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“Die Performance von Value-Investments wird oft überschätzt”

von A&W Online

gestresste Frau vor Tafel mit sinkendem Aktienkurs
Foto: denisismagilov - stock.adobe.com

Im Januar erlebten die Börsen einen Jahrhundert-Sturz und bescherten Anlegern nach wie vor schlaflose Nächte. Warum es vorwiegend Technologie-Aktien schwer erwischt hat und wie man gegensteuern kann, erklärt Daniel Kolb vom Heidelberger Vermögensmanagement im Interview.

Herr Kolb, die Inflationsraten in den USA und Europa halten sich auf hohen Niveaus. Die Notenbanken wollen mit Zinserhöhungen gegensteuern. Beides wird als Grund genannt, warum vor allem Technologie-Aktien ordentlich Federn lassen mussten. Zu Recht?

Daniel Kolb: Das mag zu Teilen so sein. Wichtiger erscheint mir aber die sehr hohe Bewertung der zweiten und dritten Aktienreihe. Dort entweicht schon seit Monaten gehörig die Luft, weil sich spekulatives Kapital zurückzieht. Die Big Player im Tech-Bereich sind erst im Januar unter Druck gekommen, dies aber deutlich sanfter. Nach einem Anstieg des Nasdaq 100-Index um 135 Prozent seit März 2020 verwundert dieser Rückgang aber nicht wirklich.

Wir stehen also nicht vor dem Ende des Tech-Booms?

Das halte ich für unwahrscheinlich. Technologie ist in diesen Zeiten für Unternehmen einfach unverzichtbar, um ihre Produktivität zu steigern und so die Margen zu halten oder zu steigern. Das wird weiterhin so bleiben, gerade in Zeiten der Inflation. Denn Technologie wirkt durch die Senkung der Kosten deflationär und fungiert so als Gegengewicht zu diesen Tendenzen. Das sollte die Gewinne von Big Tech und deren Aktienkurse langfristig stützen.

Vielerorts hört und liest man, dass nun die Zeit für Value, sprich für niedrig bewertete Aktien, gekommen sei und dass für Growth-Titel, wozu Technologie-Aktien gehören, eine schwere Zeit anbreche…

Wissen Sie, zu solchen Prognosen ist es in den vergangenen Jahren immer wieder gekommen. Sicher ist es sinnvoll, weit zu streuen und sich nicht nur auf bestimmte Aktiensegmente oder Regionen zu beschränken. Das bedeutet natürlich auch, neben Growth-Aktien auf sinnvolle Value-Titel zu setzen. Aber es geht nicht um einen kompletten Wechsel des Investmentstils.

Haben sich die Prognosen für Value in der Vergangenheit nicht erfüllt?

Es gab seit der Finanzkrise 2008 bislang zehn Phasen, in denen jeweils Value- und dann wieder Growth-Titel stärker waren. Das Ergebnis: Bei der Value-Outperformance legten diese Titel neun Prozentpunkte mehr zu als die Wachstumsaktien. In der gegenteiligen Phase schnitten die Growth-Aktien um 16 Prozentpunkte stärker ab als niedrig bewertete Aktien. Längerfristig war es folglich besser, den Schwerpunkt eher auf Growth-Titel zu legen.

Wer auf große Technologie-Unternehmen setzen will, denkt zuerst an den Nasdaq 100-Index. Doch dort bringt es allein die Apple-Aktie auf fast 16 Prozent, Microsoft auf 13 Prozent und Amazon auf neun Prozent. Drei Titel zusammen machen also 35 Prozent der Börsenkapitalisierung aus. Von einer vernünftigen Streuung ist das weit entfernt. Was wären Alternativen?

Der Klassiker wäre es, solche Titel über den Kauf der Einzelaktien so zu gewichten, wie es für den Anleger sinnvoll wäre. Dafür braucht es jedoch ein Hintergrundwissen, das die meisten Privatanleger nicht haben. Hier könnte ein Vermögensprofi wertvolle Dienste leisten.

Und wenn das Depot des Anlegers noch zu klein ist, um sich einen solchen Profi leisten zu können?

Dann könnte ein ETF auf einen gleichgewichteten Index helfen. Dabei wird das Geld der Anleger gleichmäßig auf die Titel im Index verteilt, sodass die Apple-Aktie nicht 16 Prozent, sondern einen deutlich geringeren Anteil hat. Auf die Nasdaq 100 gibt es meines Wissens keinen solchen gleich gewichteten ETF, aber auf den S&P 500. Auch in diesem Index sind die Tech-Titel stark repräsentiert.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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