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Würden Sie für Ihre Rente in ein Unternehmen investieren, dass Milliardenverluste macht, aber angeblich dank wagen Zukunftshoffnungen ähnlich viel wert sein soll wie alle DAX-Mitglieder zusammen? Sagen Sie besser niemals nie, denn eventuell haben Sie schon Aktien von genau so einem Unternehmen in Ihrem ETF-Depot: SpaceX.

„Das Börsendebüt von SpaceX liegt im Grenzbereich zwischen Raumfahrt, Satelliteninternet und Tech-Euphorie“, erklärt Petra Ahrens, Vorständin und Inhaberin der MAIESTAS Vermögensmanagement AG aus Köln. „Mit einer Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar und einem Nettoverlust im vergangenen Jahr von 4,9 Milliarden US-Dollar kauft man keine realistischen Zahlen, sondern wettet vor allem auf die Vision von Elon Musk, aus Starlink, Starship und möglicherweise KI eine Plattform für das nächste große Infrastruktur-Ökosystem im All zu bauen.“

Automatisch Hypewert im Depot

Auch die ersten Kurse sorgten für kein Abflauen der Euphorie. Ganz im Gegenteil, SpaceX übersprang locker die Marke von zwei Billionen Dollar. Zwar ging es in den ersten Tagen mit dem Kurs nach unten, dennoch gilt: An so einem großen Börsenwert kommen logischerweise auch viele börsengehandelten Indexfonds (ETFs) nicht vorbei, die US-Werte enthalten. Denn die zugrundeliegenden Börsenbarometer werden oft nach Marktkapitalisierung zusammengestellt. Also vereinfacht gesagt finden sich auch im deutschen Leitindex DAX einfach die 40 Unternehmen, deren Kurswert mal Aktienanzahl am größten ist. Bildet ein ETF sowas nach, kauft er also diese Werte, in der Regel entsprechend gewichtet.

So werden nach und nach viele Anleger mehr oder weniger direkt auch Anteile der nächsten großen Elon Musk-Zukunftswette im Depot haben. Denn SpaceX kam auf Anhieb in die Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt. Damit ist die Aufnahme in ETF-Klassiker, die zum Beispiel auf dem MSCI World oder FTSE All-World basieren, entweder schon erfolgt oder nur noch eine Frage der Zeit. In Amerika sorgte vor allem die Gewichtung im NASDAQ 100 für Diskussionen, denn ETFs auf die großen US-Techwerte finden sich in vielen Pensionsdepots. Durch erst kürzlich beschlossene Regelungen wird die Aufnahme in diesen Index schon nach wenigen Tagen vollzogen und die Gewichtung wird im Verhältnis zu den frei handelbaren Aktien relativ hoch sein. Aber ist das wirklich ein großes Problem?

Megabörsengang erst der Anfang

Kurz gesagt, es gibt keinen Grund zur Panik: „Die Gewichtung von SpaceX wird unter dem Strich erstmal in den meisten Fällen relativ gering sein“, erklärt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG aus Nürnberg. Selbst im NASDAQ 100 wird SpaceX anfangs nur im Bereich um ein Prozent die Wertentwicklung bestimmen. Im MSCI World und FTSE All-World liegt die Bedeutung sogar nur im Promillebereich. Andererseits stehen in nächster Zeit wohl noch mehr Börsengänge mit großen Vorschusslorbeer-Bewertungen an, wie etwa von den KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic. „Ich bin mir sicher, dass derartige gehypte Bewertungen, hohe Investitionen und auch damit verbundene hohe Schulden uns irgendwann um die Ohren fliegen werden“, warnt MAIESTAS-Börsenexpertin Petra Ahrens. Trotzdem sei das für den typischen ETF-Anleger auf lange Sicht kein grundsätzliches Problem. Wer regelmäßig spart, müsse sich um Korrekturen und Crashs eher keine Sorgen machen: „Langfristig betrachtet wird sich das auszahlen.“

ETF-Zusammensetzung prüfen

Ältere Semester fühlen sich aber wahrscheinlich an die Stimmung am Ende des letzten Jahrtausends erinnert, bevor im März 2000 die Dotcom-Blase platzte. Hier reichten oft – zumindest in der Rückschau – krude Zukunftshoffnungen, um hohe Börsenbewertungen zu rechtfertigen. Und ohne Frage gilt auch heute, dass Einzelinvestments in so enorm gehypte Unternehmen wie SpaceX mit hohen Schwankungsrisiken versehen sein können. Das heißt nicht, dass es sinnvoll wäre, Megatrends und Zukunftsvision gar nicht zu berücksichtigen. „Bisher wurde die Kursentwicklung gerade bei den großen US-Techwerten auch von einer dazu passenden Gewinnentwicklung getragen“, erklärt KSW-Expertin Stefanie Dyballa,die Bewertungen sind zwar hoch, aber haben durchaus eine fundamentale Basis.“ Das spricht gegen die Analogie mit der Dotcom-Blase.

Trotzdem könnte es sehr empfehlenswert sein, breit diversifiziert vorzugehen. „Die Zukunft gehört der Technologie und der KI, auch der Raumfahrt, der Rüstung und der Energiegewinnung“, meint MAIESTAS-Anlagefachfrau Petra Ahrens. „Vergessen wir aber bitte nicht, was wir auch sonst noch zum Leben benötigen: Essen, Trinken, Hygiene, etc.“ In einem wirklich breit aufgestellten Portfolio sollten vielleicht gerade diese momentan fast langweilig erscheinenden Aktienwerte einen Platz haben.

Denn sie könnten Stabilität bieten, wenn dann doch mal die eine oder andere Zukunftstraumblase platzen sollte. Das kann mit ETFs gelöst werden, aber Anleger sollten genau hinschauen, was sie sich ins Depot holen. Denn gar nicht so selten ist auch hier die Tech-Branche überrepräsentiert oder der Fokus liegt auf dem US-Aktienmarkt. Um Klumpenrisiken zu vermeiden, könnte es für viele sinnvoll sein, sich bewusst breiter aufzustellen. Das gilt nicht erst seit dem SpaceX-Börsengang, aber er ist vielleicht eine gute Erinnerung, dass es nötig sein könnte.

Laien- vs. Profi-ETF-Vergleich

Bei der Auswahl von ETFs achten Profis auf deutlich mehr Faktoren. Während der Normalanleger eher die Kostenquote oder allgemeine Beliebtheit recherchiert, analysieren die Fachleute den Abstand zur tatsächlichen Entwicklung des Index und wie die Abbildung technisch und kosteneffizient umgesetzt wird. Wichtig ist zudem die Gesamtzusammensetzung. So muss sich zum Beispiel ein weltweit anlegender ETF auf den MSCI World richtig ins Gesamtportfolio einfügen. Denn wer genauer hinsieht, wird feststellen, dass zehn technologielastige Aktien den Wert zu rund einem Viertel dominieren, obwohl insgesamt rund 1400 Titel enthalten sind. Auch der US-Anteil von rund 70 Prozent passt nicht zu jeder Strategie.

Standard Internetrecherche

Professionelle Analyse

TER (Kostenquote)

Tracking Difference

Beliebtheit / Volumen

Replikationsmethode

Top-Rankings auf Finanzportalen

Liquidität des ETFs

Vergleich einzelner Kennzahlen

Analyse des Gesamtportfolios

 

Bid-Ask-Spread (Handelskosten)

 

Fondsvolumen und Wachstum

 

Qualität des Indexanbieters

 

Steuerstruktur des ETFs

 

Portfolio-Korrelation zu bestehenden Anlagen

Quelle:

Portfolio Concept Management GmbH

Interview: „SpaceX eignet sich nicht für die Altersvorsorge“

Grundsätzlich sollten Technologiewerte Teil einer breit aufgestellten Anlagestrategie für den Ruhestand sein, etwa als Bestandteil von ETFs. Aber auch hier gilt es, auf die Zusammensetzung zu achten, sagt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG aus Nürnberg.

Ist der beim Börsengang aufgerufene Wert von SpaceX realistisch?

Stefanie Dyballa: Das liegt im Auge des Betrachters, aber im Vergleich zu anderen Unternehmen ist SpaceX schon sehr teuer. Es wurde zum Start in etwa das 94-fache des Umsatzes als Bewertung aufgerufen. Zum Vergleich: Bei der von visionären Ideen beflügelten Tesla-Aktie liegen wir momentan im Bereich des 16-fachen. Anleger kaufen mit SpaceX im Prinzip die Idee von Elon Musk, mit dem Thema KI und Raumfahrt spektakuläre Durchbrüche zu erreichen. Sollte das alles so kommen und SpaceX wirklich in absehbarer Zeit Rechenzentren im All betreiben oder sogar die Besiedelung des Mars vorantreiben, könnte das in Zukunft den heute sehr hohen Preis rechtfertigen. Es gibt aber durchaus auch viele Experten, die an der Umsetzbarkeit so mancher Musk-Vision zweifeln. Wer letztendlich Recht behält, werden die nächsten Jahre zeigen.

Würden Sie so eine Zukunftswette für den Aufbau einer Altersvorsorge empfehlen?

Stefanie Dyballa: Ganz klar: Nein. Früher oder später wird die SpaceX-Aktie aber sowieso als Bestandteil bekannter Indices in viele ETFs wandern. Die Gewichtung ist für einen langfristigen Investor jedoch eher unproblematisch. Im NASDAQ liegen wir hier zumindest anfangs im Einprozentbereich und noch deutlich geringer im MSCI World. Grundsätzlich sollten Zukunftstechnologien durchaus Teil einer breit aufgestellten Altersvorsorgestrategie sein. Konzentriert auf SpaceX als Einzelwert zu setzen, würde ich jedoch ganz sicher nicht empfehlen.

In Amerika rutscht SpaceX relativ schnell in so manches US-Pensionsdepot und weitere fantasiestarke Titel wie OpenAI oder Anthropic könnten folgen. Ist das ein Problem?

Stefanie Dyballa: Aufgrund der geringen Gewichtung ist das bei SpaceX erstmal eher unproblematisch und auch ein paar weitere Börsengänge werden das nicht grundsätzlich verändern. Aber es stimmt schon, dass die Sorgen an den Märkten wachsen, dass wir uns in einer ähnlichen Situation befinden wie in der Dotcom-Euphorie. Bisher liefen allerdings die Gewinnsteigerungen bei Unternehmen wie Nvidia, Amazon oder Alphabet im Prinzip mit der Kursentwicklung mit. Ob das auch in Zukunft gelingt, sich die enormen Zukunftsinvestitionen wirklich rechnen und alle neuen Kandidaten die Erwartungen erfüllen, bleibt abzuwarten. Rückschläge sind also möglich, aber für langfristig orientierte Anleger ist es aus meiner Sicht auch nicht geboten, aus Technologiewerten komplett auszusteigen. Denn anders als um die Jahrtausendwende sind die Bewertungen noch bei vielen Unternehmen zwar hoch, aber nicht völlig abgehoben.

Was halten Sie generell von den relativ neuen Börsenindexregeln in den USA wie Schnellaufnahmen?

Stefanie Dyballa: Da bin ich ehrlich gesagt eher skeptisch und erinnere an Wirecard. Hier wurden damals die Regeln für eine Aufnahme in den DAX aufgeweicht. Die strikte Trennung zwischen klassischen Branchen und Technologieunternehmen wurde aufgehoben und Wirecard konnte in den DAX aufsteigen. Als Nachfolger von Wirecard ist mit Delivery Hero gar ein Unternehmen in den DAX eingezogen, ohne Gewinne zu erzielen. Nach dem Zusammenbruch des Wirecard-Systems wurden die Regeln schnell wieder verschärft. Aus dieser Erfahrung heraus sehe ich Schnellaufnahmeregeln eher skeptisch und halte es aus der Sicht eines ETF-Anlegers eher für eine schlechte Neuerung.

Verbraucherzentralen empfehlen gerne ETFs als günstige und breit gestreute Anlageform für den langfristigen Vermögensaufbau. Warum sollten Anlegende trotzdem genau hinschauen?

Stefanie Dyballa: Durch die Kapitalmarktgewichtung können Unwuchten entstehen. Wenn etwa im MSCI World der US-Markt mehr als zwei Drittel ausmacht oder Technologiewerte die Wertenwicklung von Emerging Market Indices maßgeblich bestimmen, sollte das in der Gesamtstruktur berücksichtigt werden. Das spricht nicht gegen ein Investment, aber Anleger sollten wissen, dass sie bei einem Produkt mit weltweit im Namen hauptsächlich in US-Aktien oder bei Schwellenländer-ETFs aktuell stark in global vernetzte Chip- und Elektronikwerte investieren, um Klumpenrisiken zu vermeiden.

Wie können Anleger hier gegensteuern?

Stefanie Dyballa: Einerseits gibt es ETFs, die andere Gewichtungen vornehmen und regelmäßig die Zusammensetzung anpassen. Aber auch wenn es zu Recht Kritik an den bekannten Indices gibt, finden sich eben doch im MSCI World und Co. letztlich die erfolgreichsten Unternehmen. Auf lange Sicht schneiden diese Standardprodukte immer noch oft besser ab als die meisten Fonds, die auf handverlesene Einzelwerte setzen. Generell kann es die Wertentwicklung zudem stabilisieren, wenn eine Portfoliostruktur nicht nur auf Aktienwerte setzt, sondern auch Alternativen wie festverzinsliche Wertpapiere oder zum Beispiel Gold nutzt. Insbesondere bei der Altersvorsorge macht es Sinn, das Schwankungsrisiko durch so etwas zu reduzieren, wenn das angelegte Kapital in absehbarer Zeit für einen angenehmen Ruhestand zur Verfügung stehen soll.

Quelle:

VBank

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