Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Medizin

Die Kosten für neu zugelassene Arzneimittel haben einen neuen Höchststand erreicht. Seit 2010 haben sich die Preise neuer Arzneimittel in Deutschland fast vervierfacht. Die durchschnittlichen Kosten für neu eingeführte Arzneimittel pro Patienten und Jahr sind laut Report von 40.000 auf 150.000 Euro gestiegen.

Inzwischen ist damit jede vierte Neuheit ein Hochpreis-Medikament mit Kosten von über 100.000 Euro. Damit hat sich der Anteil der hochpreisigen Medikamente nahezu verdoppelt. Bis Ende 2019 wurden insgesamt 259 neue Wirkstoffe in 439 Verfahren durch den G-BA auf einen Zusatznutzen hin geprüft. Bei mehr als der Hälfte dieser Nutzenbewertungen (57 Prozent) konnte ein solcher belegt werden. Dieser Wert bleibt über die vergangenen Jahre konstant.

Dabei zeigt sich laut DAK-Report auch in diesem Jahr der Trend zu immer höheren Markteintrittspreisen. Mit Jahrestherapiekosten von durchschnittlich 150.000 Euro pro Patienten wurde 2019 ein neuer Höchststand erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 50 Prozent. „Wir müssen offen darüber diskutieren, wie wir künftig nicht nur den Nutzen einer Therapie systematisch bewerten, sondern bei hochpreisigen Arzneimitteln auch die damit verbundenen Kosten“, sagt Andreas Storm. „Das ist die Herausforderung der Zukunft.“

Abschläge auf konstantem Niveau

Die verhandelten Abschläge, die für die Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen den Preis neuer Arzneimittel reduzieren, bleiben auf einem weitestgehend konstanten Niveau zwischen 18 und 27 Prozent. Es ist erkennbar, dass sich die Spielräume für Preisabschläge auch bei hochpreisigen Arzneimitteln nicht bedeutend vergrößern. Somit funktioniert das Instrument der Preisverhandlungen im AMNOG-Verfahren, jedoch ist auch hier ein deutlicher Trend zu erkennen: Nach den Preisverhandlungen und entsprechenden Korrekturen nach unten werden die neu zugelassenen Arzneimittel im Durchschnitt immer teurer.

Alles in allem zeigt sich das AMNOG-Verfahren als lernendes System, das sich in den vergangenen zehn Jahren bewährt hat. Das verdeutlichen laut der Forscher der Uni Bielefeld vier Kennzahlen: 10, 22, 5 und 11 – in den zehn Jahren AMNOG gab es insgesamt 22 kleine Anfragen an die Bundesregierung, fünf Urteile des Bundessozialgerichts und elf Änderungsgesetze mit entsprechenden Nachbesserungen. Insgesamt belaufen sich die Einsparungen allein für die gesetzlichen Krankenkassen über den gesamten Zeitraum auf mindestens neun Milliarden Euro – trotz der immer weiter steigenden Arzneimittelpreise. Das ursprüngliche Einsparziel des AMNOG von zwei Milliarden Euro jährlich wurde somit erfüllt.