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Nicht-alkoholische Fettleber: Wird Kindern das Risiko in die Wiege gelegt?

von Melanie Söchtig

Baby
Foto: lisalucia - stock.adobe.com

Bereits seit Längerem schwebt der Verdacht im Raum, dass eine Belastung durch hormonaktive Chemikalien im Mutterleib das Risiko für Lebererkrankungen beim Nachwuchs erhöhen kann. Eine amerikanisch-europäische Forschergruppe schafft jetzt Klarheit.

In einer prospektiven Kohortenstudie haben die Forschenden den Zusammenhang zwischen der pränatalen Exposition gegenüber sogenannten endokrinen Disruptoren, also hormonaktiven Substanzen mit gesundheitsschädlicher Auswirkung, und dem Risiko von Leberschäden und hepatozellulärer Apoptose im Schulkindalter untersucht.

Hierfür griffen sie auf die Daten von 1.108 Mutter-Kind-Paaren zurück, die vom 1. April 2003 bis zum 26. Februar 2016 im Rahmen des Human Early-Life Exposome (HELIX) Projekt gesammelt wurden. Dabei handelt es sich um ein kollaboratives Netzwerk von sechs laufenden, bevölkerungsbasierten prospektiven Geburtskohorten aus sechs europäischen Ländern (Frankreich, Griechenland, Litauen, Norwegen, Spanien und Großbritannien). Die Daten wurden vom 1. April 2021 bis zum 31. Januar 2022 ausgewertet.

45 Umweltgifte als Ursache für Fettleber im Visier

Von den teilnehmenden Müttern wurden während der Schwangerschaft Nabelschnurblut-, Blut- und Urinproben genommen, die auf 45 endokrine Disruptoren (u. a. Kunststoffe, Pestizide, Metalle) untersucht wurden. Bei den Kindern wurden im Alter von sechs bis elf Jahren die Serumspiegel von Alanin-Aminotransferase (ALT), Aspartat-Aminotransferase (AST), γ-Glutamyltransferase (GGT) und Zytokeratin-18 (CK-18) gemessen.

Als Risiko für eine Leberschädigung wurden ALT-, AST- und/oder GGT-Werte über dem 90. Perzentil definiert. CK-18 entsteht bei der Apoptose von Leberzellen und kann daher auf eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung hinweisen. Bei der statistischen Auswertung wurden weitere Einflussfaktoren wie Alter, Body-Mass-Index und Bildung der Schwangeren sowie Alter, BMI und Geschlecht des Kindes berücksichtigt.

Fast ein Viertel der Kinder betroffen

Bei der Auswertung der Daten stellte sich heraus, dass 22,8 Prozent der eingeschlossenen Kinder ein hohes Risiko für Leberschäden trugen. In vielen Fällen waren die betroffenen Kinder übergewichtig oder fettleibig. Zudem hatten ihre Mütter häufiger einen niedrigeren Bildungsstand oder einen höheren BMI.

An den Leberwerten des Nachwuchses zeigte sich darüber hinaus, dass eine Belastung mit endokrinen Disruptoren in der Schwangerschaft das Risiko für spätere Leberschäden befeuert und mit höheren CK-18-Werten assoziiert ist. Besonders ausgeprägt waren dabei die Auswirkungen von Organochlor-Pestiziden, polybromierten Diphenylethern (PBDE), per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) und Metallen.

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