Brustkrebsvorsorge: Erste Mammografie prägt Verhalten
Constanze PolenzFrauen, die die erste Einladung zum Mammografie-Screening nicht nutzen, nehmen auch später seltener daran teil. Das erhöht die Gefahr zu spät erkannter Karzinome und damit auch die Sterblichkeit.
Mammografie-Screening-Programm in Deutschland: Altersgrenze erweitert
Seit 2005 gibt es in Deutschland, im Rahmen der Brustkrebsvorsorge, das bundesweite Mammografie-Screening-Programm für Frauen. Ab dem 50. Lebensjahr erhalten sie alle zwei Jahre per Post eine Einladung zur Teilnahme – früher bis zum 69. Lebensjahr und seit Juli 2024 bis zu einem Alter von 75 Jahren.
Die Hälfte der deutschen Frauen geht zur Mammografie
Obwohl Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen ist, nehmen in Deutschland nur etwa die Hälfte der berechtigten Frauen an der kostenlosen Untersuchung teil.
Brustkrebs-Sterberaten sind zurückgegangen
In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Brustkrebs-Mortalitätsrate kontinuierlich gesunken. Das liegt zum einen an innovativeren Therapien, aber auch an den Früherkennungsprogrammen. Das haben zwei, kürzlich veröffentlichte, Studien gezeigt.
Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt Screening-Erfolg
Darunter die Langzeit-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz unter der Leitung von Prof. André Karch, stellvertretendem Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Münster. Darin beurteilten Wissenschaftler Daten aus den Jahren 2009 bis 2018. Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass bei Frauen, die am Mammografie-Screening teilnehmen, die Brustkrebssterblichkeit um 20 bis 30 Prozent geringer ist als bei nichtteilnehmenden Frauen. Je eher Brustkrebs diagnostiziert wird, desto höher sind die Überlebenschancen.
Zu späte Diagnose erhöht Sterblichkeitsrisiko
„Fortgeschrittener Brustkrebs in den Stadien III und IV macht 8 bis 22 Prozent aller Fälle aus und trägt maßgeblich zu brustkrebsbedingten Todesfällen bei“, so die Autoren einer schwedischen Studie der Abteilung für medizinische Epidemiologie und Biostatistik am Karolinska Institut in Stockholm. Diese Studie untersuchte, ob Frauen, die nicht an der ersten Einladung zum Mammografie-Screening teilnehmen, auch später seltener teilnehmen und ein höheres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken und daran zu sterben. Das renommierte Fachmagazin „The BMJ“ hat die Ergebnisse veröffentlicht.
Schwedisches Mammografie-Screening: Programm seit den 1990ern
In Schweden gibt es das Mammografie-Screening seit Anfang der 1990er Jahre. Dort wurden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeladen, seit 2005 ab 40 Jahren und seit 2013 bis zu einem Alter von 74. Dabei bekommen die jüngeren Frauen alle 1,5 Jahre eine Einladung und die Frauen ab 50 alle zwei Jahre.
Nur zwei Drittel folgten in Schweden der ersten Mammografie Einladung
Die Wissenschaftler werteten für ihre Kohortenstudie Daten von Frauen aus dem Landkreis Stockholm aus, die in den Jahren 1991 bis 2020 (mit einer Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren) zum ersten Mal zum Screening eingeladen wurden. Diese Daten verknüpften sie mit dem schwedischen Krebsregister.
Von 432.775 erstmalig eingeladenen Frauen nahmen 294.015 Frauen an der Mammografie teil. Das bedeutet, knapp ein Drittel von ihnen hat nicht auf die Einladung reagiert. Im Zeitrahmen von zehn fortlaufenden Einladungen nahmen die Erstteilnehmerinnen im Durchschnitt 8,74-mal teil und die Nichtteilnehmerinnen nur durchschnittlich 4,77-mal.
Mehr Todesfälle bei Nichtteilnahme am ersten Screening
Die Brustkrebsinzidenz im Beobachtungszeitraum von 25 Jahren war bei beiden Gruppen ähnlich (7,8 versus 7,6 %). Allerdings war bei den Nichtteilnehmerinnen der Krebs deutlich häufiger in einem fortgeschritteneren Stadium als er erkannt wurde. Bei ihnen betrug die kumulative 25-Jahres-Sterblichkeit 9,9 von 1.000, während es bei den Teilnehmerinnen am ersten Screening nur 7,0 von 1.000 waren.
Erste Mammografie prägt langfristiges Teilnahmeverhalten
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Auslassen der ersten Mammografie nicht nur eine einmalige Entscheidung ist, sondern den Anfang eines langfristigen Musters markiert“, so Ziyan Ma, Erstautorin und Doktorandin am Institut für Medizinische Epidemiologie und Biostatistik des Karolinska-Instituts. Mit dem Ergebnis, dass diese Frauen ein größeres Risiko haben, dass bei ihnen Brustkrebs zu spät erkannt wird und dadurch die Sterblichkeit erhöht sein könnte. Deshalb sind gezielte Interventionen notwendig, um die regelmäßige Teilnahme am Früherkennungsprogramm zu steigern, schlussfolgern die Autoren.
Brustkrebs in Zahlen
Brustkrebserkrankungen weltweit 2022: 2,3 Millionen Frauen
Brustkrebstote weltweit 2022: ca. 670.000 Frauen
Brustkrebserkrankungen Deutschland 2022: 74.500 Frauen
Brustkrebstote Deutschland 2022: 18.500
Einladungen zum Brustkrebs-Screening Deutschland 2022: 5.692.942 Frauen (ca. 93 % der Berechtigten)
Teilnahme am Brustkrebs-Screening 2022: 2.845.747 (50,5 %)
Jahresbericht Evaluation 2022 – Deutsches Mammographie-Screening-Programm