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Rendite und Diversifikation: Kunst als Geldanlage einsetzen

von A&W Online

Kunstgalerie
Foto: Seventyfour - stock.adobe.com

Aktien, Renten, Cash und vielleicht eine Immobilie: So sehen die Anlageportfolios vieler Ärztinnen und Ärzte aus. Als emotionaler, renditenstarker Wertspeicher bietet sich zusätzlich auch die Assetklasse Kunst an. Dabei gibt es einiges zu beachten. Was genau, erklären Manuela Scheubel und Matthias Batz.

Steigende Zinsen, hohe Inflation und Volatilität, unklare Zukunftsaussichten: Die Lage an den Kapitalmärkten könnte für Ärztinnen und Ärzte, die nach Anlagemöglichkeiten für ihr Vermögen suchen, einfacher sein. Gerade deshalb kommt es mehr und mehr darauf an, zusätzlich zu den typischen Formen der Geldanlage wie Aktien, Renten, Cash und meistens Immobilien weitere Wege zu eröffnen, Vermögen vor negativen Einflüssen zu schützen und langfristige Renditechancen zu erhalten.

Zu diesen alternativen Assetklassen gehört Kunst. Trotz der Corona-Krise und weiterer globaler Unsicherheiten konnte der Markt für Kunst als Kapitalanlage seinen Wachstumskurs fortsetzen. Das ist ein zentrales Ergebnis des „7. Art & Finance Reports 2021“ von Deloitte und ArtTactic. Der Report gilt bereits seit zehn Jahren als wichtiges Barometer für das Ökosystem aus Kunst- und Finanzindustrie und beleuchtet die wichtigsten Entwicklungen des Marktes. Nach den Ergebnissen des aktuellen Reports sind 85 Prozent der Vermögensverwalter, 76 Prozent der Sammler und 96 Prozent der befragten Kunstmarktexperten der Meinung, dass Kunst fester Bestandteil von Wealth Management Services sein sollte.

Mehr Rendite bei weniger Volatilität

Das ist gar nicht weiter verwunderlich. Zum einen liegt das an den interessanten Renditeaussichten, die deutlich über dem Kapitalmarktdurchschnitt liegen und es auch mit offensiv aufgestellten Aktienportfolios aufnehmen können. Der Index für zeitgenössische Kunst beispielsweise hat laut „Art & Finance Report“ (2019) von Deloitte in den vergangenen 20 Jahren um 10,71 Prozent und in den vergangenen 50 Jahren um 10,85 Prozent – jeweils pro Jahr – zulegen können. Und der „Sotheby‘s Mei Moses Art All Index“ (ein Index, der auf langfristigen Daten über Kunstkäufe und -verkäufe aufbaut und die jährlichen Erträge misst) weist zwischen 2010 und 2020 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 8,4 Prozent aus, während die Volatilität bei 16,9 Prozent lag. Zum Vergleich: Laut Deutsche Börse AG weisen europäische Aktienmärkte im Rückblick der Jahrzehnte eine typische Volatilität von 20 bis 30 Prozent auf.

Diversifikation durch Kunst deutlich verbessern

Generell gilt Kunst als nicht-korrelierter und damit kapitalmarktunabhängiger und vor allem auch inflationsgeschützter Sachwert, der hohe Mobilität und eine globale Vermögensstreuung in direkt handelbare Sachwerte ermöglicht. Durch die hohe Nachfrage nach der Assetklasse Kunst ist die Veräußerung von Gegenständen in der Regel unproblematisch möglich. Das weltweite Vermögen wächst, sodass Vermögende wachsendes Interesse an Kunst und die finanziellen Möglichkeiten des Erwerbs haben.

Der Einstieg in die Assetklasse Kunst ist bereits ab mittleren fünfstelligen Summen möglich. Mit höheren Investitionssummen sind profitable Investments in global anerkannte Künstlerinnen und Künstler mit einer über längere Zeiträume nachhaltigen Preisperformance einfacher zu tätigen. Wer also beispielsweise über eine Million Euro liquider Mittel verfügt, kann mit dem Investment von 100.000 Euro in Kunst seine Diversifikation deutlich verbessern und interessante Schutzfunktionen und Chancen im Vermögensmanagement erhalten. Für die sinnvolle Streuung des Vermögens ist das vorteilhaft.

Genaue Analysen des Kunstmarkts notwendig

Bei der Geldanlage in Kunst ist es für Ärztinnen und Ärzte wichtig, auf etablierte Künstlerinnen und Künstler zu setzen. Grund dafür ist das Ziel des Werterhalts von Investments nach Inflation. Um diesen Werterhalt sicherzustellen, braucht es Investments in Künstlerinnen und Künstler, die im Sekundärmarkt einen starken Track Record haben. Werke dieser Künstlerinnen und Künstler werden kontinuierlich auf dem Kunstmarkt gehandelt, was den Vorteil hat, diese sehr genau einpreisen zu können. Hierfür sind genaue Analysen des Kunstmarkts notwendig, ähnlich wie bei klassischen Anlageklassen.

Spezialisierte Beraterinnen und Berater kennen den internationalen Kunstmarkt, können Werke professionell bewerten und Chancen für Käufe und Verkäufe eröffnen. Das verhindert unüberlegte Spontankäufe, den planlosen Erwerb von willkürlichen Gegenständen und die Zahlung überhöhter Preise, denn wie in anderen Assetklassen liegt der Gewinn beim Kunstinvestment schon im Einkauf. Über Galerien, Kunsthändler und Auktionen können Anlegerinnen und Anleger grundsätzlich in alle Formen von Kunst über alle Epochen hinweg investieren. Es ist jedoch ratsam, bereits von Beginn an die Anlage professionell begleiten zu lassen und eine individuelle Strategie für den Aufbau eines Kunstportfolios beziehungsweise einer Kunstsammlung zu entwickeln.

Emotionalen, ästhetischen Mehrwert für die Patientinnen und Patienten liefern

Damit gilt: Kunst ist kein Selbstläufer und nicht ohne Weiteres investierbar wie ein Indexfonds. Ein Kunstportfolio sollte vielmehr mit Bedacht und abgestimmt auf die persönlichen Ziele des Vermögensinhabers aufgebaut werden. Das verhindert, dass die falschen Künstler zum falschen Zeitpunkt ausgewählt werden oder eine Sammlung ohne roten Faden aufgebaut wird. Das hat mit der gewünschten Vermögensschutzfunktion von Kunst nichts zu tun. Dabei geht es um das zur Verfügung stehende Budget, die Einbindung in die gesamte Anlagestrategie und auch den individuellen Geschmack, denn schließlich kann und darf Kunst auch gefallen. In Absprache mit dem steuerlichen Berater können Kunstwerke aus dem Privatbesitz auch an die eigene Praxis vermietet, in den Praxisräumen ausgestellt werden und auf diese Weise einen emotionalen, ästhetischen Mehrwert für die Patientinnen und Patienten liefern.

Zugleich bietet Kunst Steuervorteile. Gewinne sind nach einem Jahr steuerfrei, und der Gesetzgeber stellt Kunstgegenstände unter bestimmten Voraussetzungen von der Erbschaft- und Schenkungsteuer frei. Vollständige Steuerfreiheit wird gewährt (§ 13 Abs. 1 Nr. 2 b) ErbStG), wenn der Steuerpflichtige bereit ist, die Gegenstände den geltenden Bestimmungen der Denkmalpflege zu unterstellen, die Gegenstände sich seit mindestens 20 Jahren in Familienbesitz befinden oder in ein Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes nach den Vorschriften des Kulturgutschutzgesetzes eingetragen sind.

Die Autoren: Manuela Scheubel und Matthias Batz sind Gründer und Geschäftsführer von Truffle Art Advisory, einer auf Art Consulting und Art Asset Management spezialisierten Managementberatung aus Frankfurt am Main (www.truffle.art).

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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