Neue Standards für Telemedizin, KI und Wearables
Der Einzug digitaler Techniken und künstlicher Intelligenz wurde bei der 30. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie (FOBI) in vielen Symposien diskutiert. Wenn Technik bei Routinetätigkeiten entlastet, bleibt mehr Zeit für personalisierte, menschliche Medizin.
Digitale Dermatologie umfasst mehr als Telemedizin
Als visuelles Fach hat sich die Dermatologie schon früh mit der Nutzung digitaler Technologien auseinandergesetzt: Die Leitlinie Teledermatologie wurde 2020 veröffentlicht. Doch Telemedizin ist nur ein Teil der digitalen Dermatologie, wie Prof. Matthias Augustin, UKE Hamburg, erläuterte: Er beschrieb digitale Medizin als große Gesamtheit medizinischer Anwendungen, die auf digitaler Technologie (Daten, Funktionen) beruhen. Wenn man auch nicht-medizinische Anwendungen wie Gesundheits-Apps, Wearables und Lifestyle-Devices betrachtet, deckt man das gesamte Feld der Digital Health ab.
S2k-Leitlinie Digitale Dermatologie ist in Arbeit
Augustin stellte die aktuelle Version der S2k-Leitlinie Digitale Dermatologie vor: Die Autorinnen und Autoren sammeln Evidenzen zu Teledermatologie, digitaler Administration, Wearables und Robotics, immer mit dem Blick auf klinische Wirksamkeit, Patientennutzen, Sicherheit und praktischen Nutzen für die Versorgung.
Digitale Anamnese kann Dokumentationsaufwand reduzieren
Doch wie können digitale Werkzeuge in der Praxis entlasten? Der Hamburger Dermatologe beschrieb die mögliche Zeitersparnis am Beispiel der Anamnesebögen in der Hamburger UKE-Ambulanz (www.DocuDerm.com): Patienten füllen vor dem Besuch in der Ambulanz von zuhause aus online ihre Patientenakte aus, wobei Vorgeschichte, Medikation, Begleiterkrankungen, Scores wie der DLQI erfasst werden. Das Onboarding-System verschafft 60 Prozent Zeitersparnis, bedeutet einen geringen Zeitaufwand für Dokumentation und Suche nach fehlenden Informationen. Damit kann auch vorab per Triage entschieden werden, welchen Termin Patienten brauchen, sodass vor Ort mehr Zeit für Diagnose und ärztliche Entscheidungen bleibt – die Essenz der Dermatologie.
Evidenz und Standards bleiben unverzichtbar
Worauf steuern wir zu? Augustins persönliches Fazit lautet: „Wir sind in der zukünftigen Versorgung auf digitale Verfahren vital angewiesen.“ Die Leitlinie zeige den Nutzen in allen Versorgungsbereichen, digitale Dermatologie müsse systematisch ausgeweitet werden. Dabei sei jedoch die Evidenzbasierung unerlässlich: Deshalb seien Leitlinien und Standards nötig. „Digitalisierung ist kein Allheilmittel für Probleme im Gesundheitssektor“, man sollte die Risiken kennen und sorgfältig auswählen. Er appellierte an die Dermatologie „unser Fach neu zu denken“, an seine Kolleginnen und Kollegen, die Kompetenz dafür zu erwerben: „Sie kommen nicht drumrum.“
Teledermatologische Sprechstunde an der LMU München
Die Privatambulanz der Hautklinik der LMU in München bietet eine teledermatologische Sprechstunde an. Dr. Teodora Pumnea, München, beschrieb Erfahrungen der ersten drei Jahre in Zusammenarbeit mit der Plattform derma2go. Patienten müssen als private Leistung 48,36 Euro vor dem Absenden begleichen, was zu abgebrochenen Anfragen führt. Ein Großteil der Fälle sei einfach und schnell zu beantworten, so Pumnea. Die Patienten seien jedoch teilweise irritiert, wenn empfohlene Medikamente als Privatrezepte ausgestellt werden: Das Gesamtpaket ist eine Selbstzahlerleistung.
Wearables messen Biomarker bei Neurodermitis und Psoriasis
Wearables bieten in der Dermatologie die Chance einer kontinuierlichen Messung von Biomarkern und Hormonen zur Verlaufskontrolle. Prof. Alexander Zink, TU München, beschrieb Beispiele aus der Entwicklung: Kleine Sensoren, die Cortisol, Zytokine oder Hormone im Schweiß messen, zeigen den Stresspegel bei Neurodermitis oder Psoriasis an – oder Veränderungen der Hormonspiegel, die krankheitsrelevant sind. Gekoppelt mit einer breiten Datenbasis werden die Messungen der Wearables mit KI zum Gesundheitsbegleiter.
Quelle:FOBI 2026, Symposium Digitale Dermatologie, 9. Juli 2026
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