Euro

Der digitale Euro bedroht Banken und Bürger

Der Druck auf staatliche Institutionen und Notenbanken nimmt zu, eigenes digitales Geld auf den Weg zu bringen. Dazu trägt nicht zuletzt der Erfolg von Kryptowährungen wie Bitcoin bei. Diskutiert wird sogar die Abschaffung des Bargeldes. Der Traum kontrollfreudiger Staatenlenker und zugleich der Albtraum freiheitsliebender Bürger, meint unser Gastautor Wolfgang Köbler*.

Die Notwendigkeit zu handeln haben die Notenbanken auf der ganzen Welt längst erkannt. Zu groß ist die Gefahr, dass die zunehmende Nutzung privatwirtschaftlicher Zahlungsmittel das Vertrauen in und die Kontrolle über die eigene Währung untergräbt. Die chinesische Notenbank testet bereits in einigen Städten die eigene digitale Währung DCEP (Chinese digital currency electronic payment) und ist dabei, Kryptowährungen zu verbieten. In Europa arbeitet die EZB bereits seit 2020 an einer eigenen digitalen Eurowährung, die angeblich 2024 an den Start gehen könnte.

Welche Gefahren birgt digitale Währung?

Doch solch eine digitale Währung birgt vielfältige Gefahren, vor allem mit Blick auf den Schutz von Daten und Privatsphäre. Die größten Risiken sind:

1. Die Notenbank könnte eine Obergrenze für Zahlungen und den Besitz festlegen. Damit wäre das Konsumverhalten der Bürger beeinflussbar.

2. Die eigentliche Aufgabe der Banken, die Bürger mit Geld zu versorgen, würde unterlaufen. Die Banken verlören Einlagen und würden destabilisiert, weil der digitale Euro direkt über ein elektronisches Medium bei der Zentralbank verbucht würde. Die Notenbank übernähme nach und nach die Aufgabe der Geschäftsbanken.

3. Der Bürger würde durch sein Zahlungsverhalten für staatliche Stellen transparent, weil diese Zugang zu sensiblen Transaktionsdaten erhalten.

4. Die Abwicklung von grenzüberschreitenden Zahlungen würde zwar effizienter werden. Die Banken und Zahlungsabwickler mit ihren Systemen jedoch verlören dieses Geschäftsfeld komplett und damit eine weitere Einnahmequelle.

5. Bargeld ist im Gegensatz zum Giralgeld (Geld der Geschäftsbanken) unverzinst. Ein digitaler Euro wäre demnach auch unverzinst. Die Notenbanken hätten die Möglichkeit, Minuszinsen bei einem digitalen Euro einfach durchzusetzen und könnten damit ihre geldpolitischen Interessen viel einfacher verfolgen als bisher.

Digitales Geld für effizientere Zahlungsabwicklung

Zweifelsohne ist digitales Geld eine Grundlage für weiteren Fortschritt. Die Gewinne liegen in der weiteren Automatisierung, der effizienteren Zahlungsabwicklung und der Programmierbarkeit. Wenn zukünftig immer mehr digital im Handel abgewickelt wird, werden immer mehr Daten des Zahlungsverkehrs beim Staat und den E-Commerce-Anbietern gespeichert. Die grundsätzliche Funktion der anonymen Austauschbarkeit einer Währung kann dadurch ausgehebelt werden. Ein digitaler Euro darf das Bargeld und die damit gewonnene Freiheit eines jeden einzelnen nicht gefährden und nur eine Ergänzung zum bisherigen Zahlungssystem darstellen. Frei zirkulierendes Geld ist ein Garant für eine freiheitliche Gesellschaft und eine transparente Wirtschaftsordnung.

Wolfgang Koebler, Vorstand, KSW Vermögensverwaltung AG, NürnbergDer Autor: Wolfgang Köbler ist Vorstand der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg.

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