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HIV: Hoch virulente Variante in den Niederlanden gefunden

von Ines Schulz-Hanke

HIV
Foto: Kateryna_Kon - stock.adobe.com

Anfang dieses Jahres identifizierte eine internationale Forschergruppe eine hochvirulente HIV-1-Variante – und positioniert sich deutlich hinsichtlich Testung und Therapie.

1920 tauchte die Hauptgruppe HIV-1, die für die globale Pandemie verantwortlich ist, erstmals auf dem Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo auf. Bis 1960 entwickelten sich Subtypen sowie verbreitet zirkulierende rekombinante Formen (CRF) mit unterschiedlicher geografischer Verbreitung und Virulenz.

Variante des HIV-1-Subtyps B

Das jetzt bei 109 Menschen isolierte Virus ist eine Variante des HIV-1-Subtyps B. In dieser Gruppe stieg die Viruslast im Schnitt 3,5- bis 5,5-fach rascher an als in der Vergleichsgruppe (n = 6.604), die mit einer anderen B-Variante infiziert war, und der Abfall der CD4-Zellen erfolgte doppelt so schnell. Ein fortgeschrittenes Infektionsstadium mit CD4-Zellzahlen unter 350 Kopien/mm3 könnte die neue Variante bei 30-Jährigen ohne Therapie bereits neun Monate nach Diagnose verursachen.

Erhöhte Infektiosität durch Mutationen

Genetische Sequenzanalysen lassen vermuten, dass die Variante in den 1990er-Jahren entstanden ist und dass ihre erhöhte Infektiosität und Virulenz auf Mutationen beruhen, nicht auf Rekombination. Der Großteil dieser Evolution hat vermutlich stattgefunden, bevor es wirksame Kombinationstherapien gab. Die Entdeckung dieser Mutante unterstreiche, wie wichtig der Zugang zu engmaschigen Tests für Menschen mit hohem Infektionsrisiko ist sowie der sofortige Therapiebeginn für Menschen, die mit HIV leben. Denn ohne Replikation könne kein Virus mutieren, Infektionsrisiko sowie Krankheitslast würden eingedämmt, so die Autorengruppe.

Quelle: Wymant et al. Science 2022; 375: 540–545.

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