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Urologie

Chirurgische Eingriffe an der Prostata, insbesondere die radikale Prostatektomie, sind die häufigsten Ursachen für eine Harninkontinenz bei Männern. Wie aus Informationen der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) hervorgeht, werden trotz fortschrittlicher, schonender Operationstechniken nach vollständiger Entfernung der Prostata Inkontinenzraten von 2 bis 43 Prozent beobachtet.

Als Ursachen für die Post-Prostatektomie-Inkontinenz kommen operationsbedingte Funktionseinbußen des externen urethralen Sphinkters infrage, ebenso wie Beckenbodenschwäche, Detrusorhyperaktivität, verminderte Blasenkapazität, neurovaskuläre Schäden oder eine Kombination dieser Faktoren. 

Die Funktionen verbessern sich in der Regel spontan, dennoch leiden ein Jahr postoperativ noch 2 bis 23 Prozent der Patienten an Inkontinenz. Bei 1 bis 15 Prozent der betroffenen Männer bleibt dauerhaft eine therapiebedürftige Harninkontinenz bestehen. 

Behandlung bei anhaltender Inkontinenz nach Prostata-OP

Zur Behandlung der postoperativen Inkontinenz bieten sich zunächst konservative Möglichkeiten wie Anti-Inkontinenz-Trainings oder medikamentöse Therapien an. Wenn konservative Therapien nicht innerhalb eines Jahres greifen, können invasive Verfahren zum Erfolg führen. Dazu gehören Unterspritzung der Harnröhrenwand, Harnröhrenbänder zur Verhinderung des Absinkens der Harnröhre, Harnröhrenballon zur Einengung der Harnröhre oder Schließmuskelprothesen. 

Laut Informationen des KontinenzZentrums Hirslanden, Zürich/Schweiz, lässt sich mithilfe eines regelmäßigen, intensiven Beckenbodentrainings, das fachtherapeutisch begleitet wird und bereits kurze Zeit nach dem operativen Eingriff angesetzt werden kann, beim Gros der Fälle nach einigen Wochen oder Monaten eine Kontinenz erzielen. Das Beckenbodentraining kann durch medikamentöse Behandlung, Biofeedbackverfahren und Elektrostimulation unterstützt werden.

Individuelles Reha-Programm gegen Inkontinenz nach Prostatektomie

Über die günstigen Effekte des individuell abgestimmten, multimodalen Rehabilitationsprogramms bei anhaltender Inkontinenz nach Prostataoperation oder Bestrahlung berichtete Prof. André Reitz vom KontinenzZentrum Hirslanden beim 77. Kongress der DGU. Im Rahmen einer Studie wurden in den Jahren 2012 bis 2023 insgesamt 664 Männer mit Post-Prostatektomie-Inkontinenz in ein 24-wöchiges Reha-Programm aufgenommen. Die therapeutischen Maßnahmen basierten auf Trink- und Entleerungsprotokollen, spezialisierten video-urodynamischen Untersuchungen und Biofeedback-gestützten Analysen der Sphinktermuskulatur. Der Verlauf der Ergebnisse wurde anhand von Bewertungen nach 8 und 16 Wochen sowie abschließend nach 24 Wochen dokumentiert. 

Über die Hälfte der Männer erreichen Kontinenz 

Von den 602 Patienten, die das Programm abschlossen (91 %), erreichten 314 (52 %) eine signifikante Verbesserung der Kontinenz. Bei 284 Patienten (48 %) fanden sich urodynamisch detrusorbedingte Störungen, die durch kombinierte Pharmakotherapie und Verhaltensanpassungen behandelt wurden. 156 Patienten (26 %) mit persistierender Inkontinenz benötigten eine prothetische Versorgung. 

Reitz zog das Fazit: Das individualisierte, multimodale Reha-Programm verbesserte bei Männern mit Post-Prostatektomie-Inkontinenz signifikant die Kontinenz und die Lebensqualität.    

Nach Prostatektomie ...

… tritt Blasenschwäche am häufigsten als Belastungsinkontinenz auf. Dagegen kommt Harninkontinenz bei Männern ohne vorhergehende Operation am häufigsten als Dranginkontinenz vor.

Quellen:

DGU: www.urologenportal.de

Vortrag beim 77. DGU-Kongress in Hamburg, am 18. September 2025