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Medizin

Die Ergebnisse ihrer kürzlich veröffentlichten Studie deuten darauf hin, dass Kinder den akuten Stress ihrer Mütter sowohl emotional als auch körperlich mitfühlen – jedoch weniger stark, als sie zuvor angenommen hatten. Teilgenommen haben 76 Mütter mit ihren Kindern im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.

Stress der Mutter ruft körperliche Reaktionen bei Kindern hervor

Die Studienautorinnen und -autoren bewerteten die Reaktion der Kinder, während sie ihre Mütter entweder bei einem klassischen Stresstest beobachteten oder beim Vorlesen (Kontrollgruppe). Dabei konzentrierten sie sich auf folgende Stressindikatoren:

  • Kortisol-Spiegel
  • Herzrate
  • Herzratenvariabilität
  • Subjektive Stresseinschätzung (auf einer Skala von 1 bis 7)

Dabei zeigte sich, dass die Kinder von gestressten Müttern eine stärkere subjektive Stressbelastung empfanden als Kinder aus der Kontrollgruppe. Vor allem bei den Jungen ließ sich darüber hinaus eine stressbedingte Erhöhung des Kortisol-Spiegels feststellen. Auch die Herzratenvariabilität fiel in der Stressgruppe deutlich stärker ab als in der Vorlesegruppe. Der Abfall war dabei proportional zur Veränderung der Herzratenvariabilität der Mütter während des Stresstests.

Jungen offenbar anfälliger als Mädchen

„Grundsätzlich lassen sich Kinder im mittleren Alter aber nicht so leicht vom Stress ihrer Mütter anstecken, wie wir das erwartet hatten. Überrascht hat uns auch ein bisschen, dass Jungen stärker auf den Stress ihrer Mütter reagieren als Mädchen im selben Alter. Dafür haben wir noch keine Erklärung“, sagte Jost Blasberg, Psychologe und Erstautor der Studie in einer Pressemitteilung. „Gezeigt hat sich aber auch, dass sich die Kinder in ihre Mütter hineinversetzen und ihren Stress nachempfinden können. Das ist gut, denn wer Stress nachempfinden kann, ist eher gewillt, anderen zu helfen.“

Trotzdem warnen die Studienautorinnen und -autoren davor, chronische Stressbelastung in Familien zu unterschätzen. So könne angesichts der hohen kindlichen Abhängigkeit von den Eltern das häufige Erleben von empathischem Stress die kindliche Entwicklung negativ belasten, wie die Arbeitsgruppenleiterin Prof. Engert ergänzte.