptor IIIa (CD16a). Dar­aufhin produzieren die Immunzellen den plättchenaktivierenden Faktor (PAF), der die Entzündungsreaktion weiter anheizt. Die Monozyten wandern unterdessen in das infizierte Gewebe ein, reifen dort zu Makrophagen und beseitigen Viren und bereits geschädigte Zellen. 

Im Mausmodell konnten die Forschenden nachweisen, dass Monozyten während einer Virusinfektion, ausgelöst durch Typ-I-Interferone, vermehrt den Fc-gamma-Rezeptor auf ihrer Oberfläche exprimieren und damit sensitiver auf IgG reagieren. Treffen die Monozyten anschließend auf ein Allergen, setzen sie ebenso verstärkt PAF frei, weshalb die Forschenden PAF als entscheidenden Mediator für die IgG-vermittelte Anaphylaxie während einer viralen Infektion ansehen. Sie empfehlen, zukünftig nach Möglichkeiten zu suchen, den alternativen Signalweg zu blockieren, um infektionsassoziierte anaphylaktische Komplikationen zu umgehen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Anaphylaxie: Adrenalin und Notfallbehandlung

Sofortmaßnahmen bei einer Anaphylaxie sind intramuskuläre ­Adrenalingabe, Sauerstoffapplikation und Volumensubstitution.

Cave: Sechs bis 24 Stunden später sind erneut Symptome möglich.

Quellen:

u. a. Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Elwy A et al. J Clin Invest 2026;136:e192371