Impfaufklärung: Mit Fakten gegen Falschinformationen
Dr. Dagmar van ThielDas Robert Koch-Institut richtet seine Aufmerksamkeit verstärkt auf den ansteigenden Trend zur Verbreitung medizinischer Mythen und gibt Ärzten für das Patientengespräch einen Leitfaden an die Hand.
Auf seiner Onlineplattform schreibt das Robert Koch-Institut (RKI): „Falschinformationen gab es schon immer. Doch gerade heutzutage – in Zeiten des Internets und der schnellen Informationsweitergabe – ist es schwer diese einzufangen, wenn sie erst einmal in der Welt sind.“ Besonders zum Thema Impfen würden zahlreiche falsche und irreführende Meldungen in Umlauf gebracht. Dadurch könnten Menschen, die die Impfempfehlungen ohnehin skeptisch betrachten oder unentschlossen sind, ob sie sich oder ihre Kinder impfen lassen sollen, weiter in ein Dilemma geraten.
Unseriöse Studien verstärken Impfskepsis
Dazu tragen auch bedenkliche Berichte aus den USA bei, die in Europa aufgegriffen werden, die aber auf Studien beruhen, die wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten. Zu nennen sind inzwischen widerlegte Studien, die angebliche Zusammenhänge zwischen Impfungen und Allergien oder Autismus nachweisen wollten. In jüngster Vergangenheit machten Meldungen über eine US-amerikanische Studie die Runde, wonach Kinder nach Impfungen ein mehrfach erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen haben sollen. Gutachter bewerteten die Ergebnisse der Studie als wissenschaftlich unhaltbar.
RKI setzt auf Aufklärung und faktenbasierte Kommunikation
Um dem Problem von falschen und irreführenden Informationen zu begegnen, setzt das RKI verstärkt auf die Aufklärung der Patienten. Dabei spiele das medizinische Personal eine wichtige Rolle, das mit verunsicherten Patienten über Impfungen ins Gespräch kommen und ihre Fragen beantworten könne.
Fundierte Impfaufklärung
Um die Ärzte in der Impfpraxis zu unterstützen, hat das RKI unter der Rubrik „Impfmythen: Falschinformationen wirksam aufklären“ sogenannte Faktensandwiches entwickelt, in denen häufige Falschinformationen zu Impfungen dargelegt und aufgearbeitet werden. Dabei wird zunächst der Fakt genannt, dann die Falschinformation aufgeführt und anschließend erklärt, woher die Falschinformation kommt und wieso es sich um eine Falschinformation handelt. Abschließend wird der Fakt wiederholt. So bleiben die positiven Aussagen zu Beginn und am Ende des Gesprächs im Gedächtnis haften und die Nachricht in der Mitte wird durch den positiven Rahmen besser verarbeitet.
Beispiel: Allergien
Als Beispiel folgt hier auszugsweise das Faktensandwich zum Thema „Impfungen und Allergien“:
Fakt: Impfungen erhöhen nicht das Risiko für Allergien.
Ein möglicher Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien wurde vielfach wissenschaftlich untersucht.
Mythos: Impfungen fördern Allergien.
Viele Studien haben mögliche Ursachen für die Entstehung von Allergien untersucht. Insbesondere in den methodisch zuverlässigen Untersuchungen konnte ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien nicht bestätigt werden. Es gibt sogar Hinweise, dass Impfungen vorübergehend vor neuen Allergien schützen könnten. Für das vermehrte Auftreten von Allergien in den vergangenen Jahrzehnten werden verschiedene Erklärungen diskutiert. Die verbreitetste Theorie ist die Hygienehypothese – ein stärkeres alltägliches Bewusstsein für Hygiene und Sauberkeit, das zu weniger Kontakten mit Krankheitserregern führt.
Fakt ist: Impfungen fördern keine Allergien.
Für das vermehrte Auftreten von Allergien gibt es verschiedene Hypothesen, aber Impfungen können als Ursache für Allergien ausgeschlossen werden.
Faktengestützte Kommunikation stärkt Vertrauen in Impfungen
Falsche Informationen können gravierende Folgen für die öffentliche Gesundheit haben.Ein evidenzbasiertes, sachliches Gespräch zwischen Arzt und Patient hilft, Mythen zu entkräften und Vertrauen in Impfungen zu stärken.
Quelle:u.a. www.rki.de