Blasen- und Darmstörung bei Kindern: Darmmanagement hilft
Dr. Dagmar van ThielKindern mit kombinierter Blasen- und Darmfunktionsstörung, die auch über Tag an Inkontinenz leiden, hilft ein alleiniges Darmmanagement, ohne dass eine standardisierte Urotherapie vorausgehen muss.
BBD: Symptome und mögliche Komplikationen
An einer kombinierten Blasen- und Darmfunktionsstörung (Bladder and Bowel Dysfunction, BBD) leiden bis zu 20 Prozent der siebenjährigen Kinder und sie gibt Anlass zu etwa 40 Prozent der Überweisungen in die Kinderurologie. Das Krankheitsbild zeichnet sich durch das gleichzeitige Auftreten von funktioneller Obstipation und Symptomen der unteren Harnwege aus, darunter Harndrang, veränderte Miktionshäufigkeit, nächtliche Enuresis und Inkontinenz während des Tages.
Die BBD birgt Risiken für ernsthafte Komplikationen wie Infektionen der oberen Harnwege, Nierenfibrose, chronische Nierenerkrankungen und Hypertonie.
Behandlungskonzepte: Stuhlmanagement und Urotherapie
Die derzeit etablierten Behandlungsstrategien umfassen ein schrittweises, kombiniertes Vorgehen, wobei in der Regel das Darmmanagement Vorrang vor Maßnahmen zur Kontrolle der Symptome des unteren Harntrakts hat, wie ein Team dänischer Wissenschaftler im Rahmen einer aktuellen Studie berichtete.
Ziele des Stuhlmanagement sind Aufklärung der Betroffenen, Beseitigung der Obstipation und Erhaltungstherapie sowie regelmäßige Toilettengänge nach den Mahlzeiten.
Zur Behandlung der Symptomatik des unteren Harntrakts dient die Standard-Urotherapie. Wichtig ist: planmäßiges Wasserlassen alle zwei bis drei Stunden, Vermeiden, den Urin zurückzuhalten, eine optimale Körperhaltung sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Dieses stufenweise therapeutische Vorgehen werde allerdings nicht durch überzeugende Evidenz gestützt, erklärten die dänischen Forscher.
Monotherapie im Vergleich zur Kombination
Deshalb haben sie unter der Leitung von Dr. Sofie Axelgaard vom Department of Clinical Medicine, Aarhus University, Dänemark, eine klinische Studie angesetzt, um zu untersuchen, ob die tagsüber auftretende Inkontinenz bei Kindern mit BBD auf eine Kombination von Standard-Urotherapie plus Darmmanagement besser anspricht als auf ein alleiniges Darmmanagement.
In diese multizentrische, offene, randomisierte klinische Parallelgruppenstudie wurden 94 Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren mit bisher unbehandelter Blasen- und Darmfunktionsstörung einbezogen. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt, von denen die eine ein alleiniges Darmmanagement (Monotherapie) erhielt, die andere eine Kombination aus Darmmanagement und standardisierter Urotherapie (Kombinationstherapie).
Weniger nasse Tage nach zwölf Wochen
Als primärer Endpunkt dienten die „nassen Tage“ pro Woche, erfasst mittels Blasentagebuch. Sie wurden dargestellt als 1. Risiko eines nassen Tages, 2. erwartete Anzahl nasser Tage pro Woche sowie 3. Ansprechraten. Letztere teilten die Forscher ein in: kein Ansprechen (< 50 %), teilweises (50 bis 99 %) oder vollständiges Ansprechen (100 %).
Zu Studienbeginn lag das tägliche Risiko eines nassen Tages bei 0,75 (95-%-Konfidenzintervall [0,70; 0,80]). Nach zwölf Wochen verringerte es sich auf 0,54 [0,44; 0,65] unter dem alleinigen Darmmanagement und auf 0,55 [0,45; 0,66] unter der Kombinationstherapie. Bei Kindern, bei denen die Verstopfung behoben werden konnte, waren die Reduzierungen größer.
Stuhlmanagement als wirksame Erstbehandlung
Die Untersucher zogen aus den Ergebnissen das Fazit, dass das Stuhlmanagement allein eine wirksame Erstlinientherapie bei Tages-Harninkontinenz bei Kindern mit Blasen- und Darmfunktionsstörungen darstellt und dass die Einbeziehung der Urotherapie zu Beginn der Behandlung keinen zusätzlichen Nutzen bringt.
Wenn die Erstmaßnahmen ...
… bei BBD nicht greifen, wird eine spezielle Urotherapie empfohlen, mit Beckenbodentraining, Biofeedback, Neuromodulation, intermittierender Katheterisierung sowie eventuell einer Pharmakotherapie.