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Versicherungsschutz für Ihre Praxis: Das sollten Sie wissen

von A&W Online

Regenschirm über Sparschwein
Foto: Watchara - stock.adobe.com

Um im Schadensfall richtig abgesichert zu sein, kommen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte um bestimmte Versicherungen nicht herum. Welche Praxisversicherungen dringend zu empfehlen sind und für welche Schäden sie im Ernstfall aufkommen, erklärt Claudia Pitterle* in diesem Überblick.

Haftungsrisiken können einen niedergelassenen Arzt in vielerlei Hinsicht treffen, etwa bei der Behandlung von Patienten, Erste-Hilfe-Leistungen in Notfällen oder beim Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung. Insbesondere Behandlungsfehler können Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe nach sich ziehen. Dann greift die Berufshaftpflichtversicherung.

Ärzte sind grundsätzlich dazu verpflichtet, sich hinreichend gegen Haftpflichtansprüche im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit zu versichern. Für Vertragsärzte gelten seit Juli 2021 sogar spezielle Mindestanforderungen bzgl. der Berufshaftpflicht-Deckungssumme und deren Maximierung, die bei Vertragsabschluss berücksichtigt werden müssen. Der Nachweis über einen ausreichenden Versicherungsschutz muss bis 20. Juli 2023 gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung erfolgen.

Die Rechtsschutzversicherung ergänzt die Berufshaftpflichtversicherung und deckt im Gegensatz zu dieser das Kostenrisiko eines Rechtsstreits bei der Durchsetzung eigener Ansprüche ab. Dies kann mitunter sehr langwierig und teuer sein. Die Versicherung übernimmt beispielsweise Anwalts- und Gerichtskosten. Die gewerbliche Rechtsschutzversicherung als Ergänzung zum privaten Rechtsschutz sollte ebenso den Spezial-Strafrechtschutz beinhalten. Dieser hilft beim Vorwurf von Vorsatzdelikten wie z. B. unterlassene Hilfeleistung oder Körperverletzung. Nur dieser Baustein übernimmt bei einem Vorsatzvorwurf die Verteidigung in strafrechtlichen Ermittlungsverfahren, die zu existenziellen Folgen führen können. Auch arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit einem ausgeschiedenen Mitarbeiter sind heute keine Seltenheit mehr und können über die gewerbliche Rechtsschutzversicherung abgesichert werden.

Die Praxis gegen Schäden und deren Folgen richtig abgesichert

Häufig unterschätzt wird der Wert der Praxiseinrichtung. Insbesondere die Medizintechnik ist kostspielig, durch den täglichen Gebrauch einem erhöhten Schadensrisiko ausgesetzt und oft sogar über Darlehen finanziert. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind an dieser Stelle Kunstgegenstände wie Gemälde, die die Praxis verschönern. Über eine Praxisinhaltsversicherung werden Schäden etwa durch Feuer, Einbruchdiebstahl/Vandalismus, Leitungswasser, Sturm oder Hagel abgedeckt. Ergänzend kann der Einschluss „Elementar“ abgesichert werden, der beispielsweise bei Überschwemmungen greift. Nicht über eine Praxisinhaltsversicherung versichert sind z. B. einfacher Diebstahl, Schäden durch Fahrlässigkeit/Ungeschicklichkeit, Bedienungsfehler bzw. unsachgemäße Handhabung oder durch Mitarbeiter verursachte Eigenschäden. Bei Schäden an der elektronischen Praxiseinrichtung wie der Medizin- oder Bürotechnik bietet die Elektronikversicherung als Allgefahrendeckung Schutz.

Zudem relevant ist eine Betriebsunterbrechungsversicherung. Sie greift, wenn die Praxis beispielsweise wegen eines Wasserschadens kurzfristig geschlossen werden und aufgrund der Renovierungsarbeiten mehrere Wochen nicht genutzt werden kann. Versichert sind dann sowohl der entgangene Gewinn als die fortlaufenden Kosten, z. B. Löhne und Gehälter, Mieten und Pachten. Ergänzend deckt eine Praxisausfallversicherung die Fixkosten eines Geschäftsjahres (Personalkosten, Miete und Versicherungsbeiträge) und leistet bei Umsatzausfällen aufgrund von Krankheit oder Unfall des Praxisinhabers sowie behördlich angeordneter Quarantäne. Ist ein Arzt beispielsweise durch einen Schienbeinbruch infolge eines Skiunfalls für fünf Monate arbeitsunfähig, trägt die Versicherung die fortlaufenden Fixkosten, die sich schnell auf einen mittleren fünfstelligen Betrag summieren können.

Cyber-Risiken nehmen zu

Oftmals unterschätzt, aber existenziell wichtig: die Cyber-Risk-Versicherung. Schadsoftware kann Unternehmen, Behörden, Krankenhäuser und Praxen tagelang lahmlegen. Mit Erpressung und dem Verkauf von Gesundheitsdaten auf dem Schwarzmarkt lassen sich enorme Summen verdienen. Das Bewusstsein dafür, selbst einem Angriff auf die eigene Arztpraxis ausgesetzt zu sein, ist derzeit noch sehr gering, obwohl die Gefahr stetig vorhanden ist. Eine Cyber-Risk-Versicherung schützt bei Angriffen auf Informations- und Kommunikationstechnologien der Praxis. Mögliche Folgen sind Eigenschäden (z. B. Betriebsunterbrechung, Datenverlust) und Drittschäden (z. B. Haftungsansprüche Dritter), welche laut GDV schnell eine Höhe von über 35.000 Euro überschreiten können – und nicht zuletzt auch zum Reputationsschaden für die Praxis führen, der nur sehr schwer zu beziffern ist. Außerdem hilft im Fall der Fälle die in der Regel in Cyber-Risk-Versicherungen enthaltene Assistanceleistung dabei, mit Unterstützung von Experten schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Krise zu bewältigen.

Ergänzende Versicherungen

Um den Versicherungsschutz zu komplettieren, sei an dieser Stelle noch auf die Software- und Ärzteregressversicherung hingewiesen. Die Softwareversicherung ist – wie auch die Elektronikversicherung – eine Allgefahrenabdeckung. Versichert sind die Zerstörung und Beschädigung der eigenen Software der Arztpraxis und die Wiederherstellung der dadurch verlorengegangenen Daten. Bei der Ärzteregressversicherung ist der Regress von der Kassenärztlichen Vereinigung z. B. bei unwirtschaftlicher Verordnungsweise von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln, unwirtschaftlicher Veranlassung von Sach-, Labor- und Röntgenleistungen versichert.

Fazit: Existenzbedrohende Risiken unbedingt absichern

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie sich mit der Berufshaftpflichtversicherung, Rechtsschutzverssicherung, Praxisinhaltsversicherung, Praxisunterbrechungsversicherung und der Cyber-Risk-Versicherung gegen existenzbedrohende Gefahren gut absichern können. Bei allen anderen Versicherungen gilt jeweils im Einzelfall abzuwägen, ob Sie Schäden aus der eigenen Tasche finanzieren können und wollen oder auch hier den Versicherungsschutz bevorzugen.

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Bitte unterstützen Sie Claudia Pitterle bei der Erhebung von empirischen Daten im Rahmen ihrer Dissertation mit der Beantwortung einer kurzen Umfrage (Zeitaufwand 8 bis 10 Minuten). Mit Ihrer Unterstützung und Teilnahme helfen Sie wiederum Ärztinnen und Ärzten dabei, ihre Entscheidungen rund um Versicherungsfragen im Rahmen der Praxis zu verbessern. Vielen Dank! Hier geht es direkt zur Umfrage

*Die Autorin: Claudia Pitterle ist Certified Financial Planner und Beraterin beim Finanzdienstleister MLP in München. Derzeit schreibt sie an ihrer Dissertation zum Thema „Entscheidungsverhalten niedergelassener Ärzte Rund um die Versicherungen für die Praxis“.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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