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Gynäkologie

Frauen, die regelmäßig am Mammographie-Screening teilnehmen, haben ein um 20 bis 30 Prozent geringeres Risiko, innerhalb der darauf folgenden zehn Jahre an Brustkrebs zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie, koordiniert vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und unter der federführenden Leitung der Universität Münster. „Die Studienergebnisse sind eine sehr gute Nachricht für alle Frauen in Deutschland, die eine Einladung zum Mammographie-Screening erhalten“, kommentierte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bei der Präsentation der Studie in Berlin. „Die Frauen können darauf vertrauen, dass eine Teilnahme nachweislich von Nutzen ist – sie ermöglicht Früherkennung und erhöht die Heilungschancen.“

Mammographie-Screening: Sicherheit mit hohen Standards

Häufige Vorbehalte gegenüber dem Screening betreffen die Sorge vor Strahlen. Könnten diese nicht gerade erst Krebs auslösen? Tatsächlich arbeitet die Mammographie mit Röntgenstrahlen in sehr geringer Dosis. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) ist das zusätzliche Krebsrisiko durch diese minimal und wird durch den hohen Nutzen der Früherkennung weit übertroffen.

Ausweitung des Mammographie-Screenings zugunsten von 2,5 Millionen Frauen

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Frühzeitig erkannt ist sie meist heilbar. Im Jahr 2022 erkrankten rund 74.500 neu, jedes Jahr sterben etwa 18.500 an der Erkrankung. Das Programm wurde 2004 zunächst für Frauen von 50 bis 69 Jahren etabliert. Seit Juli 2024 sind Frauen bis 75 Jahre einbezogen, was den Kreis der Anspruchsberechtigten um etwa 2,5 Millionen erweitert hat. Alle zwei Jahre erhalten die Frauen eine Einladung zur freiwilligen Teilnahme. Rund die Hälfte nimmt das Angebot wahr. Das Screening-Programm richtet sich an symptomfreie Frauen, nicht an Patientinnen mit Beschwerden oder einer bereits bekannten Brustkrebserkrankung.

Beim Screening handelt es sich um Röntgenuntersuchungen an gesunden Menschen. Diese sind in Deutschland nur mit ministerieller Zulassung erlaubt. Voraussetzung ist ein klarer Nutzen, der das Strahlenrisiko überwiegt. Für die Bewertung ist seit 2018 das BfS zuständig. Die seit Juli vorliegende Studie nutzte verschiedene methodische Ansätze, um die komplexen technischen, organisatorischen und rechtlichen Herausforderungen in Deutschland zu bewältigen und Verzerrungen der Ergebnisse möglichst auszuschließen.

Nun belegen kassenbasierte Daten aus dem gesamten Bundesgebiet sowie bevölkerungsbasierte Daten aus Nordrhein-Westfalen den großen Schutzeffekt. Dabei wurden die proklamierten 20 bis 30 Prozent laut BfS sogar konservativ geschätzt, die Wirksamkeit also eher unter- als überschätzt. Das Ergebnis liegt damit auf Linie mit internationalen Studien, die zuvor gezeigt hatten, dass etwa ein Viertel der Todesfälle durch Screening verhindert werden kann. „Das Programm bietet Frauen die Sicherheit, dass jede Untersuchung nach festen Qualitätsstandards erfolgt – von der Einladung über die Erstellung und Begutachtung der Röntgenbilder bis zur Befundmitteilung“, betonte Dr. Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz. „Die hohen Anforderungen an die Qualität dienen auch dem Strahlenschutz der Teilnehmerinnen: Sie gewährleisten, dass die Frauen so wenig Strahlung wie möglich ausgesetzt werden.“ 

Lückenlose Versorgung mit Mammographie-Screening

Mit rund 14 Millionen anspruchsberechtigten Frauen gilt das deutsche Mammographie-Screening als weltweit größtes, zentral organisiertes Brustkrebs-Früherkennungsprogramm. Jede Aufnahme wird von zwei erfahrenen Radiologinnen oder Radiologen unabhängig begutachtet. Auffälligkeiten werden standardisiert abgeklärt und bei Bedarf direkt in weiterführende Diagnostik übergeleitet. Bei Bedarf gibt es einen Therapieplan und eine lückenlose Versorgungskette.