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Interview: „Ackerland kommt nach Bitcoin“

von A&W Online

Ackerland
Foto: Dusan Kostic - stock.adobe.com

Grundsätzlich sind landwirtschaftliche Nutzflächen ein sehr guter Inflationsschutz und werden nachhaltig gefragt bleiben. Hans-Heinrich Meller, Vorstand bei der FiNUM.Private Finance AG und aktiver Landwirt mit familieneigenem Hof vor den Toren Kölns, erklärt, warum sich so ein Investment trotzdem nur für die wenigsten eignet.

Sind landwirtschaftliche Nutzflächen eine Investmentklasse für jedermann?

Meller: Es gibt in Deutschland kaum mehr landwirtschaftliche Flächen, die man erwerben kann. Ackerland ist insgesamt sehr rar und wenn mal etwas auf dem Markt ist, läuft der Verkauf in der Regel über Mund-zu-Mund-Propaganda unter Bauern ab. Was es zu kaufen gibt, sind relativ große Flächenverbende vor allem im Osten, aber das ist natürlich aufgrund der Größe für private Investoren eher schwer zu realisieren.

Gibt es hierzulande überhaupt Direktinvestment-Möglichkeiten?

Meller: So etwas hat es früher einmal gegeben, aber derzeit sind mir keine Beteiligungsmodelle in dieser Art in Deutschland bekannt. In Amerika oder Australien gibt es solche Produkte, die für Anleger interessant sein können. Aber hier kommt es natürlich immer auf den ganz konkreten Einzelfall an. Die Risiken und Bedingungen müssen genau geprüft werden. Für den normalen Sparer mit ein paar tausend Euro auf dem Konto, ist das keine wirkliche Option. Um es ganz plakativ zu sagen, für mich kommt Ackerland noch nach Bitcoin.

Aber Ackerland ist doch sicher kein Zockerinvestment?

Meller: Nein, aber um den Wert von landwirtschaftlichen Nutzflächen wirklich bewerten zu können, braucht es Fachwissen. Bodenqualität, Ertragspotenzial, lokale Verpachtungsmöglichkeiten und vieles mehr beeinflussen die konkrete Wertentwicklung. Ohne Frage haben sich Ackerflächen für die Besitzer in den letzten Jahren als absoluter Inflationsschutz bewährt. Aber wir sprechen hier in der Regel über Millioneninvestments oder Erbschaften, die über mehrere Generationen erhalten werden sollen. Das ist keine Anlageklasse, bei der sie einfach mal für 10.000 Euro einstiegen und wenn das Geld gebraucht wird, schnell verkaufen. Bei sehr großen, strategisch breit aufgestellten Vermögen kann Ackerland eine Option sein. Für den normalen Anleger kommt da vieles vorher.

Was sollte beim Vermögensaufbau vorhanden sein, bevor Ackerland ein Thema wird?

Meller: Grundsätzlich macht es zuallererst Sinn, einen flexiblen Vermögensbestand zum Beispiel auf einem Sparkonto aufzubauen. Ist dann Geld übrig, kann langfristiger investiert werden. Zum Beispiel in Fonds, aber auch der Aufbau von Immobilienvermögen ist für viele Deutsche ein probates Anlagemittel. Wenn das alles vorhanden, abbezahlt und die Altersvorsorge geklärt ist, dann kann es eine Idee sein, chancenreiche, aber riskante Anlageformen wie Kryptowährungen beim Anlagemix in kleinen Dosen beizumischen. Wenn darüber hinaus größere Summen zum Beispiel durch eine Erbschaft zur Verfügung stehen, die für Kinder, Enkel und Urenkel erhalten werden sollen, erst dann wäre aus meiner Sicht ein Investmenteinstieg in so etwas wie Ackerland mit sehr langfristiger Perspektive zu erwägen.

Wie lässt sich das dann rentabel realisieren?

Meller: In dieser Liga gibt es Makler, die Flächen anbieten. Topböden in vorzüglichen Lagen können dann über Pachteinnahmen durchaus attraktive Renditen abwerfen. Hinzukommt, dass sich Ackerland nicht beliebig vermehren lässt. Durch Baulanderschließungen wird es sogar eher noch weniger und aller Voraussicht nach sehr gefragt bleiben. Das macht es zu einem hervorragenden Inflationsschutz. Zudem werden heute ja nicht mehr nur Nahrungsmittel dort angebaut, sondern die raren Flächen sind vielseitig nutzbar.

Welche nachhaltigen Zukunftschancen sehen Sie hier?

Meller: Sunfarming im weitesten Sinne ist eines der großen Themen der nächsten Jahre. Also egal ob Pflanzen für Biosprit angebaut, Flächen für Solaranlagen gesucht oder Standorte für Windkraft gebraucht werden, der Standort Acker wird immer gefragter. Neue Konzepte ermöglichen hier oft gleich eine Mehrfachnutzung, also zum Beispiel Photovoltaik auf Stelzen und Schafszucht darunter. Wer einen Acker besitzt, sollte es sich besser zweimal überlegen, den jetzt zu verkaufen.

Äcker sind weltweit gefragt, aber besonders in Europa

Der globale Preis von Farmland stieg von 2002 bis 2020 mit durchschnittlich 10 Prozent. Verglichen mit dem Goldpreis war die Wertentwicklung des Bodens in diesen 18 Jahren besser und rentierte sich mit rund 10 Prozent pro Jahr. Besonders gefragt waren Flächen in Zentraleuropa.

Grafik Global Farmland Index

Quelle: Savills Global Farmland Index (September 2021)

 

Grafik Global Farmland Index and key commodity return

Quelle: Savills Global Farmland Index (September 2021)

Autor: Florian Junker

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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